Kinofeeling

Berlin Bouncer

Drei Geschichten aus dem dreckigen Berlin.

12. April 2019 - 11:19
SPIESSER-Redakteurin Onlineredaktion.
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Beigetreten: 25.04.2009

Worum geht’s?

Smiley Baldwin war ein amerikanischer Soldat, der die Grenze nach Ostberlin bewachte. Nach dem Mauerfall verlor er mit seinem Job auch sein Ansehen, bis er das Türsteher-Geschäft umkrempelte. Sven Marquardt war ein ostdeutscher Punk und Fotograf, den es nach der Wende in die Clubszene zog. Heute arbeitet er für den Club mit der wohl legendärsten Tür der Welt: Dem Berghain. Frank Künster, irgendwie ein Kompromiss zwischen Einzelgänger und Social Butterfly, scheint in seinem Job besonders den Kontakt zu jungen Frauen zu genießen.

Der Regisseur und Drehbuchautor David Dietl schafft es, auf eine geduldige und unheimlich echte Art einen Draht zu den Protagonisten herzustellen. Man merkt, dass der Film über einen langen Zeitraum und ohne Eile entstanden ist. Gesichtsausdrücke werden toll eingefangen, in ganz offensichtlich ungeplanten Szenen werden Emotionen deutlich und spannende Fragen zum richtigen Zeitpunkt gestellt. Dadurch hat man als Zuschauer das Gefühl, die Männer wirklich kennen zu lernen, wie sie sind.

Die Kinodokumentation lässt die Zuschauer eintauchen in die schönen und dreckigen Seiten Berlins, in alternative Lebensentwürfe und in die Köpfe der wahnsinnig spannenden Hauptcharaktere.

Wer spielt mit?

Die drei portraitierten Türsteher „spielen“ sich selbst: Sven Marquardt, der es trotz schwerer Piercings und tätowiertem Gesicht schafft, an Karl Lagerfeld zu erinnern. Smiley Baldwin, der seinem Spitznamen alle Ehre macht und die vielleicht freundlichste Security-Firma Berlins leitet. Frank Künster, der sich gern mit jungen Frauen umgibt und keine Angst vor Nacktheit hat.

 

 

Filmischer Augenschmaus?

Der Film ist voll mit dreckiger Berliner Großstadtästhetik, Streetart und gezeichneten Gesichtern. Viele schöne Perspektiven und Schnittbilder machen ihn super interessant für Freunde der Filmkunst. Außerdem ist der Soundtrack so wunderbar auf den Film zugeschneidert, dass es gleichzeitig ein Ohrenschmaus für Freunde der elektronischen Musik ist. Mehr Berlin geht nicht.

Auf einen Blick
Action: ✪
Romantik: ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪

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Gibt’s was zu meckern?

Wer einen actiongeladenen Film über das harte Leben des Türstehers erwartet, wird hier enttäuscht. Es ist ein sehr ruhiges und emotionales Porträt über die Menschen hinter dem Job. Wenn man so etwas nicht mag, dann könnte der Film etwas zu langatmig sein.

Braucht man Taschentücher?

Nein. Obwohl der Film die Emotionen der Protagonisten sehr gut widerspiegelt und oft auch Trauer zum Vorschein kommt, wird nicht auf die Tränendrüse gedrückt. Man verlässt das Kino aber durchaus nachdenklich.

Mit wem angucken?

Kunstliebhaber sind genau die richtigen Begleiter für diesen Film. Wer sich für alternative Lebensmodelle abseits von „Hochzeit, Hausbau, Kinder kriegen“ interessiert, wird hier Inspirationen finden.


Hart und doch ein Lächeln im Gesicht:
Türsteher Frank Künster.
Was macht man danach?

Feiern gehen und sich vorstellen, was der Türsteher vor dem Club alles schon erlebt haben könnte.

In 3 Worten:

ästhetisch, tiefsinnig, persönlich

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Am besten auf der großen Leinwand schauen! In dem Film passiert oft einige Sekunden scheinbar gar nichts. Diese Momente sind aber mit wunderschönen Bildern gefüllt, die einen direkt nach Berlin bringen und in die Szenen hineinversetzen. Das wirkt natürlich auf der Leinwand viel eindrucksvoller, als auf dem Laptop.

Mainstream oder Independent?

Eindeutig ein Indie-Film von einem tollen jungen Regisseur. Keine Schauspieler, nur authentische und sehr echte Menschen.

Berlin Bouncer

Buch und Regie: David Dietl
Protagonisten: Sven Marquardt, Frank Künster, Smiley Baldwin
Kinostart: 11. April 2019
Genre: Dokumentation
FSK: 12
Länge: 87 Minuten

 

Text: Stephanie Hellenbrand
Bildmaterial: Farbfilm

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