Was'n da los?

Battle Royal:
Trump vs. Clinton

Jetzt wird es ernst: Der US-Präsidentschaftswahlkampf geht in die heiße Phase. Erstmals trafen die beiden Kandidaten Donald Trump und Hillary Clinton in einer TV-Debatte aufeinander. Die Zuschauerzahlen stiegen auf Rekordhöhe. Wer hat das TV-Duell gewonnen? Welche Rolle spielen die Medien generell im US-Wahlkampf? Und was hat das alles mit Pferderennen zu tun?

06. Oktober 2016 - 11:55
SPIESSER-Autor Nosy Noah.
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Nosy Noah Offline
Beigetreten: 08.10.2013

Scheinwerfer an

Die traditionellen Debatten sind für die Kandidaten eine einzigartige Chance, sich im Präsidentschaftswahlkampf vor einem so großen Publikum zu präsentieren. Oft suchen sie sich für Probe-Debatten einen Übungspartner, der Argumentation und Stil des Gegenspielers imitieren kann. Wenn die Kandidaten auf die Bühne gehen, wissen sie exakt, wo die Kameras stehen und haben eine Verteidigung für jeden möglichen Angriff des Gegenübers vorbereitet. Zumindest normalerweise: Donald Trump hatte sich offensichtlich nicht vorbereitet. Genauso wie er alles andere aus dem konventionellen Politikbetrieb ablehnt, will er nichts von Probe-Debatten wissen. Er war jahrelang Moderator seiner eigenen Reality-TV-Serie und steht seit Jahrzehnten vor Fernsehkameras, was ihm anscheinend als Vorbereitung genügte. Hillary Clinton hingegen trainierte für die Debatte mit einem ihrer Mitarbeiter, der „den Trump spielte“, auch wenn sie bereits über viel Erfahrung in der Öffentlichkeit verfügt.

Und - Wie lief es?

Scheint sich konzentrieren zu müssen: Donald
Trump bei der TV-Debatte
Foto: : Bill B, flickr.com,
CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0), bearbeitet

In der Debatte selbst diskutierten die Kandidaten vor 84 Millionen Live-Zuschauern über Wohlstand, Sicherheit und die „richtige Richtung“ für die USA. Während die Debatte anfangs relativ zivilisiert zu verlaufen schien, wurde sie später immer lauter und hitziger: Clinton unterbrach Trump 17 Mal, er sie sogar 51 Mal. Clinton wurde in der Debatte von Trump vor allem bei Freihandelsfragen und ihrer bisherigen politischen Geschichte in die Defensive getrieben. Trump warf ihr vor, eine klassische professionelle, vorbereitete Politikerin zu sein, die außer „netten Worten“ nichts zu bieten hätte: „Nur Gerede - kein Handeln“.
Trump hingegen musste sich gegen Vorwürfe der Steuervermeidung, Rassismus und Sexismus verteidigen. So fragte ihn beispielsweise der Moderator, was genau er mit der Aussage, Clinton sehe nicht wie ein Präsident aus, gemeint habe. Trump wich der Frage aus - sie habe nicht das nötige Durchhaltevermögen. Clinton, als ehemalige Außenministerin, antwortete schlagfertig: „Sobald er 112 Länder bereist, einen Friedensvertrag, eine Waffenruhe und zahlreiche internationale Verträge aushandelt, kann er mit mir über Durchhaltevermögen reden."

Horse-Race-JournalismVon Horse-Race-Journalism (deutsch: „Pferderennen-Journalismus“) spricht man, wenn Medien im Wahlkampf nicht über die Kandidaten und ihre Inhalte berichten, sondern vor allem über die Entwicklung der neuesten Umfragewerte. Beispielsweise wurden nach der ersten TV-Debatte in den meisten Medien nicht die politischen Aussagen diskutiert, sondern vor allem die Fragen: Wer hat gewonnen? Wem hat dieser Tag taktisch genutzt und wem geschadet? Wer liegt vorn? Genauso wie bei einem Pferderennen.

Post-Truth-Politics

Trump treibt das sogenannte Horse-Race gerne an, denn er ist dafür bekannt, mit den Medien zu „spielen“: Er ist bereit alles zu sagen - und sei es noch so skandalös - um in die Schlagzeilen zu kommen. Sein Verhältnis zu den Medien ist aber alles andere als harmonisch, im Fernsehen und in Pressekonferenzen legte er sich mehrmals persönlich mit verschiedenen Journalisten an. Die Medien zeigen zwar immer wieder auf, wie viele seiner Behauptungen offensichtlich falsch sind, aber das scheint weder ihn noch seine Unterstützen zu kümmern. Inzwischen sprechen politische Analysten schon vom Zeitalter der „Post-Truth-Politics“.


Skeptischer Blick Richtung Kontrahent: Hillary
Clinton.
Foto: Bill B, flickr.com,
CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0), bearbeitet

Am Anfang der Debatte forderte Clinton die Zuschauer daher auf, die Aussagen der Kandidaten in einem Fakten-Checker zu überprüfen. Clinton suhlt sich nicht so gern wie Trump in in der Medienaufmerksamkeit, da sie großen Wert auf ihre Privatsphäre legt. Sie gilt als inhaltlich starke Politikerin, die sich aber selten von einer menschlichen, emotionalen Seite zeigt.
Die größten Redaktionen des Landes, besonders die der Zeitungen, positionieren sich klar gegen Trump, und unterstützen damit Clinton. Einige sogar offen. Aber insgesamt berichten die Medien in den meisten Fällen negativ über beide Kandidaten. Eine Auswertung der Zeitungsberichterstattung des Wahlkampfes zeigt: Über Trumps Charakter wurde in 80 Prozent der Artikel negativ berichtet, über Clintons Charakter sogar in 90 Prozent der Fälle. Dafür wurde über Clintons politische Positionen in „nur“ 65 Prozent der Artikel negativ berichtet; bei Trumps in über 85 Prozent der untersuchten Fälle.

Wer hat die Debatte denn jetzt eigentlich „gewonnen“?

Das kommt darauf an, wen man fragt: Die meisten Zeitungen und Medien meinen, Clinton sei die Siegerin der ersten Debatte, aber viele Trump-Unterstützer sehen das ganz anders. Die Tatsache, dass über eine so einfache wie plakative Frage keine Einigkeit herrscht, zeigt, dass das Ergebnis nicht eindeutig war und jeder seine eigenen Vorurteile mitbringt, wenn er sich eine solche Debatte anschaut.

Falls sich jemand zu diesem Klassiker selbst eine Meinung bilden möchte: Die nächste beiden TV-Debatten finden am 9. und 19. Oktober statt.

Text: Noah Schöppl
Teaser-Foto: Bill B, flickr.com, CC-Lizenz (CC BY-SA 2.0), bearbeitet

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