Titelverteidiger

Abgehört:
MGMT

MGMT scheuten sich in der Vergangenheit nicht davor, ihre Fans mal positiv zu überraschen und auch mal zu enttäuschen. Was sie auf ihrem neuesten Album tun, verrät SPIESSER-Autorin Vivian.

07. März 2018 - 08:51
SPIESSER-AutorIn sonntagsblues.
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sonntagsblues Offline
Beigetreten: 10.07.2017

Was Anfang der 2000er als Scherz unter Freunden und zielloses, musikalisches Experiment begann, wurde 2007 zu dem Hit-Album „Oracular Spectacular“, welches sich problemlos in eine Musiklandschaft einreihen konnte, die von verträumtem Indie- und Synthie-Pop geprägt war. An den durchschlagenden Erfolg konnte und wollte das Duo seitdem nicht anschließen. Nach zwei wenig massentauglichen Alben kehren sie mit ihrer neuen Platte „Little Dark Age“ nun zurück zu einer klareren, stringenten Linie, die mit eingängigen Melodien, deutlicher Kritik an unserer modernen Zeit und Hommagen an die 80er Jahre besticht.

Mit einer ausdrücklichen Kritik an unserer heutigen Zeit, welche von Smartphones und Social Media geprägt ist, werden wir im ersten Track „She Works Out Too Much“ konfrontiert. Dem Sänger fällt es zunehmend schwer, mit der Schnelllebigkeit des Internets mitzuhalten und möchte das auch gar nicht zwangsläufig. Eben das wird auch in „TSLAMP (Time Spent Looking At My Phone)“ noch einmal mit bissigen Spitzen aufgegriffen: „Gods descend to take me home / Find me staring at my phone“, heißt es da beispielsweise. Wie gewohnt sind MGMTs Texte aber auch weiterhin teilweise kryptisch und lassen Raum für eigene Interpretationen und Ideen.

Ein immer wiederkehrendes Thema ist das Leben mit Depressionen und der Umgang mit düsteren Gedanken und Gefühlen. Sowohl in dem bedrückend melancholischen Titelsong „Little Dark Age“, als auch in „When You're Small“ und „One Thing Left To Try“ werden emotionale Tiefpunkte beschrieben. Letzterer stellt dabei am deutlichsten die Frage: Wie geht man damit um, wenn man mit dem Leben eigentlich weitestgehend abgeschlossen hat?
In „When You Die“ wird der Tod eines versagenden Magiers thematisiert. Co-Writer des vulgären Ohrwurms ist Gitarrist, Sänger und Songwriter Ariel Pink, der gerne Einflüsse aus Radiomusik der 70er und 80er Jahre verarbeitet und seinen psychedelischen, zynischen Touch auf dem Album hinterlässt.

Verträumt und ein wenig beschwingter wird es bei dem Song „James“ und die volle Ladung 80er Synthie-Pop gibt es dann bei „Me and Michael“. Eindeutiger könnte das Intro kaum sein. Hier werden die typischen, glockenhellen Synthesizer-Klänge neu zum Leben erweckt, die New Wave-Hits wie „Head Over Heels“ von Tears for Fears oder „Shattered Dreams“ von Johnny Hates Jazz prägen. Auch die Vocals, die ab und zu klingen als wären sie nur ganz nebenbei eingesungen wurden, erinnern stark an Gary Numan und Konsorten.

Auf „Little Dark Age“ präsentieren MGMT tanzbare, thematisch unbequeme Songs im Retro-Gewand – mit gewohnter Eigenwilligkeit und überraschenden, ungewohnten Einflüssen.

Ohrwurm: Me and Michael
Hinhörer: When You Die
Album in drei Worten: eigenwillig, psychedelisch, nachdenklich
Passt zu: melancholischen Momenten in öffentlichen Verkehrsmitteln
Erinnert an: eine Mischung aus Gary Numan und Empire of the Sun

Little Dark Age von MGMT

 

: 09.02.2018
Label: Columbia/Sony

 

 

 

Text: Vivian Hoyer
Teaserbild: Brad Elterman

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