Norwegen durch die Chemie-Brille
Die Studentin Kristin startet Mitte August in Bergen, Norwegen, nicht nur ihr Masterstudium, sondern auch diesen Blog. Ein Vorgeschmack.
God dag og hjertelig velkommen i Bergen. So oder ähnlich wird es klingen, wenn ich in Norwegen ankomme. Und ich werde nicht die Einzige sein, die so begrüßt wird. Sicherlich kommen sie aus der ganzen Welt. Es ist schließlich die Einführungswoche für internationale Studenten. Und die findet am 16. August an der Universität im norwegischen Bergen statt. Zu diesen Studenten werde auch ich zählen. Ich werde ein Semester dort studieren; das erste Semester meines Masters in Chemie.
Warum ein Auslandssemester und warum gerade in Norwegen?
Das sind natürlich die ersten Fragen, die immer kommen, wenn ich von meinem Vorhaben erzähle. Anscheinend steckt in mir eine kleine Weltenbummlerin, denn nach einem Jahr Europäischen Freiwilligendienstes in Tschechien wuchs in mir während meiner folgenden drei Leipziger Bachelor-Jahre das Fernweh.
Schon vor jeglichen Inputveranstaltungen meiner Uni stand für mich fest, dass ich während des Masters ins Ausland gehe. Dass es allerdings gleich im ersten Semester losgeht, hätte ich im Januar noch nicht gedacht. Aber ich konnte es einfach nicht abwarten. Eigentlich wäre ich gern wieder nach Tschechien gereist, jetzt, da ich die Sprache schon einigermaßen beherrsche und Land und Leute liebgewonnen habe. Aber da es keine ausgeprägte Partnerschaft zur Uni in Prag gibt, hätte das eine Menge selbstverantwortlicher Organisation bedeutet − besonders, was die Finanzierung angeht. Und dafür hatte ich wegen meiner Bachelorarbeit einfach keine Zeit. Und da ich sonst nur Englisch spreche, blieben da nicht viele andere Erasmus-Partnerschaften meiner Fakultät übrig. Norwegen mit deinen englischsprachigen Unis: Ich komme!

Schon in einem halben Monat ist Norwegen nicht mehr nur durch Lesen erfahrbar.
Regen auf der Brille, aber Sonne im Herzen
Norwegen ist ein Land, in das ich schon immer gern reisen wollte. Nachdem ich mir im Netz ein paar Bilder von wunderschönen Fjorden und Fjellen angeschaut hatte, war die Entscheidung schnell getroffen. Bergen ist nach Oslo die zweitgrößte Stadt Norwegens − und außerdem die regenreichste Großstadt Europas. 2005 hat es dort an 248 Regentagen über 2.500 Millimeter geregnet. Ein Vergleich zu Leipzig: In meiner Noch-Wohnstätte regnet es durchschnittlich knapp über 500 Millimeter im Jahr. In Bergen werde ich also mit fünfmal mehr Feuchtigkeit versorgt!
Na, ob ich mir das gut überlegt habe, dort ein Semester zu verbringen, wenn der Regen schwer auf mein Gemüt drückt? Auf meiner To-do-Liste der Dinge, die vor der Abreise noch anfallen, steht daher der Kauf einer vernünftigen Regenjacke an erster Stelle. Aber ich sehe es positiv: Jemand hat mir gesagt, so viel Regen, beziehungsweise Luftfeuchtigkeit, sei gut für die Haut :o).
Von Hurtigruten, Komponisten und fremden Planeten
Ansonsten weiß ich nicht viel mehr über Bergen. Es ist der Startpunkt der Hurtigruten, der Schiffe, die früher Versorgungsgüter und Post in die entlegeneren Regionen Nord-Norwegens brachten. Heute befördern sie nur noch Touristen die wunderschöne Küste entlang. Bergen ist zudem die Geburtsstadt des Komponisten Edvard Grieg. Für alle, denen der Name nichts sagt: Von ihm ist „Morgenstimmung“, die Melodie aus der Puddingwerbung.
Morgenstimmung
... von Edvard Grieg, der aus Kristins künftigem Wohnort Bergen in Norwegen stammt.
Norwegen ist geschichtsträchtig ... und mir so unbekannt. Ob ich aufgeregt bin? Nein, ich doch nicht! Da ich schon Auslandserfahrung habe, sehe ich den Herren Heimweh und Kulturschock ziemlich gelassen entgegen. Es sind ja auch nur vier Monate und Norwegen ist kein fremder Planet. Und im Gegensatz zu Tschechien muss ich mir auch keine Sorgen um die Verständigung machen, denn in Norwegen spricht ein Großteil der Menschen sehr gut Englisch.
Ich zeig euch mein Bergen, mein Norwegen, meine Fjorde ...
Wenn, dann bin ich eher freudig aufgeregt, weil ich mich auf die schöne Landschaft freue, auf viele neue Bekanntschaften, auf das erste Mal allein Fliegen und auf Besuch von Freunden, die ich dann durch Bergen führen kann, als wäre es meine Stadt. Und ich bin gespannt auf die klischeehaften Erasmus-Partys. Ich frage mich, ob sie in Norwegen auch so sein werden, wie hierzulande, denn Alkoholisches ist in Skandinavien sehr viel teurer.
Die Freude auf die Reise ist umso größer, da ich jetzt endlich den Großteil der Organisation hinter mich gebracht habe. Beantragen von Auslands-BAföG, Umschreiben in den Masterstudiengang − das alles war nicht so einfach, denn Eile war angesagt: In Norwegen geht das Semester nämlich schon im August los und nicht wie hier in Deutschland erst im Oktober.
Ich verlebe die letzen Tage auf deutschem Boden nun mit der Hoffnung auf ausreichend finanzielle Unterstützung, die mich Norwegens teures Pflaster entspannt genießen lässt. Und ihr könnt hier bis zu meiner Rückkehr kurz vor Weihnachten verfolgen, wie sich mein Dasein als Erasmus-Studentin in Bergen gestaltet, ob es dort wirklich so viel regnet, was es dort alles zu entdecken gibt und ob sich die Entscheidung für ein Auslandssemester gelohnt hat.
Text und Fotos: Kristin Hirte
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