Titelverteidiger

Abgehört:
Georg auf Lieder

Von der Straße auf die großen Bühnen Deutschlands: So verlief die Karriere von Georg auf Lieder nach seinem Debütalbum 2014. Ob ihm mit seiner neuen Platte „Mano Grande“, also der „Großen Hand“ wie die wörtliche Übersetzung lautet, auch der große Wurf gelingt, weiß SPIESSER-Redakteurin Vicky, die für euch vorab reingehört hat.

23. Mai 2016 - 11:01
SPIESSER-Redakteurin MissFelsenheimer.
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MissFelsenheimer Offline
Beigetreten: 04.05.2009

Es war einmal ein talentierter Straßenmusiker und seine Gitarre. Er spielte Tag ein Tag aus am Alexanderplatz in Berlin bis eines Tages ein Musikmanager auf ihn aufmerksam wurde und unter Vertrag nahm. Von da an war er ein gefeierter Singer/Songwriter. Die Rede ist vom Hamburger Künstler Georg auf Lieder, dessen bisherige Karriere wie ein modernes Rock- und Pop-Märchen klingt. Doch sein neues Album „Mano Grande“ klingt überhaupt nicht mehr so nachdenklich und melancholisch wie sein Debüt „Alexanderplatz“.

Georg auf Lieder hat sich vom Straßen- zum Rockmusiker weiterentwickelt: Statt sanftem Gitarrenklimpern gepaart mit herzergreifenden Textzeilen und gefühlvollem Gesang, strotzt „Mano Grande“ nur so vor positiver Energie und Selbstbewusstsein. Laute Rockbeats vermitteln zusammen mit witzigen, wenn auch teils kritischen Textzeilen ein ganz anderes Lebensgefühl. Kein Wunder, dass Georg sich auf dem Albumcover genüsslich und tiefenentspannt auf dem Rücken liegend im Pool die Sonne auf den Bauch scheinen lässt. Übrigens ist das ganze Album auch an einem sonnigen Platz entstanden: in einem vierwöchigen Spanien-Urlaub. Daher erklärt sich wohl auch der spanische Titel.

Man sieht den Umschwung in seinem Leben nicht nur, man hört ihn auch: Er klingt nicht mehr nach einem talentierten Straßenmusiker vom Alexanderplatz, sondern wie ein Bühnenmusiker. Kein Wunder, immerhin hat er das letzte Jahr als Voract von internationalen Künstlern wie Rea Garvey, MIA., Milo oder Imagine Dragons verbracht.

Überhaupt ist „Mano Grande“ das komplette Gegenteil von dem, für das der ehemalige Straßenmusiker mit Teddybär-Optik stand: Inhaltlich geht es nicht mehr um gebrochene Herzen, Arbeitslosigkeit und kaputte Träume. Stattdessen singt er über das Spießer-Leben („Bausparvertrag“), eine alte geliebte Lehrerin („Frau Müller“) oder sein Lieblingsbundesland („Brandenburg“). Nur ab und zu wird es etwas ernster, wenn es um Beziehungsfragen („Verschwommen“) oder alte Bekannte geht („Pinke Strähnen“).

Nur eines ist vom alten Straßenmusiker geblieben: seine Wortgewandtheit. Auch wenn die Liedertitel auf den ersten Blick recht einfallslos erscheinen („Sie“, „Frosch“, „Dich an mich“), steckt dahinter eine Songwriter-Finesse aller erster Sahne. Die Songs strotzen nur so vor Wortspielen, Metaphern und Doppeldeutigkeiten, die den Zuhörer nicht nur zum Schmunzeln bringen, sondern auch viel Platz für Kopfkino lassen.

So mögen einige Fans enttäuscht sein, wenn sie ein zweites hochklassiges Melancholie-Album für romantische Abende am Lagerfeuer erwartet haben. Aber spätestens beim zweiten oder dritten Mal hören hat man sich an die musikalische Weiterentwicklung des Hamburgers gewöhnt – und sitzt wippend hinterm Autosteuer oder im Schulbus.

Ohrwurm: Sie, Brandenburg, Titanic
Hinhörer: Frosch, Verschwommen, Frau Müller
Album in drei Worten: wortgewandt, gitarrenlastig, bühnenreif
Passt zu: Roadtrips
Erinnert an: Madsen, Sportfreunde Stiller, Bosse

„Mano Grande“ von Georg auf Lieder

VÖ: 20. Mai 2016
Label: Polydor/Island (Universal Music)

 

 

 

Text: Victoria Gütter
Fotos: © Ben Wolf, Universal Music

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