Schmökern

„Boy in a White Room“

Ein weißer Raum und keinerlei Erinnerung an das, was passiert ist. Manuel erwacht in einer virtuellen Welt, in der er sich seine Erkenntnisse mit einem Sprachcomputer namens Alice ergooglet. Doch bildet die PC-Simulation überhaupt die wahre Welt ab? SPIESSER-Autor Johannes begibt sich für euch in die virtuelle Realität.

22. Januar 2018 - 10:14
SPIESSER-AutorIn anonymer Nutzer.
Deine Bewertung bewertet mit 5 5 basierend auf 1 Bewertungen
anonymer Nutzer Offline
Beigetreten: -

Worum geht's?

Du kennst das: Du wachst auf und bist verwirrt, ob du noch in deiner Traumwelt oder schon wieder in deiner „normalen“ Umgebung bist. Noch viel verwirrter wacht so der 15-jährige Manuel in einem schlichten weißen Raum auf. Er hat jedoch keinerlei Erinnerung an das, was passiert ist. Bei seinem Hilferuf erhält er nur von einer virtuellen Stimme Antwort. Über diese Sprachcomputer-Stimme kann er auch ins Internet gelangen und findet heraus, dass er Sohn des Internetunternehmers Hennig Jaspers ist. Während seine Mutter bei einem Entführungsversuch erschossen wurde, fiel er ins Koma und kann sich nun nur noch mithilfe implantierter Elektroden im Geiste durch die vom Vater erschaffene virtuelle Welt bewegen. Mithilfe der Erfindung „eyestream“ kann der Junge jedoch durch Livestreams auch am realen Leben anderer Menschen teilhaben. Doch dies reicht ihm nicht; er möchte wieder fühlen, schmecken und riechen können. Darum begibt Manuel sich auf die Suche nach seinen Erinnerungen an sein ursprünglich reales Leben und steht bald vor großen Fragen. Wer hat seine Mutter umgebracht oder gibt es in seinem Leben noch eine Schwester? Er beginnt zu zweifeln: Gaukelt ihm Henning Jaspers die im Internet gezeigte Realität einfach nur vor und ist dieser Milliardär überhaupt sein richtiger Vater?

Wer steckt dahinter?

Unter dem Pseudonym „Karl Olsberg“ veröffentlichte Karl-Ludwig Max Hans Freiherr von Wendt seit 2005 über 30 verschiedene Bücher. „Das System“, ein Thriller aus dem Jahr 2007, schaffte es sogar auf die SPIEGEL-Bestsellerliste, obendrauf gab’s damals den Kurd-Laßwitz-Preis.

Der 1960 geborene Bielefelder arbeitet im Hauptberuf als Unternehmensberater und hat drei Söhne. Am liebsten schreibt Freiherr von Wendt seine Bücher übrigens am Morgen zwischen 6 und 7 Uhr, wie er einmal auf der Frankfurter Buchmesse erzählte. Warum nun aber der Pseudo-Nachname Olsberg: Der bezieht sich auf das Städtchen Olsberg, in dem er aufwuchs.

Boy in a White Room

Autor: Karl Olsberg
Verlag: LOEWE Verlag
Veröffentlichung: Oktober 2017
Seitenzahl: 288

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Für geübte Leser ist das Buch mit seinen knapp 280 Seiten kein großes zeitliches Hindernis. Denn die Seiten sind nicht besonders üppig bedruckt. Die 31 Kapitel variieren in der Länge, sind jedoch nie zu lang. „Boy in a white room“ ist in einfachen Sätzen geschrieben und damit sehr gut verständlich. Olsberg behandelt die Thematik „künstliche Intelligenz“ in seinem Buch manchmal fast schon philosophisch; der Ich-Erzähler Manuel stellt viele Fragen und bezieht sich dabei auch auf den Philosophen René Descartes.

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Das Buch hat mich mitgenommen und das im wahrsten Sinne des Wortes, darum empfehle ich dir das Buch am besten an einem ruhigen Ferientag zu Hause im Bett oder in den Sessel gekuschelt zu verschlingen. Für zwischendurch ist das Buch nicht besonders geeignet, denn die Geschichte lässt dich nachdenken, da kannst du dich nach der Schulpause sicher nicht mehr so gut auf die Aufgaben im Matheunterricht konzentrieren.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

Obwohl das Buch auch im Bücherregal mit seinem schönen Cover eine gute Figur gemacht hätte, ist es mir nicht gelungen, das Buch ein einziges Mal zwischendurch wegzulegen. Dieser Jugendroman, der sich zwischen Science-Fiction und Krimi bewegt, hat mich besonders durch die realitätsnahe Beschreibung begeistert. Ich konnte oft Parallelen zur heutigen technischen Entwicklung ziehen und bin gespannt, wann es vielleicht das im Buch beschriebene Szenario auch bei uns geben wird. Gegen Ende wird die Handlung teils etwas verwirrender, darum gibt’s für „Boy in White Room“ von mir „nur“ acht Punkte.

