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Anonymchen kriegt den Job

Familienministerin Kristina Schröder akzeptiert künftig nur noch Bewerbungen ohne Foto. Das soll die Chancengleichheit erhöhen und im Kampf gegen Vorurteile helfen. Gustav ist skeptisch.

11. August 2010 - 12:30
von SPIESSER-Autor Gustav.
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Gustav Offline
Beigetreten: 26.04.2009

Ich will Germany's Next Familienminister werden. Quark – will ich natürlich nicht! Aber gesetz den Fall, ich würde wollen: Ich würde mich bewerben und das neuerdings ohne Foto, ohne Herkunftsort, ohne Angaben über Religion, Alter und Familienstand. Wie ich mein Geschlecht verheimlichen soll, weiß ich noch nicht, aber das soll irgendwie gehen. Diese Neuerdings-Regelung hat Kristina Schröder zumindest vorgeschlagen und führt sie ab 14. August im eigenen Ministerium ein.

Kristina Schröder (Foto: L. Chaperon)Ganz und gar nicht anonym: Familienministerin Kristina Schröder hat sich noch ganz klassisch beworben. Foto: L. Chaperon

Sie möchte damit sicherstellen, dass der Bäckermeister seine Lehrlinge nicht nach Hautfarbe einstellt, sondern nach Talent. Der Speditionschef soll auch Buddhisten einstellen können, ohne es zu wissen, und ein Deutschlehrer soll auch indonesische Praktikanten neben sich akzeptieren. Anonymität in den Bewerbungen sichert vorurteilsfreie Urteile. Totaler Quatsch oder eine gute Idee?

Eigentlich klingt das gut: Endlich darf ich aussehen wie ich will! Ich muss mich nicht für mein Aussehen schämen, weil ich es ja gar nicht präsentiere. Mein Kopftuch bleibt geheim, und auch mein Geschlecht wird erst bekannt, wenn ich eingestellt bin. Praktisch, wenn ich einen urtypischen Frauenberuf ergreifen will. Oder zumindest theoretisch wollen würde.

Aber ich finde, das ganze hat auch einen Haken. Denn was Chef nicht weiß, macht ihn nicht heiß. Wer kein Gesicht sieht, sieht nicht, ob das Gesicht zum Betrieb passt. Wenn Chef das Alter der Bewerber nicht erfährt, stellt er womöglich eine alte Schrulle in einem Jugendcafé oder ein junges Mädel in einem für junge Mädels untypischen Berufsfeld ein. Kann glattgehen, muss aber nicht.

Und deshalb sage ich: Ich bin dagegen! Was soll denn das? Wenn ich in einem Betrieb neu anfangen möchte, sieht doch ohnehin am Ende jeder, wer ich bin. Wer sein Gesicht nicht zeigen will, der muss sich einbuddeln. Anders gehts nicht. Deshalb, Frau Familienministerin: Schöne Idee, aber nicht zu Ende gedacht.

Oder doch? Sagt uns eure Meinungen! Können wir aufs gute alte Bewerbungsfoto verzichten?

Teaser-Grafik: Juliane Dorn

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Kommentare

24 Kommentare
  • wie kommstn auf die idee?

  • Ob Kristina Schröder wohl SPIESSER.de liest?

  • Was bringt es aber, wenn so wie es wirsingroulade beschreibt, erstmal jeder "scheinbar interessante" Bewerber eingeladen wird? Beim Gespräch wird er dann doch aussortiert, weil er vom Chef in eine Schublade gesteckt wird.

    Ein Vorgesetzter, der in solchen Schubladen sein Personal einstellt, ist sowieso eine Fehlbesetzung. Ob der nun beim Bewerbungsfoto oder beim Gespräch denkt "Diesen hässlichen/ausländischen/alten/jungen Menschen will ich nicht." ist dann auch egal. Er wird den Job nicht bekommen. Alles was man hatte ist noch mehr Aufwand um die unpassenden (nicht schlechten!) Bewerber auszusortierren.

