Härtetest

Alles Müll, oder was?

Ein Leben ganz ohne Müll – ist das machbar? Inspiriert von einer vierköpfigen Familie,
die in einem Jahr nur ein Gurkenglas voll Müll ansammelte, wagt SPIESSER-Autorin
Anna den Selbstversuch.

01. April 2016 - 11:18
SPIESSER-Autorin annaweigelt.
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annaweigelt Offline
Beigetreten: 17.03.2015

Tag 1: Mund auf und durch

Mehr als 6,4 Millionen Tonnen Müll gelangen jedes Jahr in die Ozeane. Grund genug für mich, nicht noch mehr Müll produzieren zu wollen! Diese Woche werde ich versuchen, kein bisschen Plastik zu kaufen und so wenig wie möglich wegzuschmeißen. Zum Glück muss ich heute erst später in die Uni und habe Zeit, mein eigenes Zahnputzpulver herzustellen. Zahnpasta kann man nämlich nur in Plastiktuben kaufen. Im Internet habe ich ein Rezept aus Natron und Zimt gefunden, also mische ich die zwei Zutaten in einem Glasdöschen zusammen und stecke meine angefeuchtete Zahnbürste hinein. Schon nach den ersten Sekunden bereue ich mein glorreiches Vorhaben: Das Pulver reibt wie die Hölle, schäumt nicht und bleibt mir zwischen den Zähnen hängen. Igitt!

Tag 2: Kleiner, mieser Aufkleber

Heute wird der Kühlschrank aufgefüllt. Mit Rucksack und Stoffbeutel bewaffnet geht’s in den nächsten Supermarkt. Dort angekommen merke ich schnell, wie wenig ich kaufen kann. Kein Käseaufschnitt, keine Wurst, keine Nudeln, sogar die Milch im Tetrapack hat einen Plastikschraubverschluss!

Also ab in den Bioladen. Hier kann man Milch, Sahne und Joghurt in Glasbehältern kaufen. Sogar Eier liegen lose im Kühlregal. Trotzdem ist noch recht viel verpackt. Dafür gibt’s leckeren Käse an der Theke, den ich in einer Tupperdose nach Hause transportieren kann. Ich gebe mich mit der Ausbeute zufrieden und gehe abschließend noch zum Obstund Gemüsestand. Erst zu Hause bemerke ich jedoch, dass auf Banane und Avocado jeweils ein kleiner Aufkleber prangt. Verdammt. Unnötig.

Tag 3: Karamellträume

„Original Unverpackt“ heißt der erste, verpackungsfreie Laden Berlins. Da es langweilig wird, sich nur von Brot, Käse und Tomaten zu ernähren, packe ich genügend Behälter in meinen Rucksack und ziehe los. Bei „Original Unverpackt“ gibt es alles, was das Herz begehrt zum Abfüllen: Nudeln, Reis, Bohnen, Müsli und tausend andere Sachen wie Olivenöl, Shampoo und Reinigungsmittel.


Shoppen bei "Original Unverpackt".

Wieder zu Hause mache ich mich daran, Sahne-Karamell-Bonbons herzustellen. Schokolade, Gummibärchen und alle anderen Süßigkeiten gibt es nämlich nicht ohne Plastikmantel. Die Bonbons lassen sich sehr einfach zubereiten: Man gibt Zucker in einen Topf, lässt ihn karamellisieren, gibt ein bisschen Sahne dazu und gießt die heiße Masse zum Abkühlen in gebastelte Pappförmchen. Simpel und lecker!

Tag 4: Meine Laune: ein sinkendes Schiff

Schluss mit Natron und schmerzendem Zahnfleisch! Ab heute boykottiere ich das Zeug, Plastik hin oder her. Ein bisschen frustet mich gleichzeitig der Fastfood-Entzug. Ich merke, wie meine Lebensqualität mit der fehlenden Tiefkühlpizza sinkt. Deswegen beschließe ich, mit meiner Tupperdose Döner kaufen zu gehen. Ich ernte nicht nur fragende Blicke des Verkäufers, sondern habe auch noch einen Schwächeanfall und kaufe mir eine spritzige Club Mate. Denn auch auf Sprudelndes musste ich die letzten Tage verzichten. Obwohl viele Glasflaschen Pfand haben, werden die Verschlüsse weggeschmissen und verursachen ebenfalls Müll, sodass man sich mit Leitungswasser und Tee zufrieden geben muss.

Tag 5: Müllfrei reisen

Plastikfrei unterwegs.

Am Wochenende will ich nach Leipzig, um meine Eltern zu besuchen. Die Reise selbst ist überhaupt kein Problem: bewaffnet mit Wasserflasche, Kohlrabi in der Tupperdose und Karamell- bonbons im Gläschen kann nichts mehr schiefgehen – obwohl ich diese Karamelldinger langsam nicht mehr sehen kann. Zu Hause angekommen gibt es Kaffee und Kekse, zum Glück aus der Metalldose! Den Kaffee kaufen meine Eltern schon seit Jahren lose im Laden und mahlen ihn mit der Mühle. Ich fühle mich wie im Kaffeehimmel und freue mich auf die Lasagne, die es später noch geben soll.

Ich erzähle meinen Eltern von meiner NoWasteWoche. Sie sind begeistert und fahren mit mir gleich zum Metzger, um frisches Hackfleisch zu kaufen. Damit verzichtet man nicht nur auf unnötige Plastikver- packungen, sondern entgeht Fleisch aus der Massentierhaltung und unterstützt die Bauern in der Region. Am Abend helfe ich beim Kochen und drücke beide Augen zu, als meine Mutter die Lasagneblätter aus der Packung holt – genug Müll gespart für heute!

Tag 6: Keine Handvoll Müll

Die Müll-Bilanz nach einer Woche.

Der letzte Tag meiner NoWasteWoche ist angebrochen und es wird Zeit, das Experiment auszuwerten. Die Bilanz ist recht gut: zwei kleine Obstaufkleber, ein Klebestreifen vom Joghurt und ein Flaschenverschluss aus Aluminium. Ich bin stolz auf mich und stöbere im Netz nach verpackungsfreier Inspiration. Schnell merke ich: da geht noch mehr! Da man Klopapier nur abgepackt kaufen kann, wird eine Popodusche angepriesen. Statt Rasierern aus Plastik kann man Rasierhobel aus Metall verwenden. Meine Plastikzahnbürste hätte ich gegen eine aus Holz eintauschen und mein Bad mit einem Gemisch aus Waschsoda, Natron und Essig putzen können. Als Fazit kann ich sagen: es lauert mehr Müll in der Welt, als ich vorher bemerkt habe. Und es ist tatsächlich ein Leichtes, dem Großteil von Verpackungen aus dem Weg zu gehen! Ich werde meinen Plastikgebrauch auf jeden Fall langfristig reduzieren und auf eine umweltfreundlichere Lebensweise achten. So, und jetzt gönne ich mir eine Tafel Schokolade.

Text: Anna Weigelt
Fotos: Anna Weigelt

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