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On the road
Es ist ein Thema, so sagenumwoben wie klischeebehaftet: das Touren mit einer Band. Doch die Realität hat mit Groupies, wilden Partys und einem lockeren Lebensstil wenig zu tun.
Rick von „Of Quiet Walls“, einer Hardcore-Band aus Chemnitz, fasst es so zusammen: „Auf jeden Fall braucht man ein verlässliches Auto und jemanden, der nüchtern genug ist, es zu fahren. Natürlich sollte man ein Abschleppseil dabei haben. Essentiell ist die richtige Musik im Auto, auf die sich alle einigen können – Kitschballaden, 80er-Hair-Metal und Dicke-Eier-Rock funktionieren meistens sehr gut bei uns. Und Blähungen verursachendes Essen sollte man vermeiden, wenn man sieben Stunden quer durch Deutschland fährt!“
Auf Tour zu sein, ist für Bands, denen der große Durchbruch noch verwehrt geblieben ist, ein hartes Stück Arbeit: In ein kleines Auto gepresst sitzt die gesamte ungeduschte Kapelle auf engstem Raum, muss sich mit so alltäglichen Sorgen wie der nächsten Mahlzeit, Toilettenpausen und einem Platz zum Schlafen herumplagen und dabei noch halbwegs frisch bleiben, um jeden Abend eine Meute musikhungriger Menschen zu beglücken. Und manchmal spielt die weitgereiste Band auch nur vor zehn Leuten und fragt sich, ob es das alles wert war. Die meisten, die eine Tour hinter sich gebracht haben, sagen aber doch, dass das Touren lohnenswert und wiederholungswürdig ist.
Art Hustle von der Band „The Dots“ aus Berlin und Dresden weiß dazu zu sagen: „Wenn du in einer Stadt angesiedelt bist, hast du eine Stammkundschaft. Anders auf Tour. Wir haben einerseits in Städten wie Emden gespielt, die so klein sind, dass die Leute zu deinem Auftritt kommen, weil sonst nichts los ist. In Städten wie Paris ist es hingegen brutal, wenn man keinen Namen hat.“ Und dabei kann alles ein Erfolg sein: In einer kleinen oder großen Stadt zu spielen, vor wenigen oder vielen Zuschauern. „In Paris haben wir vor über hundert Leuten gespielt. Trotzdem war die Stimmung nicht gut, weil alle Zuschauer keine Miene verzogen. Ganz anders in Kassel: Da waren nur an die dreißig Menschen gekommen, aber die haben getanzt, Zugaben gefordert und wollten CDs signiert haben!“, erzählt Art. In großen Städten ist es offenbar schwierig, die Menschen zu beeindrucken. Allerdings ist es für den Bandlebenslauf eine gute Referenz, eine Weltstadt auf der Liste der schon bespielten Orte zu haben.
Eine Tour muss gut geplant werden. Sonst kann es sein, dass man jeden Tag zehn Stunden im Auto sitzt. Genauso planvoll sollte man an die Finanzierung gehen. Art rät: „Wichtig ist, dass man kein Minus macht. Auch wenn man dafür mal auf einem ranzigen Boden schlafen muss. Über Merchandise kann man sich eigentlich recht gut finanzieren.“ Noch wichtiger ist jedoch die Gesundheit: „Man sollte versuchen, erst nach der Tour krank zu werden…“
Nicht zu viel erwarten sollte man vom klassischen Rock´n´Roll-Leben. Ein typischen Tag auf Tour schildert Art so: „Morgens um acht aufstehen, essen, bis um fünf Auto fahren, Soundcheck, Gig, im besten Falle noch etwas in dem Club oder der Bar feiern, in der man gespielt hat.“ Aber so entmystifiziert das alles nun klingt, es passieren doch recht seltsame Sachen auf Tour.
Text: Lisa Hoffmann
Auf youpodia.de erzählen euch zwei Newcomer-Bands von ihren schrägsten Erlebnissen auf Tour...