Wem borgt man es als erstes?

Jedem deiner Freunde kannst du das Buch guten Gewissens borgen, denn Karl Olsberg beschreibt die Dinge so realistisch, dass „Boy in a White Room“ jeden mitreißen kann. Besonderes Schmankerl für die „Smombies“ in deinem Freundeskreis: Dank der App „papego“ kannst du das Buch auch kostenlos am Smartphone lesen.

Lieblingszitat:

„Mach sofort das dämliche Ding aus! Ich geb doch kein Konzert für die NSA!“ (Seite 66: Musiker, der beim Gitarrenspielen „gelivestreamt“ wird.)

In drei Worten:

Nachdenklich, tiefgründig, real?!

 

Text+Teaserbild: Johannes Köhler

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Was meinst du dazu? Schreib' jetzt einen Kommentar!
Mehr zum Thema „Schmökern
  • Sarah
    5
    Schmökern

    Jussi Adler-Olsen: „Selfies“

    Was an dir bist du selbst? Und was an dir ist das Produkt des Einflusses der Gesellschaft und deiner Umgebung? Nachdem SPIESSER-Autorin Sarah den Thriller „Selfies“ von Jussi Adler Olsen gelesen hat, beschäftigt sie sich mit der Frage noch mehr als vorher.

  • nana_nessaja
    Schmökern

    Pauliina Susi: „Die Kollision“

    Ein Kreuzfahrtschiff aus Plastik, an dessen Bord die Italo-Diskoschlager und die aufgesetzte Heiterkeit schlimmere Kopfschmerzen verursachen als ein Nachmittag bei IKEA. Die Schwestern Leia und Ripsa mittendrin – umgeben von undurchsichtigen Gestalten. Anderswo auf dem Mittelmeer eine Familie im

  • Marlene Vol
    Schmökern

    Carolin Wahl: „Staat X“

    „Staat X“ ist wie ein Traumbild, das mit der Zeit immer weiter eskaliert. Es geht um Liebe, Freundschaft, aber auch Intrigen und letztendlich Gewalt. Im Buch lernt man die handelnden Personen mit ihren Problemen kennen und erfährt die Handlung durch ihre Brille.

  • Little Miss Wonder
    5
    Schmökern

    Richard Wright: „Sohn dieses Landes“

    Ein Leben voller Hass und Vorurteile – damit muss Bigger Thomas jeden Tag umgehen. Im Amerika der 1920er Jahre ist die afro-amerikanische Bevölkerung unterdrückt und lebt in einer Spirale der Gewalt. Hauptprotagonist Bigger lässt euch an seinem Leben teilhaben – und an einem

  • PhilippSch
    Schmökern

    „Szenen aus dem Herzen“

    Seit August 2018 streikt Greta Thunberg. Statt zur Schule zu gehen, demonstriert sie vor dem schwedischen Parlament. Mittlerweile haben sich ihr tausende Menschen rund um den Globus angeschlossen. Eine Geschichte aus einer Familie, die ohne Greta nicht die wäre, die sie jetzt ist.

  • piapan
    Schmökern

    Zinzi Clemmons: „Was verloren geht“

    Der Debütroman der jungen Amerikanerin Zinzi Clemmons ist einer, der den Finger in die Wunde legt. Und diese ist groß.

  • Aponi
    5
    Schmökern

    „Tagebuch einer SehnSucht – Wie ich meine Tochter an die Drogen verlor“

    Das Schlimmste, was einer Mutter passieren kann, ist, ihr Kind zu überleben. Hilflos zusehen zu müssen, wie es sein Leben Stück für Stück zerstört. Genau das ist Ina Milert passiert und nun teilt sie ihre Geschichte mit uns, um sich selbst und anderen zu helfen.

