Brief an …

Brief an... das iPhone

SPIESSER.de-Autoren schreiben Briefe. Diesmal schreibt Aluni dem iPhone, warum es ihr völlig egal ist.

07. August 2010 - 12:33
von SPIESSER-Autorin Aluni.
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Aluni Offline
Beigetreten: 26.04.2009

Hallo iPhone,
vielleicht kannst du diesen Text mittlerweile selbst lesen und verstehen. Mit Sicherheit kannst du ihn übersetzen oder um die Welt schicken. Deine Herstellung kostet 188 Dollar, dafür erwartet man einiges.

Du wirst für dein Aussehen gelobt – du hast keine Ecken, keine Kanten, keine Falten. Schön für dich. Ich finde dich langweilig. Leuchtet dein Display nicht, bist du nicht mehr als ein verschmiertes Kästchen. Dein Bruder iPod ist wenigstens bunt. Du passt nicht in die Hosentasche einer Mädchenjeans. Wer mit dir telefoniert, hat ein Gerät von der Größe einer Waffel am Ohr. Und trotzdem gibt es Menschen, für die bist du das wichtigste Gerät ihres Lebens. Menschen, die dir ihr ganzes Leben anvertrauen.


So sieht es aus, das iPhone.
Foto: pixelio.de/Lars Mikloweit und Danny König

Liebes iPhone, ich brauch' dich nicht. Ich habe einen MP3-Player, ein Handy, einen Laptop, ein Diktiergerät. Ich muss nicht alles in einem haben. Ist dein Akku mal leer, hätte ich nichts davon. Ich trage Bücher gern in meiner Tasche herum, auch wenn sie schwer sind. Scrabble spiele ich mit Freuden am Tisch, nicht auf ein paar Quadratzentimetern Sicherheitsglas. Ich muss nicht im Bus E-Mails lesen und Rasenmäher kaufen. Ich muss auch nicht von dir gesagt bekommen, wann die Eier hart gekocht sind und welche Weihnachtsgeschenke ich noch kaufen muss. Das weiß ich selber.

Wenn ich in ganzseitigen Zeitungsannoncen deine unzähligen Apps sehe, frage ich mich: Wie haben deine Besitzer überlebt, als es dich noch nicht gab? Warum geben sie Geld aus, anstatt ihren Kopf zu benutzen?

Aber das ist ihre Entscheidung. Was mich stört: Deine Familie rückt mit so viel Tamtam an wie die Queen. Als SPIESSER-Grafiker Maik sein iPad bekam, stand die Redaktion um den Tisch herum und bewunderte es wie einen propperen Säugling. Ah. Oh. Darf ich mal anfassen?

iPhone, ich glaube, du bist gar nicht für Jugendliche gemacht. Sondern für kreative Mittdreißiger, die Karriere machen wollen oder Karrieremenschen, die kreativ wirken wollen. Die in den Metropolen der Welt unterwegs sind, dabei twittern, bloggen, bei Facebook und Myspace angemeldet, für meinVZ und Stayfriends aber zu cool sind. Eben für Leute, die jugendlich/jung/junggeblieben sind. Für sie bist du unverzichtbar.

Aber hast du es nicht langsam satt, für 50 Millionen Menschen Statussymbol zu sein? Willst du nicht manchmal auf der Couch liegen und nichts tun? Einfach mal abschalten?

Oder hast du dann Angst, ersetzt zu werden? Durch begabtere, leistungsstärkere, schönere Apfelprodukte? Das wird sowieso passieren. Aber sei nicht traurig: Wir werden dich in Erinnerung behalten.

Bis später vielleicht.
Aluni

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Kommentare

14 Kommentare
  • Richtig so. Apple und das Iphone selbst wir doch soweiso überbewertet. Außerdem tuts ein Nokia handy auch und das hält ewig und kostet 2462098560465 Euro weniger.

