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Praktikum bis in den Tod? Pervers!

27. August 2013 - 14:23
von SPIESSER-AutorIn anonymer Nutzer.
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Was für eine perverse Branche! In London wurde ein 21-jähriger Deutscher tot in seinem Studentenwohnheim aufgefunden. Er war Praktikant bei der Investmentbank Merrill Lynch und hatte vor seinem Tod drei Nächte durch gearbeitet. Wochenarbeitszeiten von 100 Stunden und mehr sind auch für Praktikanten keine Seltenheit in der Investmentszene. Über die genaue Todesursache von Moritz E kann bisher nur spekuliert werden. Aber jeder von uns weiß, dass Schlafentzug zu Kreislaufproblemen und Herzrhythmusstörungen führen kann. Und offenbar auch zum Tod. In Japan nennen sie den Tod durch Überarbeiten Karōshi. Was sagt es über eine Gesellschaft, wenn sie ein eigenes Wort für ein solches Phänomen erfinden muss? Hören wir auf, herum zu lamentieren: Es sagt nichts anderes, als dass diese Gesellschaft krank ist und krank macht! Das gilt nicht nur für Japan oder die Londoner Investmentszene, sondern für die globalisierte kapitalistische Gesellschaft als Ganzes. Damit es dazu kommen kann, dass sich Menschen tot arbeiten, braucht es zweierlei. Erstens: Eine Gruppe Ausbeuter – in diesem Fall Merrill Lynch. Zweitens: Menschen, die sich ausbeuten lassen – in diesem Fall Moritz E. Wenn wir unsere kranke Gesellschaft also wirklich heilen wollen, müssen wir uns an soziale Standards wie die 40-Stunden-Woche auch in der Realität halten – nicht nur auf dem Papier. Auch gegen die Interessen der menschenverachtenden Investmentbranche. Und jeder Einzelne muss sich dagegen wehren, wie ein moderner Sklave behandelt zu werden. Moritz E meinte wahrscheinlich, er müsse 100 Stunden und mehr pro Woche arbeiten, um jemand zu sein. Nun ist er gar nicht mehr. Oder findet ihr es richtig, für den perfekten Lebenslauf wirklich alles zu geben?

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Kommentare

Sieben Kommentare
  • Mittlerweile gibt es neue Erkenntnisse im Fall des toten Praktikanten. Ein Gerichtsmediziner hat bestätigt, dass der 21-jährige Moritz Erhardt an den Folgen eines epileptischen Anfalls starb. Mehr Infos gibts hier: http://www.spiegel.de/karriere/berufsstart/toter-bank-praktikant-in-lond...

  • Junge Menschen tun heutzutage alles um schnell die Karriereleiter hoch zu klettern. Aber warum unterstützen das große Unternehmen auch noch oder schreiten nicht ein wenn jemand eine 100 Stunden Woche hat.

  • Also bei Spiegel Online wurde geschrieben, dass die hohen Arbeitszeiten normal sind, dass machen nicht nur die Praktikanten. Soll da aber auch viel Leerlauf geben, wo man sich mal 3h im Büro langweilt und nichts macht.

  • Wieso wird denn überall von "Totarbeiten" als Todesursache ausgegangen. Das war eine reißerische Mutmaßung der Klatschpresse.
    Natürlich ist die Thematik im Allgemeinen ein Problem, aber diesen völlig unklaren Fall als Argumentationsgrundlage zu verwenden ist schon sehr fragwürdig.

  • von den Bankern, die ihr fettes Gehalt kassieren, kann mir keiner erzählen, er hätte als Praktikant auch 100 Stunden pro Woche gearbeitet. Da muss man eben auch als Vorgesetzter mal den A**** aus dem Sessel wuchten und dem Praktikanten erklären, dass es seiner Karriere nicht schaden wird, wenn er 50-60 Stunden weniger arbeitet. Meine Güte...die Banker sind doch mitverantwortlich, wenn sich eine derart krasse Konkurrenzsituation unter den Praktikanten entwickelt, vom Leistungsdruck ganz zu schweigen!

  • aber vielleicht hätte man ihn vor dieser tödlichen entscheidung bewahren können. dann nämlich, wenn arbeitgeber verpflichtet wären, praktikanten nach 40 stunden nach hause zu schicken. und dem auch nach kommen würden! dann würde auch der druck aus dem elternhaus nicht so groß werden. um einen job zu bekommen, würde es dann vielleicht darauf ankommen, was man kann - aber nicht wer als letztes umkippt.

  • Es war ja kein "gewöhnlicher" Banker. Er hatte große "Chancen". War an einer "Elite" Schule gewesen, hatte schon ein paar erfolgsversprechende Praktika absolviert,...
    Ich denke mal, dass er in der Bankenbranche hoch hinauswollte um dann mal Andere auszubeuten. Und wenn das die Voraussetzungen für einen Job sind, bei denen man am Ende Millionär wird, kann ich gerne drauf verzichten.
    Wenn man meint, dass 100h/w arbeiten kann, damit man mal viel Geld verdient ist das seine Sache. Er hätte auch normaler Bankangestellter werden können, wo er dann seine 40h Woche hat. Nur lieber viel Geld mit den gesundheitlichen Folgen oder ein Durchschnittseinkommen. Der Kerl hat sich entschieden.

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