  • Jana Eberle
    Schmökern

    Mel Wallis de Vries: „Wer sich umdreht oder lacht...“

    Stell dir vor, in deiner Stadt sterben vier Mädchen, auf grausame Weise ermordet und Videos von den Taten werden im Internet verbreitet. Das allein ist ein sehr schreckliches Szenario, aber für Protagonistin Mandy kommt in Mel Wallis de Vries Psychothriller „Wer sich umdreht oder lacht…“

  • Mimicry
    Schmökern

    „Fragen an Europa“

    In „Fragen an Europa. Was lieben wir? Was fürchten wir?“ geht es um mehr als die EU, Ländergrenzen oder Wirtschaft, es geht auch um Kontroverses wie Krieg und Populismus oder Alltägliches wie Sport, Essen oder Musik. 60 Fragen von Jugendlichen, 60 Antworten von Fachleuten,

  • JasminWe
    5
    Schmökern

    „Von verlassenen Träumen und einem leichteren Morgen“

    Wir alle werden manchmal von unseren Gedanken und Gefühlen überwältigt und sind deshalb von Zeit zu Zeit etwas verloren. Umso besser, dass wir Zuspruch finden können in den Zeilen von Clara Louise, die direkt ins Herz zu sehen scheint. In „Von verlassenen Träumen und einem

  • Em
    3
    Schmökern

    Gerard Way & Gabriela Bá: „The Umbrella Academy“

    Sieben Nummern, sieben Kinder, sieben Superhelden, eine Familie. Doch wie kann man die Welt retten, wenn diese Familie zerbricht? Dieser Frage geht der Comic „The Umbrella Academy“ nach und zwar so erfolgreich, dass Netflix diesen kurzerhand in eine Serie umgewandelt hat. Bleibt nur die Frage,

  • DennisZ
    Schmökern

    Jan-Uwe Thoms: „Wer Asylflut sagt, hat im Gehirn Ebbe“

    Es hagelt Kritik. Kritik zu Problemen, für die wir verantwortlich sind und die unsere Kinder oder Enkelkinder später lösen müssen. Und dabei ist der Umgang mit Migranten einer von vielen Punkten.

  • Kevin Groth
    Schmökern

    Jochen Veit: „Mein Bruder, mein Herz“

    Die Geschichte der Brüder Stephan und Bruno, deren Eltern vor drei Jahren verschwunden sind, ist die Geschichte eines Verrates, eines zurückgelassenen Bruders und die Geschichte eines dunklen Geheimnisses. SPIESSER-Auto Kevin hat Jochen Veits „Mein Bruder, Mein Herz“ für euch gelesen.

  • cedric_
    Schmökern

    Hank Green: „Ein wirklich erstaunliches Ding“

    Über Nacht wird April May mit einem YouTube-Video weltberühmt. Plötzlich reist sie von einem Fernsehauftritt zum nächsten und versucht nebenbei, zusammen mit ihren Freunden, auch noch das Geheimnis der geheimnisvollen Skulpturen zu lüften, die über den Globus verteilt aufgetaucht

  • Tobias Peter
    Schmökern

    Maike Voß: „So sieht es also aus, wenn ein Glühwürmchen stirbt.“

    Es ist kompliziert. Das sind Beziehungen immer, mehr noch, wenn sie aus Freundschaften entstehen. Was Viola und Leon erleben, lässt darüber nachdenken wie verletzlich eine Freundschaft ist und wie einzigartig Liebe sein kann. Ein Roman von Jungautorin Maike Voß, der sich mit dieser Thematik auseinandersetzt.

  • Kalendermensch
    Schmökern

    Es ist, was es ist

    Die Komikerin Sophie Passmann hat einen Sommer lang sechszehn namhafte Männer getroffen. Diese portraitiert und reflektiert sie in ihrem neuen Buch „Alte weiße Männer“. Das ist sehr lustig und liest sich wie ein feministisches Manifest. SPIESSER-Autor Vincent rezensiert.

  • LenaSophia
    Schmökern

    Julya Rabinowich: „Hinter Glas“

    Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Das trifft auch auf die Protagonistin Alice zu, denn ihre nach außen hin perfekt wirkende Familie birgt tiefe, dunkle Geheimnisse. SPIESSER-Autorin Lena hat für euch einen Blick hinter die Fassade geworfen.

  • marry_ann
    Schmökern

    „Mädchen, Mädchen tot bist du“

    Er beobachtet sie. Er weicht ihnen nicht von der Seite. Er macht ihnen Angst. Er will sie töten. Keines seiner Opfer nimmt ihn wahr, bis es vielleicht zu spät ist. SPIESSER-Autorin Anna hat sich für euch in Mel de Vries neuen Jugendkrimi auf die Spuren des Unbekannten begeben.

