Autos sind für Sandy rot, blau oder grün und sie fahren mehr nicht. Für SPIESSER stieg sie trotzdem in einen Rennwagen der Formula BMW Europe: eine Testfahrt in Spanien.
Ausgerechnet ich soll in einen Rennwagen steigen? Mal eben ein-paar-Runden-drehen ? Dann lasst bitte auch Michael Schumacher mit einer Barbie spielen. Jetzt stehe ich im schwülwarmen Fahrerlager der Rennstrecke Ricardo Tormo nahe Valencia, dem spanischen Eldorado aller Fans PS-geschwängerter Motoren. Ich quetsche mich in einen weiß-blau-roten Rennoveralls. Modisch? Na ja, Hauptsache feuerfest. Noch Rennfahrerstiefel, Maske und Helm aufsetzen und ich bin vom lässig-renngeilen Profi nicht zu unterscheiden. Zur Info: 125 Fahrstunden saß ich damals neben meinem Fahrlehrer, und erst nach langem Betteln ließ er mich zur Prüfung. Und selbst als ich die Plastikkarte schließlich in Hand hatte sagte er zu mir: Richtig fahren kannste eigentlich immer noch nicht!
Nun also Valencia. Mein Versuch, so elegant wie möglich in die schmale Sitzöffnung des Rennautos zu gleiten, scheitert: An den Armen bleibe ich stecken. In diesem Fahrerraum kann man ja kaum einen Lungenzug voll atmen. Mit meinen stolzen 1,57 Metern kann ich außerdem gerade mal die Reifen sehen. Mit einem Kissen unterm Allerwertesten geht es besser. So, nun raus auf die Piste, langsam werde ich hibbelig. Es sind 14 Kurven, hat man mir erklärt. Ich drücke also das Anlasserknöpfchen auf On : Der Motor heult, ich kupple, drücke aufs Gas hey, das ist ja wie bei Kurt. Kurt ist der kleine Flitzer meiner Mami. Kurt ist zwar 15 Jahre alt, aber in seinem ganzen Leben noch keine Strecke länger als 70 Kilometer gefahren. Er versteht mich, er nimmt mir nichts übel. Wo andere Autos streiken, absaufen, rosten, murrt Kurt nur. Ich mag ihn.
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Warum Rennfahrer schlecht einparken
Bastian Graber ist 17 Jahre alt und darf noch nicht alleine hinter das Steuer eines PKWs. Aber er fährt Rennen in der internationalen Motorsportserie Formula BMW Europe. Mit SPIESSER-Autorin Sandy spricht er über das Michael Schumacher Poster in seinem Zimmer, die Sorgen seiner Mutter und Autos als Statussymbole. weiterlesen |
Ich klappe das Helmvisier runter und gebe Gas wohl zuviel. Karussell, und ich versacke im Kiesbett wie die Profis eben. Ein Streckenmann zerrt mich zurück auf den Asphalt. Mir gehen Bilder von explodierenden Rennautos durch den Kopf. Muss nicht sein. Auf meinem Display steht eine 70 dabei könnte mich der Flitzer mit 230 km/h in den Sitz drücken. Auf einmal bin ich allein auf der Rennstrecke; alle haben mich überholt. Ich, die Montagsfahrerin der Formel III. Fehlt nur der Wackelschumi. Die anderen Fahrer überholen mich insgesamt dreimal. Mir egal. Irgendwann sehe ich trotzdem die schwarz-weiße Flagge und rolle souverän in die Boxengasse. Durchgeschwitzt stehe ich an der übergroßen Carrerabahn. Rennauto fahren ist doch einfacher und, zugegeben, amüsanter als ich dachte. Ob Kurt jetzt schmollt? Komm Kurti, ist doch nichts passiert...
Text: Sandy Richter, 21