    Vielleicht wäre es toll, wenn jeder die gleichen Chancen bekommen könnte - egal wie die Natur ihn gesegnet hat.
    Dann müsste man - meinetwegen online - nur seine Noten eintippen und paar Zeilen "Motivation" reinschreiben - fertig. Und dann?
    Dann meckern wieder die, die schlechte Noten haben, weil sie besser praktisch als theoretisch arbeiten können.

    Wie man's macht ist es falsch.

  • Ich persönlich denke das dass sowieso niemals wirklich durchkommen wird. Früher oder später wird jeder sehen wie dein
    Gesicht aussieht bzw. welche Hautfarbe du hasst oder wie viel wert man auf Körperpflege gibt. Und wenn das den Arbeitsgeber nicht passt kann er jemanden nochimmer kündigen, natürlich nicht wegen dem aussehen aber irgendeine 'ausrede' lässt sich da immer finden. Mh, und wenn die hälfte der Bewerber ein Bewerbungsfoto hat und die andere hälfte nicht, kann man sich ja denken welche hälfte zuerst aussortiert wird. ;)

  • Anscheindend habt ihr alle den Sinn des Ganzen nicht verstanden. Es geht nicht darum, dass in Zukunft hässliche Menschen Kosmetik verkaufen sollen und keiner mehr was dagegen machen kann.

    Es geht darum, dass Mohammed die gleichen Chancen wie Axel hat. Dem Chef ist es immer noch freigestellt jemanden nicht einzustellen, wenn er nach Meinung Chefs das Unternehmen nicht richtig repräsentieren kann - das sieht er beim Bewerbungsgespräch, was es immer noch geben wird.
    Doch soll der Situation vorgebeugt werden, dass die Bewerbung von Mohammed unbeachtet im Papierkorb landet, weil dem Chef die Religion, die evtl. vom Namen und Foto absehbar ist, nicht passt. Klar muss Mohammed nicht dem Islam angehören, aber die gedanliche Verbindung ist bei Vielen schnell im Kopf gemacht - und das soll ein Ende haben.

    Man kann zwar damit argumentieren, dass der Chef die Verbindung dann beim Bewerbungsgespräch macht, aber dann hatte Mohammed immerhin die Chance seine Fähigkeiten vorzustellen. Und jeder der mal mit dem Arbeitsmarkt zu tun hatte, weiß wie viel eine Einladung zum Vorstellungsgespräch wert ist - es werden nämlich nicht hunderte Leute eingeladen...wäre viel zu aufwendig.
    So viel dazu.

  • ... mit Gustav.

    Klar klingt es toll und "diskriminierungsfrei", wenn kein Bewerbungsfoto mehr beigefügt wird. Das man seine Religion bei 'ner Bewerbung angibt habe ich ja noch nie gehört. Wozu denn? Gut, wer sich als Priester bewirbt sollte es machen. :D *sorry, war Ironie*

    Als Personaler habe ich einen Gewissen Angestelltenstamm unter mir, den ich so zusammenstellen muss, dass alles zusammenpasst.
    Nicht jeder, der sich für Kosmetik interessiert, ist auch so "ansehnlich", dass er als Verkäufer bei ner MakeUp-Bude anfangen kann.
    Flugbegleiterinnen, Bankkaufleute und viele andere Berufe erfordern doch ein gewisses Ausstrahlungsvermögen. Die Hausmutti im grauen Schlabberpullover kannst du halt nicht hinter den Schalter einer Bank setzen. Oder?

    Wobei ... vielleicht würden die Leute dann durch den Arbeitgeber dazu "erzogen" mehr aus ihrem Äußeren zu machen? Das wäre ein Vorteil für alle. Vielleicht.

    Ich jedenfalls kleb meine Bilder auch weiterhin auf die Bewerbungsschreiben. Bisher hat's ja auch immer mit Bild geklappt. :D

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