Brief an …

Brief an ... die Exzellenzinitiative

Seit zehn Jahren ist es das Ziel der Exzellenzinitiative, deutsche Hochschulen besser zu machen. SPIESSER-Autor Tom ist das zwar aufgefallen, allerdings hat er dennoch so einige Verbesserungsvorschläge für die kommenden Jahre.

11. Februar 2016 - 10:58
SPIESSER-Autor tom.schmidtgen.
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tom.schmidtgen Offline
Beigetreten: 11.08.2012

Liebe Exzellenzinitiative,

erst einmal herzlichen Glückwunsch zu deiner Laufzeitverlängerung um weitere zehn Jahre und die halbe Milliarde Euro, die du dafür bekommst. Im Gegensatz zu den Atomkraftwerken läuft es ja bei dir! Seit zehn Jahren bereicherst du jetzt schon die Unilandschaft von Deutschland. Da schwingt inzwischen sogar schon fast ein Klang nach Eliteuni á la Harvard oder Oxford mit. Aber eben nur fast: In den weltweiten Uni-Rankings sind die deutschen Spitzen-Unis in den letzten Jahren, obwohl es dich gibt, nicht besonders aufgestiegen oder mehr geworden. Gerademal sechs Unis sind unter den Top 100 der Welt.

Ich habe gehört, dass noch gar nicht so richtig klar ist, was du genau mit dem vielen Geld machen willst, das du in den kommenden Jahren zur Verfügung hast. Während die Politik noch fleißig über die Verwendung streitet, will ich dich mal ganz inoffiziell um etwas bitten: Denk doch auch mal an uns Studenten! Ich meine mal ehrlich, was bringen uns Studis dein vieles Geld und die dadurch aus dem Ausland angelockten Professoren, wenn im Seminarraum kein Platz ist? Und ich habe einfach keinen Bock mehr auf den Spruch „Willkommen an der Exzellenzuni“, wenn mal wieder der Beamer während der Vorlesung ausfällt oder sich das Fenster im Hörsaal mitten im Hochsommer nicht öffnen lässt! Du kannst das doch bestimmt ändern, also tu was!

Bis ganz nach oben in den Uni-Ranking-Olymp schaffen wir es doch sowieso nicht. Auch der kürzlich veröffentlichte Bericht des Schweizer Wissenschaftsmanagers Dieter Imboden gibt mir da recht. Dein Geld reicht schlicht und einfach nicht aus, um deutsche Unis auf Harvard-Niveau zu pushen. Denn aktuell dürfen sich Unis nur fünf Jahre exzellent nennen und bekommen auch nur über diesen Zeitraum finanzielle Unterstützung von dir; danach wird neu verteilt. Fünf Jahre sind in der Forschung aber echt nicht viel – damit verlaufen viele Forschungsprojekte im Sand. Um deutsche Unis weiter nach vorn zu bringen müsste all dein Geld in eine einzige fließen – nicht wie bisher in elf! Aber das ist im Föderalismus, wo sich die Bundesländer um jeden Euro streiten, logischerweise nicht machbar; das weiß ich genauso gut wie du. Daher mein Vorschlag: Du solltest die Hochschulen mehr in der Breite fördern, also weiter in Spitzenforscher investieren wie bisher, aber gleichzeitig auch in Gebäude, Technik und Personal. Ist es dir denn nicht fast peinlich, eine Kirsche auf ein verschimmeltes Sahnehäubchen zu setzen?

Hach, was mache ich nur mit dir? Auf der einen Seite macht es mich ja schon froh, selbst an einer deiner Unis zu studieren. Und die vielen wichtigen Forschungsprojekte, die dank dir existieren, freuen sich sicher auch. Aber ebenso muss das alltägliche Studium erhalten bleiben. Wie geht ein alter Spruch? Es kann nicht nur Häuptlinge geben, man braucht auch Indianer. Deshalb wünsche ich mir, dass du weitermachst, aber bitte werde flexibler und denk etwas mehr an uns Studenten!

Liebe Grüße und alles Gute für die Zukunft!

Tom

Text: Tom Schmidtgen
Foto: Anja Nier

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