  • Freunde von mir haben auch ein IPhone, ich selber habe keins, manchmal finde ich auch, dass es cool ist, weil man vieles halt gleich in der Hand hat, man kann zum Beispiel mal schnell die Busverbindung nachgucken und und und...aber vieles ist auch einfach nur unnötige Spielerei

  • ... es macht wirklich spaß zu lesen, auch wenn ich nicht ganz deiner meinung bin, aber ich schätze deine kritische ansichtsweise trotzdem sehr.
    ich bin der ansicht, dass weniger das iphone an sich, noch irgendwelche kommerzgeilen apfelvertreter, die an der entwicklung und am support beteiligt waren, dafür verantwortlich sind, dass dieses teil so manchem zum dorn im auge geworden ist. eher die vielen lustigen konsumfreudigen, die der flippigen, hippen seite von apfel-werbung nicht widerstehen können und hoffen, sich durch permanente benutzung des iphones einen kult-status zu ergattern, wie es wohl kein anderes handy verspricht (was du ja auch schön formuliert hast)und sich dabei in den strudel der globalisierung stürzen, als gäbe es da etwas umsonst.
    klar, ist es interessanter seine beschwerden gegen das iphone zu richten, ich denke aber angesprochen fühlen sollten sich eher all die jenigen, die auf dem weg vom hauptbahnhof zur arbeit jetzt ganz unbedingt und dringend DIESEN einen rasenmäher brauchen, was ja bei weitem nicht alle apfelfon besitzer einschließt. soll ja noch welche geben, die sich zurück halten können.

  • Gestern darauf aufmerksam gewurden: iPhone-Nutzer haben mehr körperliche Paarungsakte als Blackberry-Nutzer.

    Bitte rechts anklicken und in nem neuen Tab öffnen, will ja niemanden von SPIESSER.de wegleiten. ;)

    http://meedia.de/nc/details-topstory/article/iphone-nutzer-haben-mehr-se...

    Nunja ... sollte ich vielleicht doch über die Anschaffung eines solchen Gerätes nachdenken?
    Und Aluni, meinst du, dass ändert deine Meinung? :D

  • Du hast es echt gut getroffen mit deinen Beobachtungen.
    Ich seh´s genauso.

    Vor allem was die eigentliche Zielgruppe oder wohl eher Gruppe mit der stärksten Kaufkraft angeht: Der Abschnitt über die kreativen Mittdreißiger oder Karrieremenschen, die kreativ sein wollen, trifft´s sehr gut.

    Ist wirklich schön, wenn jemand auch mal was kritisch sieht.
    Bin zufrieden ohne iPhone und selbst wenn ich das Geld hätte, ich würd´s nicht kaufen. Bin da irgendwie old-school.
    Und all die anderen, die hibbelig und kribbelig werden, wenn keine "messages" eingetroffen sind oder man nicht chatten oder twittern oder wasweißichnicht kann, die haben wohl irgendwie verlernt, um was es geht im Leben. Es gibt da nämlich auch noch ein "real life". (Ohne jedem iPhone-Besitzer das unterstellen zu wollen, es gibt sicher auch andere).

    Internet ist super, aber das Ganze wird immer abgefahrener. Schön, wenn jemand noch ein bisschen bodenständiger bleibt und nicht jeden Trend mitmacht.

    Gruß
    denkMal

  • Wie oft ich schon unterwegs war und dachte "jetzt ein iPhone!". Als ich mich auf einem Kate Nash Konzert zum Beispiel fragte was "cunt" bedeutet. Hm... :D
    Wer's nicht braucht, der solls halt nich kaufen. Ich fänd, dass es für mich eine gute Sache wäre. Gar nicht um immer und überall online zu sein. Aber es ist doch praktisch ständig soeinen Alleskönner dabei zu haben.

  • ich übe Kritik, die ich ja auch immer selbst erwarte.
    Denn ohne Kritik gibt es keine Verbesserung.

    Selbst nicht besser machen? Ich hoffe der Christoph schafft es heute noch meinen Woodstockartikel auf die Startseite zu schieben. Mehr Liebe, positive Energie und Freude in einem Text ist schon fast unmöglich. ;)

    Ich soll einen Brief ans Leben schreiben?
    Nun gut.
    Wenn ich Zeit habe, dann setz ich mich mal hin und mache das.
    Versprochen. Für dich Holm.

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