Anpacken für unsere Welt

2-Euro-Aktion: dein Luxus = ihre Zukunft

Die A capella-Band „Alte Bekannte“ besteht teilweise aus ehemaligen Mitgliedern der „Wise Guys“ und führt deren Engagement für MISEREOR und die 2-Euro-Aktion fort. SPIESSER-Autorin Sarah hat ihr Konzert in Alsdorf besucht, selbst bei einem 2-Euro-Stand mitangepackt und dabei einiges über das Projekt gelernt.

25. Februar 2019 - 08:57
SPIESSER-Autorin Sarah.
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Sarah Offline
Beigetreten: 26.04.2009

Der Track „verboten“ beschreibt die Band „Alte Bekannte“ für mich ziemlich gut. Hier wird eine Reihe an Verboten wie „nicht vom Beckenrand springen“ und „nicht mit dem Fahrer sprechen“ aufgezählt, das Ganze mit `nem catchy denglischen Refrain versehen, nimmt mich mit und lässt mich auch ein bisschen mitwippen. Der Track ist leicht, ziemlich bodenständig und vielleicht auch etwas belanglos, könnte man denken. Stimmt aber nicht! Kurz vor Ende hauen die Musiker dann noch was raus und kritisieren im gleichen, vermeintlich gelangweilten, Ton Trinkwasserspekulation und Waffenexporte. Das hinterlässt ordentlich Eindruck.


„Alte Bekannte“ beim Konzert in Alsdorf.

Dass sie, wie man vielleicht zu Anfang vermuten könnte, nicht nur da sind um gute Laune zu verbreiten, ist auch Björn von den „Alten Bekannten“ wichtig, wie er mir vor dem Konzert in Alsdorf verrät: „Wir wollen nicht einfach nur die Spaßonkel auf der Bühne sein, sondern das Leben so abbilden, wie es ist, eben auch mit allen seinen Fehlern und Missständen, die wir gerade leider gesellschaftspolitisch zu beklagen haben.“

Zwei Euro für eine Zukunft

Nicht ungewöhnlich also, dass sie die 2-Euro-Aktion von MISEREOR unterstützen. Zwei Euro, weil so wenig Geld schon reichen kann, um einem Kind eine Zukunft zu geben. Mit zwei Euro im Monat kann man sicherstellen, dass ein Kind medizinische Versorgung, Schulbildung oder einen sicheren Schlafplatz bekommt. Dinge, die für uns selbstverständlich sind. Umso wichtiger, dass Leute mit einer Reichweite wie die „Alten Bekannten“ so viele Menschen wie möglich darauf aufmerksam machen. Denn zusammen können wir die Welt zu einem besseren Ort machen. Wenn jeder ein bisschen gibt, kommt viel zusammen.

Genau neben dem heiß begehrten Merch-Stand der Band steht also ein in auffälligem Orange gehaltener Tisch mit Infomaterial, Postkarten und Spendenboxen. Dahinter stehen, immer freundlich lächelnd, Katharina und Maria. Sie helfen hier ehrenamtlich für MISEREOR mit. Für beide ist es nicht der erste Stand für die 2-Euro-Aktion. Maria ist 22 Jahre alt, Psychologiestudentin und gerade mitten in der Klausurenphase. Trotzdem ist sie nach Alsdorf gekommen, um hier für die Aktion zu werben. Über MISEREOR hat sie einen Freiwilligendienst im Ausland absolviert, von dem sie sagt, er habe ihre Weltsicht verändert. Also hilft sie gerne weiterhin bei MISEREOR-Aktionen mit. „Es ist cool zu sehen, wie viele Leute sich von so einer kleinen Sache begeistern lassen und mithelfen“, erzählt sie mir am Stand der 2-Euro-Aktion.

Katharina ist 27 Jahre alt und arbeitet als Apothekerin. Auch für sie ist gesellschaftliches Engagement nichts Neues. Sie hilft nicht nur bei MISEREOR, sondern dazu noch bei den Pfadfindern. Was ihr an MISEREOR besonders gefällt, ist die Transparenz: „Ich finde es sehr schön, dass es ein großes Hilfswerk ist, bei dem nachvollziehbar ist, wo die Gelder hinkommen. Das ist bei vielen kleinen Organisationen manchmal schwierig, habe ich das Gefühl.“ Möchte ich mich davon selbst nochmal überzeugen, muss ich nur auf den Tisch schauen. Ein kleines Fotoalbum zeigt die beiden „alten Bekannten “ Dän und Nils vor Ort bei dem „Butterflies“-Projekt in Indien, welches sie schon als die „Wise Guys“ unterstützt haben.


„Alten Bekannte“ und die 2-Euro-Freiwilligen Katharina und Maria.

Zwischen Humor und unbewusstem Luxus

Die Mischung aus Witz und Ernst aus den Texten der „Alten Bekannten“ findet sich auch am 2-Euro-Stand wieder: „Einen coffee-to-go-to-school bitte“ steht auf einer der farbenfrohen Postkarten, die dort ausliegen. Witzig für meinen WG-Kühlschrank, denke ich mir im ersten Moment. Im zweiten Moment wird mir klar: Was für mich einen kleinen Lacher wert ist, bedeutet die Zukunft eines Menschen in einem anderen Land. Mein Kaffee könnte woanders Bildung ermöglichen. Solche Beispiele gibt es viele: Pommes, Kaffee, Bier und Döner. Alles Luxusgüter, die wir uns ohne nachzudenken leisten, deren Gegenwert allerdings für andere Menschen ein neues Leben ausmachen kann.

Für die meisten Gäste auf diesem Konzert scheint das keine neue Info zu sein. Viele von ihnen kommen auf den 2-Euro-Stand zu, unterhalten sich mit Katharina und Maria und werfen etwas in die Spendenbüchsen, obwohl sie schon längst regelmäßige Spender sind. Sogar neue Förderpatenschaften werden gleich am Stand unterschrieben.

Der Abend lässt mich garantiert nicht nur mit guter Laune zurück. Aber zu sehen, dass so viele verschiedene Leute sich informieren, spenden und unterschreiben, das macht Hoffnung.

 

Das „Butterflies“-Projekt
Das Projekt unterstützt Straßenkinder aus Delhi, Indien. Viele von ihnen arbeiten als Schuhputzer oder Müllsammler und müssen, wenn sie noch eine Familie haben, ihr Gehalt zum Familieneinkommen beisteuern. Ihr Leben ist ein Kampf ums Überleben. Das „Butterflies“-Projekt gibt diesen Kindern eine Zukunft, sorgt für Bildung, Schutz und eine Gesundheitsversorgung. Vor allem aber integriert es die Kinder in jeden dieser Prozesse, lässt sie entscheiden und mitgestalten und so Verantwortung für ihre Zukunft übernehmen. Mehr Infos gibt es auf www.2-euro-helfen.de

 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Misereor e.V.

 

Text und Fotos: Sarah Küster
Teaserbild: Katharina und Maria im 2-Euro-Stand in Alsdorf

 

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