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Abschied nehmen 2.0

Vor zwei Jahren ist ein guter Freund von SPIESSER-Userin TheGreenBook gestorben – im Internet leben die Erinnerungen an ihn aber auf einer Gedenkseite weiter.

26. November 2013 - 12:39
SPIESSER-Autorin TheGreenBook.
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Beigetreten: 19.06.2011

Als ich mich durch die Gedenkseite klicke, die Bennis Eltern für ihn eingerichtet haben, werde ich von Erinnerungen überrollt. Etwas mehr als zwei Jahre ist es jetzt her, dass er, ein guter Freund von mir, von einem Auto erfasst wurde und noch am Unfallort starb. Heute, zwei Jahren später, habe ich seinen Tod zwar akzeptiert, der Verlust eines so wertvollen Menschen macht mich aber weiterhin traurig.

Trauern 2.0

Benni, wie er mir auf dem Pausenhof entgegenlacht, wie wir gemeinsam zur Bushaltestelle laufen. Er bei dem Geburtstag eines gemeinsamen Freundes, er lächelt und schaut mich an, eine meiner letzten Erinnerungen an ihn. Als ich rechts oben auf der Gedenkseite einen Kalender sehe, der anzeigt, wie lange er nicht mehr unter uns ist, fange ich an zu weinen. 744 Tage, 3 Stunden, 32 Minuten, vier…fünf…sechs Sekunden. Und jede Sekunde ist eine zu viel.

Ich sehe vor lauter Tränen fast nichts mehr, als ich mich schließlich bei Facebook anmelde und sein Profil aufrufe. Zwei Wochen vor dem schrecklichen Unfall hatte er sich erst registriert, zwei Wochen digitale Hinterlassenschaft sind von ihm erhalten geblieben. Warum sein Profil noch heute existiert, ist einfach: Familie und Freunde haben sich bewusst dagegen entschieden, ihm dieses letzte bisschen an Existenz,  auch wenn sie nur virtuell ist, zu nehmen. Auch E-Mail-Adresse und Benutzerkonten bei Youtube oder dem regionalen Online-Chatraum gibt es noch, denn sie sind ein Teil von ihm und so bleibt er, auch wenn er jetzt wo anders ist, noch unter uns.


Virtuelle Grabsteine auf virtuellen Friedhof.
Quelle: strassederbesten.de

Nicht nur mir hilft es, ihm auf seinem Profil wiederzubegegnen. Auch seiner damaligen Freundin geht es so. Mehrmals in der Woche – jetzt, im Monat seines Todes sogar jeden Tag – postet sie etwas an seine Pinnwand. Erinnerungen, Gedichte, Fotos, Gedanken. Sie, ich und alle anderen wissen, dass er all die Pinnwandeinträge und Nachrichten niemals lesen wird. Aber es hilft, seinen Tod zu verarbeiten und den Schmerz zu ertragen.

Gegen Vorlage der Sterbeurkunde wäre es auch möglich, aus dem Nutzerprofil ein Gedenkprofil zu machen. Dann ist das Profil nicht mehr länger öffentlich zugänglich und kann wie eine Art Kondolenzbuch genutzt werden.

Virtuelle Beerdigung

Damit auch Freunde und Bekannte, die nicht bei Facebook angemeldet sind, gemeinsam um Benni trauern können, haben seine Eltern eine Gedenkseite auf einem virtuellen Friedhof für ihn eingerichtet. So kann jeder, der sich danach fühlt,  eine virtuelle Kerze für ihn anzünden und sich, wie ich, mit Bildern, Texten, Fotos und Kommentaren von anderen Besuchern an ihn erinnern und seiner Trauer Platz machen.

Digitale Unsterblichkeit?

Wenn wir sterben, verschwinden wir aus der realen Welt. Aber nicht aus der virtuellen. Schriftstellerin Elisabeth Rank, 29, hat ihr digitales Testament ihrer besten Freundin übergeben  – und Sophias Fragen zum virtuellen Leben nach dem Tod beantwortet.

Die Möglichkeiten, im Netz am Tod eines Verstorbenen Anteil zu nehmen, werden von Tag zu Tag größer. Neben virtuellen Friedhöfen erinnern auch private Homepages noch lange an ein Leben, das (viel zu früh) aufgehört hat. Und die Aufrufzahlen dieser Seiten zeigen, dass ein Ort der Trauer nicht immer in der „realen“ Welt sein muss, so wie wir selbst uns zunehmend über unseren digitalen Fußabdruck und unser Schaffen im weltweiten (sozialen) Netz definieren.

Im Fall von Benni sprechen die Zahlen eine sehr deutliche Sprache: etwa 600 Aufrufe pro Tag, insgesamt fast 200.000 Aufrufe nach seinem Tod, zahlreiche virtuelle Gedenkkerzen und über 300 Einträge auf seiner Pinnwand erinnern an einen Freund, Sohn, Schüler und einfach wunderbaren Menschen, der mit sechzehn starb. Mehrere Jahrzehnte zu früh.

 

Text: Harriet Hanekamp

Vorschaubild: L.C.Nottassen/flickr CC

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Kommentare

Ein Kommentar
  • Wenn man einen geliebten Menschen verliert, trauert jeder Mensch auf seine Weise. Und das ist auch gut so! Nur wäre es über das Internet nichts für mich. Der Tod eines geliebten Menschen ist etwas sehr privates, persönliches, was ich nicht im "World Wide Web" aufgehoben wissen möchte. Nicht von meiner geliebten Partnerin, unserer Tochter, von meinem verstorbenen Bruder, meinen Eltern oder gar von mir.- Da weiß ich nun, was ich noch in meinem letzten Willen verfügen muß.

    Der unbefangene User, der auf solche hinterbliebenen Seiten und Bilder durch Zufall stößt, kann genau so wenig etwas anfangen, wie ein entfernter Bekannter. Und für was? Wird der Schmerz des Verlustes weniger? Können unkontrollierte Voyeure ein angemessenes, realistisches Bild von dem Verstorbenen bilden? Wozu?

    Und 200.000 Klicks ... was sagt das aus? Das der Mensch besonders geliebt wurde, ein guter Mensch war, ...? - Es sagt meines Erachtens nichts aus? Nur das es viele User gibt, die auf diese Seiten geklickt haben, per Zufall oder bewusst.

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