Titelverteidiger

Abgehört: Jungstötter – „Love is“

Erst kürzlich hat die deutsche Indie-Rock Band „Sizarr“ ihre endgültige Auflösung bekannt gegeben – umso mehr können sich Fans nun freuen, dass sich Sänger Fabian Altstötter unter dem Namen Jungstötter als Solokünstler zurückmeldet – samt seines Markenzeichens: seiner tiefen, einzigartigen Stimme.

07. Februar 2019 - 11:32
SPIESSER-Autorin Kristel.94.
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Kristel.94 Offline
Beigetreten: 28.11.2018

Fabian Altstötter überzeugte schon bei „Sizarr“ vor allem durch seine auffällige Stimme, die sich ganz klar als das Markenzeichen seiner Musik definieren lässt. Auf seinem Debütalbum „Love is“ scheint diese noch tiefer geworden zu sein und kommt durch die Reduzierung der Instrumente auf ein Minimum nun richtig zur Geltung. Intensiv und melancholisch verwandelt sie die einzelnen Lieder in verletzlich anmutende Balladen und verleiht jeder der Melodien einen fast zärtlichen Touch.

„There is a silence in this room, it’s making everything uncomfortable.“ Mit diesen Worten leitet Jungstötter das erste Lied „Silence“ ein und schafft damit eine Tristesse, die sich nicht nur über das gesamte Album legt, sondern augenblicklich auf die Hörerinnen und Hörer überträgt.

Mit „The Wound Wrapped in Song“ gab der Künstler bereits im September einen ersten Einblick in sein Soloprojekt. Als Titelgeber des Albums hätte dieser Song ebenfalls gut funktioniert, denn genauso klingt die Musik des gerade mal 27-Jährigen: So düster, als hätte er den gesamten Schmerz der Welt erlebt und diesen anschließend zu zehn tiefsinnigen Liedern verarbeitet. Diese haben ausnahmslos englische Texte und handeln in romantisierender Form vom Abschiednehmen („Sally ran“) und Verlust („I wonder why“) oder von der unangenehmen Stille, die zwischen zwei Menschen entstehen kann („Silence“). Vor allem der Titel „Systems“ bleibt im Gedächtnis. Durch die hier stärker vertretene Instrumentierung wirkt er besonders eingängig, lässt einen nachdenklich zurück.

Da sich die Instrumente ansonsten weitestgehend zurücknehmen, bleiben die Lieder unaufdringlich, erfordern nicht zwangsläufig ein aktives Zuhören und lassen sich auch im Hintergrund gut abspielen. Jungstötter erzeugt keine penetranten Ohrwürmer, sondern ruhige Songs, die man selbst nach häufigem Hören immer wieder entspannt genießen kann. Vergleichbar ist sein Sound am ehesten mit Musikern wie „Nick Cave and the Bad Seeds“ oder „The Cure“ und könnte auch Fans der Gothic-Musik gut gefallen.

Die fortwährend triste Stimmung wird etwas zu kontinuierlich durchgesetzt; spätestens nach der Hälfte wäre ein etwas dynamischerer Titel eine willkommene Abwechslung gewesen. Somit eignet sich die Musik von Jungstötter im Gegensatz zu den jugendlich-nostalgischen Klängen von „Sizarr“ vermutlich nicht zum Hype – stattdessen findet man hier einen Geheimtipp abseits des Mainstreams, den man am besten in aller Ruhe zu Hause auf sich wirken lässt.

Ohrwurm: „I wonder why“
Hinhörer: „Silence“, „Systems“
Album in drei Worten: eindringlich, schmerzerfüllt, melancholisch
Passt zu: einem gemütlichen Abend bei Kerzenschein, regnerischen Nachmittagen
Erinnert an: Patrick Wolf, Nick Cave & The Bad Seeds

„Love is“ von Jungstötter

: 01.02.19
Label: [PIAS] Recordings Germany

Jungstötter live:
07.02. | Jena | Trafo
08.02. | Baden | One Of A Million Festival
09.02. | Frankfurt | Mousonturm
05.03. | Berlin | Volksbühne
06.03. | Dresden | Beatpol
07.03. | Leipzig | UT Connewitz
08.03. | Hamburg | Nachtasyl
09.03. | Köln | Artheater
12.03. | Nürnberg | Z-Bau
13.03. | Mainz | Schon Schön
14.03. | München | Milla
15.03. | AT-Wien | Volkstheater
16.03. | AT-Graz | Orpheum Extra

Weitere Konzerttermine findet ihr hier!
 

Text: Kristel Döhring
Teaserbild: © 1993-2019 Powerline Agency

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