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USA-Austausch (1) - Verkehrte Welt?

Von: Laura.
 
07.06.2010 - 19:25

Ich wurde vorgewarnt – Burger, lappriges Toastbrot und fetttriefende Pommes, so würde ich mich während meines USA-Austausches ernähren. Von meiner Freundin, die mit kleinem Bauchansatz aus ihrem USA-Aufenthalt zurückkehrte. Von anderen USA-Urlaubern, die sich anscheinend nur an Taco Bell, Burger King und Mc Donalds als Essensanlaufsstelle zu erinnern vermochten. Gemüse? Frisches Obst? Nein, so etwas schien nach den Schauererzählungen diverser Bekannten im Stammland der Fastfood-Ketten nicht zu existieren – außer mit dicker Ketchupschicht auf Burgern.
Nun war ich also angekommen bei meiner überaus netten Gastfamilie in Oregon. Wer nun adipöse Rednecks vor seinem inneren Auge aufsteigen sieht, irrt. Bio-Obst, Vollkornbrot und sogar Bioerdnussbutter – etwas Ungesundes schien sich nicht im Kühlschrank meiner Gastfamilie zu tummeln. Und gar Cola oder sonstige Softdrinks? Nein, während meiner Zeit in Oregon habe ich fast nur Leitungswasser konsumiert. Auch Süßigkeiten waren unerwünscht – als ich Oreos als Mitbringsel für Freunde und Familie kaufte, warf mir meine Gastmutter kurz einen entgeisterten Blick zu. Zwei Flaschen Wodka in den Einkaufswagen stellen hätte wohl den gleichen Effekt gehabt.
Nach einer Woche hatte ich manchmal einen richtigen Heißhunger auf Süßes entwickelt und so machte ich mich am Sonntagmorgen, das Haus lag wie verlassen da, auf, etwas Kalorienhaltiges aufzutreiben. Frischer Backduft waberte durchs ganze Haus und ich entdeckte Muffins auf dem Herd – Vollkornmehl. Okay, dann auf in die Speisekammer. Als erstes stachen mir die Cornflakespackungen ins Auge, doch außer Haferflocken, Haferflocken mit Rosinen (!) und biologischen Zimttalern war nichts aufzutreiben. Selbst die Hundekekse für ihren Labrador sahen appetitlicher aus als die pappigen, ökologisch korrekten Energieriegel.
An einem meiner letzen Tage brachte mich meine Gastmutter schließlich zu CostCo – einer „amerikanischen Institution“, wie sie betonte. Ein gigantischer Supermarkt, in dem es alles nur in Großpackungen zu erwerben gibt. Burgerfleisch, mit dem eine Eskimosippe einen ganzen Winter überstehen würde. Kekspackungen, die selbst dem Krümelmonster zu umfangreich wären. Und Ketchupflaschen, die wohl einer kleineren McDonalds-Filale drei Tage lang reichen würde. Und endlich sah ich sie – wohlgenährte Amerikaner, die Maxipackungen von Chips, Süßigkeiten und Fertiggerichten aus CostCo schleppten. Mit dem typischen Cowboy-Hut und patriotisch-versonnenem Blick. Der Stereotyp lebt! Wenn auch nur für eine halbe Stunde – zum Abend Essen ging es in ein Ökolokal. Salat und Tofusandwhiches, mehr stand nicht auf der Speisekarte.