Kinofeeling

Arthur & Claire

Zwei Menschen, die beide Angst vor dem Leben haben. Sie gehen spontan gemeinsam aus. In Amsterdam. SPIESSERin Marie war hin und weg über das Resultat.

08. März 2018 - 11:14
SPIESSER-Redakteurin Onlineredaktion.
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Beigetreten: 25.04.2009

Worum geht's?

Der Mitte 50-jährige, krebskranke Arthur fliegt von Wien nach Amsterdam, um mit ärztlicher Hilfe seinen Tod zu finden. Von allem genervt kommt er in Holland an, um sich von seinem Arzt und Bekannten die Todesprozedur erklären zu lassen. Auf einen letzten, ereignisarmen Abend eingestellt, fährt er in sein Hotel und zieht sich auf sein Zimmer zurück, um von allem Abschied zu nehmen. Doch da kommt ihm seine junge Zimmernachbarin in die Quere.

Die beiden finden sich auf einer Brücke über einer Gracht wieder und machen sich gemeinsam auf einen unverhofften Trip durch Amsterdams enge Straßen. Die Nacht bringt viele zynische, tiefgründige und ehrliche Gespräche mit sich. Mit der Schwere des Themas Tod geht fein platzierter Galgenhumor einher und macht den Film so gefühlsnah und nachdenklich wie er ist. Am Ende des Abends öffnet sich auch Claire und erzählt Arthur von ihren Lastern.

Am nächsten Morgen hofft Claire, dass Arthur sich schließlich gegen den Tod entscheidet, doch dieser ist immer noch fest entschlossen, nicht mehr Leben zu wollen und macht sich auf den Weg ins Krankenhaus.

Wer spielt mit?

Josef Hader ist ein bekanntes Gesicht im deutschsprachigen Fernsehen und begann seine Karriere in den 80ern als Kabarettist. Der Österreicher gewann 2009 den deutschen Fernsehpreis als bester Schauspieler für den Film „Das halbe Leben“. Er verkörpert den Arthur in „Arthur und Claire“, an dessen Drehbuch er gemeinsam mit Regisseur Miguel Alexandre gearbeitet hat.
Hannah Koekstra ist eine holländische Nachwuchsschauspielerin und hat bereits in dem Drama „Hemel“ und dem Thriller „App“ vor der Kamera gestanden. Eine vielversprechende, junge Schauspielerin, die mit ihren sehr guten Deutschkenntnissen hoffentlich noch in anderen deutschsprachigen Produktionen zu sehen sein wird!

Filmischer Augenschmaus?

Vor allem die Nachtszenen sind ausdrucksvoll arrangiert, entweder wird mit Kontrasten gespielt oder das Licht umrundet die Szenerie Amsterdams vorteilhaft.

Gibt’s was zu meckern?

Typisch deutsch(sprachig) gehen so einige Bemerkungen auf Kosten der holländischen (Aus)sprache. Zugegeben, das Potential ist da, aber Holländisch hat mehr zu bieten als Stimmbildung im Rachenraum!

Braucht man Taschentücher?

Die wohl rührendste und tiefgründigste Szene spielt sich in einem Coffeeshop ab. Sehr authentisch und ehrlich öffnen sich beide Hauptrollen in der Situation nicht nur dem anderen, sondern auch sich selbst gegenüber und damit dem Leben. Das Thema Abschied und Tod ist hier in eine lebendige Szenerie eingebettet und ergibt durch diese Perplexität ein paradox-schönes Bild eines unkonventionellen Nachterlebnisses. Wer so was zu schätzen weiß, braucht Taschentücher!

Mit wem angucken?

Am besten mit Menschen, die euch nahe stehen, sodass die Tiefgründigkeit des Filmes voll ausgekostet werden kann!

Auf einen Blick
Action:
Romantik: ✪
Humor: ✪ ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪
Was macht man danach?

Kurz mal durch die Straßen flanieren, was Leckeres snacken und die neuen holländischen Vokabeln verinnerlichen.

In 3 Worten:

Een goede film.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Die Eindrücke Amsterdams auf großer Leinwand waren beeindruckend, aber der Film ist für meinen Geschmack auch durchaus vom Sofa aus zu genießen.

Mainstream oder Independent?

Der Film ist weder noch, aber noch weniger Mainstream als alles andere. Eine gemeinschaftliche Kooperation des österreichischen, deutschen und holländischen Fernsehens. Auf jeden Fall abwechslungsreich!

Arthur & Claire

Regie: Miguel Alexandre
Darsteller: Josef Hader, Hannah Hoekstra, Rainer Bock
Kinostart: 08.03.2018
Filmlänge: 98 Minuten
Genre: Drama, Komödie
FSK: 12

 

Text: Marie Robinski
Teaser: ®universumfilm

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