Titelverteidiger

Abgehört:
Yan Wagner

In seinem zweiten Album nimmt uns Yan Wagner mit auf eine Zeitreise – aber nicht in die Zukunft, wie man es angesichts der futuristischen Klänge des Titelsongs denken könnte, sondern in die Jazz- und Popszene der 70er und 80er Jahre.

11. Mai 2018 - 11:59
SPIESSER-AutorIn Valentina Schott.
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Valentina Schott Offline
Beigetreten: 13.10.2017

Was von Weitem wie ein geometrisches Muster aus schwarzen Rechtecken die CD-Hülle des neuen Albums ziert, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als die Spalten eines Zeitungsartikels, dessen Zeilen geschwärzt wurden. „A series of lies“ – lauter Lügen. So spricht der franko-amerikanische Sänger und Produzent Yan Wagner selbst von den Geschichten, die in den zehn Tracks auf seinem zweiten Album erzählt werden. Was hier stand, ist niemals passiert. This never happened.

Dabei verlässt der 34-jährige Künstler das Terrain des klassischen Elektros und zeigt sich seinen Zuhörern von einer anderen musikalischen Seite, indem er die Liebe und Bewunderung für seine Vorbilder wie Frank Sinatra oder David Bowie in den Vordergrund stellt.

Dennoch vollzieht Wagner keinen radikalen Wandel. Fast hat man den Eindruck, er möchte seine bisherigen Fans nicht zu schnell mit der Veränderung seiner Musik konfrontieren, denn der Titelsong knüpft noch stark an sein Debütalbum „Forty Eight Hours“ an, mit dem er 2012 zum ersten Mal auf der Bildfläche auftauchte.

„This never happened“, der erste Track auf der gleichnamigen CD, der – wie die Inhaltsangabe auf einem Buchrücken – einen Rundumschlag über die Themen und den Stil des Albums geben sollte, unterscheidet sich deutlich von den restlichen neun Liedern.

Während ich mich also beim Anhören des ersten Titels auf ein Elektro-Album à la Jean Michel Jarre mit elektronischen, abgehobenen Beats einstelle, merke ich bereits beim zweiten Titel „Blacker“, dass Wagner keineswegs in die Fußstapfen seines Landsmanns tritt, sondern sich in die Reihe der Crooner einordnet. Diese sind – Hand aufs Herz, bis vor Kurzem wusste ich es auch nicht – männliche Sänger, die sich durch die Wärme und Weichheit ihrer Stimme auszeichnen. Vielleicht ist es der Kontrast zwischen dieser Stimme und den im Gegensatz dazu kalten und kantigen, synthetischen Klängen, der die folgenden Tracks interessant und auch irgendwie mysteriös klingen lässt.

Die Themen sind nichts Neues. Doch obwohl die Lyrics teilweise banal sind und sich häufig wiederholen, schafft es Wagner durch seinen Gesang, den Worten in „Blacker“, „Close Up“ oder „Grenades“ Ausdrucksstärke zu verleihen und die Luft mit einer Mischung aus Romantik, Melancholie aber auch Verlorenheit („We don't know what to do with ourselves“) zu erfüllen. Und auch wenn Wagner in einem Cover von Frank Sinatras „It was a very good year“ vom Herbst seines Lebens spricht, dann tut er das so überzeugend, dass er dem Original seines Idols in Nichts nachsteht und der Originalversion durch die Kombination mit elektronischen Beats geschickt eine persönliche Note verleiht.

Schade, dass sich Wagner nicht an seinen vorherigen Stücken wie „The Only One“ mit Etienne Daho orientiert und auch französische Texte einbaut, die seinen Stücken meiner Meinung nach den letzten Schliff hätten geben können.

Ob Wagner seine Zuhörer mit diesem Album verstimmt hat, kann ich nicht sagen. Ob er welche dazugewonnen hat? Zumindest einen.

Ohrwurm: „Close Up“
Hinhörer: „Slamdunk Cha-Cha“ (aber erst nach dem zweiten oder dritten Mal), „Blacker“
Album in drei Worten: nostalgisch, mysteriös, entspannt
Passt zu: „a glas of wine/ to cool me down/ a little company“ (No Love)
Erinnert an: eine Mischung aus 70er/80er Disco-Hits und frischem Elektro

„This Never Happened“ von Yan Wagner

 

: 27.04.18
Label: Her Majesty’s Ship

 

 

 

Text: Valentina Schott
Teaserbild: ©ballyhoo media

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