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Ich bin wir - Über Jugendkulturen
„Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein“, sangen schon Tocotronic. Punk, Emo, Gothic, Straight Edge: Warum wir gern in Gruppen sind, aber Schubladen hassen. SPIESSER lässt 8 Vertreter unterschiedlicher Jugendkulturen zu Wort kommen.
Emo:
Gabriel, 20, aus Berlin muss seine Männlichkeit nicht ständig unter Beweis stellen

Es ist nicht so, dass ich ständig weinend in der Ecke sitze. Trotzdem bin ich Emo. Aber nicht, weil ich mit meinen Gefühlen nicht klarkomme. Mir gefällt einfach der Stil: enge Klamotten, schwarz gefärbte, längere Haare, die ins Gesicht fallen.
Dass mir jemand „Iiih, guck mal ein Emo“ hinterher ruft, passiert mir bestimmt ein oder zwei Mal die Woche. Naja, ich glaube, manche brauchen einfach ihre Feindbilder, um mit sich selbst klarzukommen. Dabei denke ich, dass jeder Jugendlicher sich irgendeine Sparte sucht. Selbst „nichts sein“ ist schon zur Gruppe geworden.
In meinem nahen Umfeld bin ich aber auf wenig Verständnis gestoßen, als ich vor etwa vier Jahren anfing, mich so zu kleiden. Nur mein älterer Bruder meinte mal, ich sehe schwul aus. Ist mir gleich. Ich muss meine Männlichkeit nicht ständig unter Beweis stellen.
EMO
kurz für Emotional Hardcore [engl.], Subgenre des Hardcore-Punk mit starker Betonung von Gefühlen und zwischenmenschlichen Themen.
Genauso wenig spielt für mich eine Rolle, dass ich Schlagzeuger bei „Kill Her First“ bin, obwohl wir überall als „female Emocore-Band“ beschrieben werden. Vor mir waren eben nur Mädels in der Band, die mit ihrem harten, kraftvollen Sound und dem Growlen unserer Sängerin Gerox gerade wenig weibliche Lieblichkeit ausstrahlten. Ich laufe jetzt halt unter dem Label „female“. Mir gehts um die Musik.
An sich ist es musikalisch gesehen relativ vage, was Emocore eigentlich ist. Klar spielen gefühlsbetonte Texte eine Rolle. Aber dann könnte man auch Radiohead eine Emo-Band nennen. Auf die Idee würde wohl niemand kommen.
Eigentlich machen mich Stil und Musik zum Emo. Nicht irgendwelche politischen Statements, wie bei anderen Jugendkulturen. Und mich nervts wirklich, wenn Leute alles auf unsere – in Anführungsstrichen – angebliche Gefühlsduselei schieben. Warum sollte sich mein Leben anders anfühlen, nur weil ich Röhrenjeans trage?
Liedzeilen, die mich gut beschreiben
I play my cards with all the risks, no more games & bloody fists, time is come for some trust, I leave behind all the past! (Kill her first „No More Games“)
Die Jugendkultur Indie gibts auf der nächsten Seite.
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Kommentare
wenn es bei den jugendkulturen
um die freie entfaltung seiner persönlichkeit ginge, würde man nicht äußerlich und vom kleidungsstil her andre nacheifern. die persönlichkeit definiert sich nicht an äuserlichkeiten oder dem konsumverhalten.
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Wir wollen doch alle dasselbe,
besonders sein, auffallen, herrausstechen und uns profillieren.
Darin sind auch alle Jugendkulturen gleich.
Ich glaub ich bin ein übelster Emo-Indie-Hippie, der Drogenmissbrauch ablehnt und trotzdem weiß, wie man Alkohol genießt. Ich denke, dass Liebe, Spaß und Sex Grundbausteine für ein gutes Leben sind und ich eine Brücke zwischen HipHop und Metal schlagen kann.
Welcher Schublade muss ich mich jetzt zuordnen?
Schubladendenken kann helfen und "Sicherheit" geben. Aber irgendwo sind dem doch auch Grenzen gesetzt. Menschen können zu vielseitig sein, als dass sie sich über einen Gesichtspunkt definieren lassen.
Oder geht's dabei dann um den "Hauptschwerpunkt"?
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Anfrage
Warum ist deiner Meinung Sex notwendig, um ein gutes Leben zu füren?
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Anfragenbeantwortung
Weil's fetzt.
Glückshormone, Entspannung, Experimentierung, aufreizende Momente, "spielen" mit dem anderen Geschlecht (im Sinne von ausprobieren), Körper die sich aneinander reiben.
Ein Leben ohne Sex ist wie Arbeit ohne Spaß.
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Gleichgesinnte
Ich seh's gern so: Ich weiß, wie ich bin. Und in einer Gruppe, in einer Kultur, wie auch immer, kann ich mich mit anderen austauschen, die auch (zumindest teilweise) so sind wie ich. Und das tut gut.
Und es gibt Leute, die nicht wissen, wie sie sind. Denen tut es vielleicht gut zu sehen, wie sie sein könnten. Eine Auswahl zu haben, um dann selbst für sich was draus zu machen.
Ich seh mich auch nicht in einer bestimmten Gruppe. Am Meisten noch Hippie, denke ich. Allerdings bin ich dafür nicht entspannt genug. Indie vielleicht? Aber wie bei Robatt: Ich mag Alkohol - in Maßen (Oh Gott, wie spießig sich das anhört. Aber dafür bin ich ja hier :D)
Ich falle aber auch gern auf. Will den Leuten zeigen: Hey, nicht jeder muss Normalo sein. Also Punk? Aber ansonsten habe ich mit Punk wirklich nicht viel am Hut.
Vermutlich bin ich ein Klogki. Aber das muss jetzt wirklich niemand verstehen!
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Suppen-Kultur
Grundsätzlich finde ich alles legitim. Jedem das Seine, schließlich gibt es Gründe, warum wir uns beispielsweise in der Metal-Szene wohler fühlen, als im Hip-Hop Bereich.
Nur, wenn ein totales Ab-und Ausgrenzen anderer Subkulturen von statten geht, und man sich offensichtlich durch Reinsteigern in der Szenen-Welt verliert, nach dem man aus dem Alter eines pupertären Teenagers herausgewachsen ist, dann ist das peinlich.
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