Gambia: Einfach mal ein Haus bauen
Eigentlich wollte sie an einer Blindenschule im afrikanischen Gambia nur unterrichten. Dann lernte Lia, 20, einen Mann kennen, dessen Schicksal sie anrührte – und organisiert jetzt einen Hausbau für ihn und seine Familie.
Von Deutschland aus Lias Handy in Gambia anzurufen ist gar nicht so einfach. Fast zwei Minuten herrscht Stille. Dann endlich steht die Leitung, auch wenn es immer noch bedenklich rauscht und knattert. Zwischen Gambia und Deutschland liegen über 4.000 Kilometer. Lia Causin hat sich nach ihrem Abi im Oktober 2010 von Oldenburg aus in die gambische Stadt Sukuta aufgemacht. Dort lebt sie in einer gambischen Großfamilie. Tagsüber unterrichtet sie an einer Blindenschule, denn eine bessere Ausbildung als sie haben die Lehrer dort auch nicht.
„The Gambia“, so der offizielle Name des Staates, liegt im Westen Afrikas. Knapp 1,8 Mio. Menschen leben dort auf einer Fläche ungefähr so groß wie Hessen.
Ein Projekt im Projekt
Es ist gerade neun Uhr morgens in Gambia, eine Stunde vor unserer Zeit. Im Hintergrund hört man andere Menschen reden. Ab und zu unterbricht Lia das Gespräch für ein paar Worte auf Englisch oder Mandinka, der Sprache der Einheimischen. Gleich muss sie zum Unterricht. Vorher versucht sie noch, mir ihr ganz eigenes Projekt zu beschreiben.
Bei ihrer Arbeit lernte Lia Ende letzten Jahres einen blinden Mann namens Cherno kennen. Selbst für gambische Verhältnisse hat er ein schweres Schicksal. Nachdem er erblindete, verlor er seine Arbeit. Mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern lebt er seither in einer Art winzigem Verschlag, direkt an einer großen Straße. „Das Bett allein nimmt den größten Teil des Raums ein“, erzählt Lia. An Privatsphäre oder auch nur Tageslicht ist in dieser Behelfslösung nicht zu denken. Zu allem Überfluss müssen die vier Familienmitglieder ständig damit rechnen, von einem Tag auf den nächsten hinausgeworfen zu werden.
„Ich habe selten so dankbare Menschen erlebt“
Eine richtige Unterkunft gibt es also nicht, allerdings besitzt die Familie ein kleines Stück Land weiter außerhalb. Diese Chance wollten sich Lia und ihre Unterstützer nicht entgehen lassen. Aus der Umgebung wurden Arbeiter angeheuert, die das verwilderte Grundstück mähten und recht zügig damit begannen, Lehmziegel für ein einfaches Haus zu mischen. Auch ein Freund der Familie packte nach seiner eigenen Arbeit noch mit an. „Ich habe selten so dankbare Menschen erlebt“, beschreibt sie die Reaktion der Familie. „Als wir das erste Mal da waren, haben sie nicht nach Geld gefragt oder gesagt, dass sie wirklich Unterstützung brauchen. Man sieht ihnen jetzt an, wie froh sie einfach nur sind.“
Eigentlich wollte die 20-Jährige ihre Projektgelder aus dem Weltwärts-Programm für den Hausbau nutzen, doch die reichten bei weitem nicht aus. Also bat sie um Hilfe aus der deutschen Heimat. Lias Mutter richtete ein Spendenkonto ein, ein Chor veranstaltete kürzlich ein Benefiz-Konzert. Von Gambia aus hält Lia den Kontakt mit einem privaten Blog, auf dem sich ihre Freunde und Unterstützer über den Stand der Dinge informieren können. Ihre Gastfamilie hat selbst kaum Geld, kümmert sich aber intensiv um die Organisation vor Ort.
Spendenkonto
Ihr wollt Lias Projekt unterstützen? Hier findet ihr die Daten des Spendenkontos, dessen Geldeingänge dem Haus und seiner Einrichtung zugute kommen: Konto 20 10 63 100 bei der Raiffeisenbank Wesermarsch (BLZ 280 614 10).
Bislang kamen so knapp 900 Euro zusammen, vor allem für die Einrichtung werden aber weitere Spenden benötigt.
Das Haus steht mittlerweile fast, eine vernünftige Einrichtung fehlt allerdings noch. Damit allein ist es allerdings noch nicht getan, denn Lia möchte auf dem Grundstück noch einen Garten anlegen. Mit dem Verkauf von selbst angebautem Gemüse können die vier Familienmitglieder langfristig ihr Auskommen sichern, so zumindest die Hoffnung.
Lias Engagement ist nur ein Beispiel für konkrete Hilfe fernab der Heimat - aber vielleicht ein besonders nachahmenswertes. Warum macht man so etwas? „Vielleicht brauche ich irgendwann auch mal Hilfe und dann hoffe ich auch, dass ich Menschen finde, die sie mir geben können.“ Erst einmal hat sich Lia selbst ein nächstes Ziel gesetzt: Sie will einigen Leuten aus dem Dorf dringend nötige Zahnarztbesuche ermöglichen.
Noch mehr Beiträge zum aktuellen Top-Thema "Engagement" lest ihr auf www.schekker.de.
Text: Theo Müller
Bilder: Lia Causin/Weltwärts
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Kommentare
Link zum Blog?
Respekt vor so viel Mut und Willensstärke.
Ich würde gern mehr von ihrem Leben in Afrika lesen, wie heißt denn ihr Blog?
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Das finde ich auch, auf jeden Fall.
Ihr Blog ist anscheinend nur für den privaten Gebrauch gedacht, allerdings tatsächlich sehr lesenswert. Ich möchte die URL nicht ohne Rücksprache rausgeben, aber ich gebs mal weiter und melde mich nochmal hier=)
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Trommelwirbel im Internet
Das kann ich verstehen. Vielleicht hat sie aber auch nichts dagegen.
Ich werde im August auch weltwärts gehen, allerdings nach Ghana, und freue mich deshalb sehr über Erfahrungsberichte aus Afrika ;)
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PN
Ich hab dir ne Nachricht geschickt:)
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Hut ab...
Hut ab...
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