  • katjamitk
    Schmökern

    „Tell Me Three Things“

    Als Teenager befindet sich das eigene Leben mehr denn je im Wandel. Erst recht, wenn man zu allem Überfluss auch noch dazu gezwungen wird, ans andere Ende des Landes zu ziehen – so wie die Protagonistin Jessie. Mit ihr durchlebte SPIESSER-Autorin Katja alle High School-Klischees, die man sich

  • strumpfmitloch
    Schmökern

    Butterflies – Die Göttin wird sich erheben

    Mary-Kate und Kelly sind Außenseiterinnen. Mit ihren 16 Jahren haben sie schon einiges durchgemacht. Als Kelly neu an die Schule kommt, freunden sie sich an. Aber als Mary-Kate von ihrer Vergangenheit eingeholt wird, stellt sich nur noch die Frage, ob die Freundinnen sich ihr gemeinsam stellen

  • JasminWe
    5
    Schmökern

    „Children of Blood
    and Bone“

    Wir alle versuchen, unseren Platz in der Gesellschaft zu finden. Doch nicht jedem von uns gefällt, wo wir uns einordnen sollen. Auch die junge Heldin in Tomi Adeyemis Fantasy-Debüt „Children of Blood and Bone – Goldener Zorn“ will sich der Unterdrückung in der Gesellschaft

  • Lena B.
    Schmökern

    „Die Perfekten“

    „Nobody is perfect!“ Dieser Spruch trifft auf die herrschende Elite in Caroline Brinkmanns Buch „Die Perfekten“ nicht zu. Sie lebt in einer heilen Parallelwelt fernab von den normalen Menschen. SPIESSER-Autorin Lena über eine Dystopie, die zum Nachdenken anregt.

  • Alaniel
    Schmökern

    „Shadow Dragon – die falsche Prinzessin“

    Eine junge Kriegerin, die als falsche Prinzessin das Schicksal des gesamten Kaiserreiches verändern kann, und das mächtigste vorstellbare Wesen, das eine unerklärbare Verbindung mit ihr zu haben scheint. SPIESSERin Annika begibt sich in eine magische Welt.

  • JasminWe
    5
    Schmökern

    „Mirror, Mirror“

    Die Pubertät ist eine Zeit der Veränderungen. In ihr sind wir auf der Suche nach uns selbst. Auch die Mädchenclique in Cara Delevingnes erstem Roman „Mirror, Mirror“ irrt zwischen Kindheit und Erwachsensein im Chaos der Gefühle umher. SPIESSER-Autorin Jasmin berichtet.

  • JulesBles
    5
    Schmökern

    „Die Farben deines Herzens“

    Einige von euch kennen das vielleicht. Man lernt einen Menschen kennen und lieben und ist prompt den Anfeindungen der Klassenkameraden ausgesetzt. Katrina hat genau dieses Problem. SPIESSER-Autorin Julia hat ihre Geschichte gelesen und berichtet.

  • Anzeige
    freedy.beedy
    5
    Schmökern

    „Und wenn die Welt verbrennt“

    Felix und Alisa könnten nicht gegensätzlicher sein. Er malt Menschen mit Kreide wie er sie sieht und kann unglaublich gut kochen. Sie studiert Medizin, möchte von niemandem gesehen werden und ernährt sich von Müsli. Trotz aller Gegensätze verlieben sie sich, aber fehlendes

  • Admirel
    5
    Schmökern

    „klar.kommen“

    Der drogenabhängige und kriminell gewordene Dominik hat gerade Knast und Entzug hinter sich und freut sich auf seine Entlassung. Doch sich wieder in die Gesellschaft einzugliedern, dort seinen Platz zu finden und ein Leben ohne Drogen zu führen, das ist gar nicht so einfach. Ob ihm das gelingt

  • breakfastatspiesser
    Schmökern

    „NatürlICH“

    Sich selber zu lieben, fällt nicht immer leicht, doch Nina Graber findet: Das sollte es! SPIESSERin Rebekka hat mit Nina über ihr allererstes Buch „NatürlICH“ gequatscht und herausgefunden, warum dessen Message so wichtig ist.

  • mori-rau
    5
    Schmökern

    „Piper Perish“

    Ein Tagebuch über Träume und Wünsche, über die Suche nach seinem Zuhause und über die Frage des eigenen Ichs. SPIESSER-Autor Moritz tauchte ein in die Gedankenwelt einer jungen Künstlerin.

  • glossandgrey
    Schmökern

    „Oder Florida“

    Die Nachwende-Jahre haben viele Menschen in Deutschland nachhaltig geprägt. Das neue Buch von Christian Bangel „Oder Florida“ erzählt genau von dieser Entwicklung. SPIESSER-Autorin Britt-Marie begab sich für euch auf Zeitreise.