SPIESSER unterwegs

Alles Lederhose oder was?

Während wir uns im Sommer in möglichst ferne Länder begeben, strahlt Deutschland für andere Kulturen einen Hauch von Exotik aus – Vorurteile inklusive. Doch wie ähnlich sind sich Klischee und Realität wirklich? Vier Austauschschülerinnen klären auf.

22. Juli 2012 - 12:03
von SPIESSER-Autorin Relja.
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Relja Offline
Beigetreten: 01.05.2010

Rückreiserin Katharina weiß, welche Klischees die Deutschen im Gepäck haben.

Ana aus Brasilien, Mary aus den USA, Cata aus Argentinien und Karla aus Mexiko: Die vier 17-Jährigen Mädchen leben seit einigen Monaten als Austauschschülerinnen in Deutschland. Vor ihrer Reise nach Europa haben sie so einiges über das Land der Lederhose gehört. Ob der typisch Deutsche tatsächlich pünktlich um eins am Mittagstisch sitzt, um sein Sauerkraut zu essen und nebenbei noch ernst zu gucken? Das können die Vier mittlerweile selbst beantworten.

Mary, USA
Auf dem Tisch: Deutsches Essen gibt es nie ohne Sauerkraut und Wurst.

Mary: In den USA habe ich auch gedacht, in Deutschland gäbe es ständig Sauerkraut. Jetzt sehe ich das anders: Nachdem ich hier während meines ersten Monats sowohl morgens, in der Schule als auch abends immer Brot gegessen habe, weiß ich, dass das eigentlich typisch deutsche Essen ist.

Auf den Punkt: Pünktlichkeit wird in Deutschland GROSS geschrieben.

Karla: Davon habe ich schon gehört als ich in Mexiko war – und es stimmt! Der Deutsche plant gerne und mag Ordnung. Eigentlich echt gut, nur die Pünktlichkeit der Busse setzt mich unter Stress. Daran muss ich mich wohl noch gewöhnen. Als ich letztens zu einem Treffen der Kirche fahren wollte, kam ich zwei Minuten zu spät an die Bushaltestelle – der Bus ist einfach ohne mich losgefahren.

Karla, Mexiko
Auf der Straße: Die Deutschen sind eher menschenscheu.

Cata: Das ist das typische Bild, das man von Deutschen in Argentinien hat. Aber als ich hier das erste Mal Zug fahren wollte, hat mir ein Fremder am Fahrkartenautomaten sofort geholfen, als er gesehen hat, dass ich nicht zurecht kam. Ich musste ihn gar nicht um Hilfe bitten. Von da an war das Vorurteil gebrochen.

Aufgelacht: Den Deutschen mangelt es an Humor.

Ana: Ja, das dachte ich auch. Aber das stimmt gar nicht! In meiner deutschen Klasse sind ein paar Jungs, die Witze über ALLES machen. Das erinnert mich sehr an meine Klasse in Brasilien.

Ana, Brasilien
Am Körper: Der typisch Deutsche trägt Lederhose. Immer.

Ana: Mit Hut! Ich dachte mir schon, dass die Deutschen nicht jeden Tag in Lederhose herum rennen. Aber ab und zu wenigstens, um zum Beispiel bei einem Fest die Tradition zu zeigen. Ich finde Lederhosen echt schön und will mir auf jeden Fall noch eine kaufen! In Brasilien gibt es viele unterschiedliche traditionelle Kleidungsstücke, unter anderem die weltberühmten Karnevalskostüme.

In den Städten: Deutsche Straßen glänzen vor Ordnung und Sauberkeit.

Karla: Bereits in Mexiko habe ich davon gehört, dass in Deutschland alles sehr ordentlich ist, aber ich hätte nie gedacht, dass es wirklich SO ordentlich und sauber ist. In Mexiko gibt es dafür viel mehr große Städte mit über einer Millionen Einwohner – vielleicht produzieren die vielen Menschen auch einfach mehr Dreck.

Cata, Argentinien
Distanziertes Verhältnis in der Schule: Ich Lehrer, du Schüler.

Cata: Im Vergleich zu Argentinien ist es sehr distanziert. Da spreche ich meine Lehrer mit ihrem Vornamen an und rede mit ihnen auch mal über Privates. Einmal hab ich mit einer Lehrerin zum Beispiel über meinen Nagellack geredet, weil sie mich nach ihm gefragt hat.

Und sonst so?

Ana: Ich dachte, der deutsche Schäferhund wäre hier ein typisches Haustier. Aber mittlerweile glaube ich, Meerschweinchen sind um einiges beliebter.

 

Text: Katharina Othmer

Fotos: privat

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