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"Böswillig, gemeingefährlich und strafbar" - Ein Spickmich-Geplagter wehrt sich

 
05.07.2007 - 12:16



Im Onlineportal Spickmich.de können Schüler ihre Lehrer benoten. Die sind davon oft nicht begeistert. Jetzt schlagen einige von ihnen zurück. Zum Beispiel Michael Rahte aus dem niedersächsischen Hemmingen. Ein InterviewInterview: Lisa Seiler

Sie und einige Kollegen haben sich selbst auf Spickmich.de in die Top Ten der besten Lehrer gewählt. Wie genau haben Sie das eigentlich angestellt?
Genau wie die Schüler: Wir haben uns verschiedene E-Mail-Adressen besorgt, die gibt es ja kostenlos. Dann haben wir uns bei Spickmich.de angemeldet und unsere Kollegen hoch gevotet. Anschließend kamen die zehn besten Lehrer Deutschlands laut Liste alle von unserer Schule.

Und wozu der ganze Aufwand?
Wir haben das Ganze gestartet, um die Sache ad absurdum zu führen. Wir haben nämlich festgestellt, dass Schüler sich unter anderen Namen anmelden, so dass hinter den Bewertungen keine bestimmte Person erkennbar ist. Da haben wir uns gesagt, wir können ja mal gucken, ob wir die Jungs mit ihren eigenen Waffen schlagen können. Das heißt, wir bewerten uns selbst und schießen uns einfach mal in die Top Ten hoch.

Finden Sie es denn okay, Ihre Noten zu manipulieren? Schüler bekämen für sowas schließlich eine Menge Ärger.
Es sind ja keine Noten, es sind Bewertungen, die für Kriterien wie sexy oder uncool, leichte Prüfungen oder schwere Prüfungen, fair oder unfair abgegeben werden. Also alles ziemlich sachfremde Dinge.

Wie haben denn die Schüler auf Ihre Aktion reagiert?
Ich habe bisher, überwiegend aus der Oberstufe, durchweg positive Reaktionen bekommen. Was die Lehrer angeht, ist gerade Erntedankfest. Ich habe viele Mails bekommen, einige Kollegen haben mich auch angerufen. Der Tenor war: Die Hilflosigkeit hat ein Ende.

Wie lange standen Sie und Ihre Kollegen in den Spickmich-Top Ten?
Mit der kompletten Liste ungefähr drei Stunden lang, dann haben sie uns erwischt. Unsere Zugänge wurden gesperrt und all unsere Wertungen herausgenommen. Da hat Big Brother gut zugeschlagen. Wir hatten für unsere Schule 97 Zugänge und ab Sonntagabend konnte man zusehen, wie es ständig weniger wurden. Die haben also festgestellt, dass sie von irgendwem veralbert werden. Und am Montag haben sie dann wohl all unsere Bewertungen rausgenommen. Kollegen, die ich 50 Mal positiv bewertet hatte, standen plötzlich wieder mit 0,0 da und waren für Bewertungen gesperrt. Das hat ja auch sein Gutes. Ein Kollege, der gesperrt ist, kann ja auch nicht mehr von Schülern bewertet werden

Fühlen Sie sich durch die Bewertungen denn angegriffen?
Persönlich nicht. Es ist ja der Berufsstand, der dort angegriffen wird, auch sehr unflätig. Es gibt so genannte Klubs, die von Schülern betrieben werden, und zu denen sie einen zulassen können oder nicht. Die nennen sich dann zum Beispiel "Lehrer XY-Hassklub". Wenn man das liest, weiß man, dort wird ordentlich über einen hergezogen. Das Internet ist aber kein rechtsfreier Raum und das ist es, was viele Schüler noch nicht kapiert haben. Zum Teil ist das Unbedarftheit, zum Teil sind das pubertäre Spielereien, zum Teil ist es aber auch böswillig, gemeingefährlich und strafbar.

Was haben Sie noch vor?
Wir lassen diese Geschichte jetzt ein bisschen sacken und dann machen wir uns Gedanken über neue Varianten. Wir haben ja auch viel dazugelernt. Das Problem ist nur, dass solche Aktionen unheimlich viel Zeit fressen. Ich selbst hatte etwa 20 Zugänge. Sich 20 mal einzuloggen und die Kollegen hochzuvoten dauert.

Würden Sie uns verraten, welche Ideen Ihnen für die Zukunft vorschweben?
Zuletzt haben wir uns überlegt, einfach eine Schule zu erfinden - das komplette Lehrerkollegium und die Schüler. Aber jetzt haben wir erstmal keine Zeit für sowas, weil wir gerade Zeugniskonferenzen haben.

Foto: Screenshot spickmich.de