Kinofeeling

Brimstone

149 Minuten, die unter die Haut gehen. SPIESSERin Polina hat „Brimstone“ gesehen und empfiehlt den Film vor allem Kinobesuchern mit starken Nerven – hauptsache nicht alleine gucken!

06. Dezember 2017 - 12:57
SPIESSER-AutorIn Mimicry.
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Mimicry Offline
Beigetreten: 30.11.2017

Worum geht's?

Die stumme Hebamme Liz lebt mit ihrer Familie in einem kleinen Dorf im Wilden Westen. Sie hat eine Tochter und einen Adoptivsohn und selbstverständlich geht sie mit ihnen und ihrem Mann auch in die Kirche. Dort trifft sie den neuen Priester, der sie in den absoluten Horror zu versetzen scheint. Diese Begegnung legt den Anfang einer Reihe blutiger Ereignisse, von denen ein Berg brutal abgeschlachteter Schafe das noch am wenigsten Bestürzende bleibt.

In umgekehrter Reihenfolge werden die Kapitel von Liz` Leben erzählt und ihre gemeinsame Geschichte mit dem Priester offenbart. Und es dauert nicht lange bis der Zuschauer den gleichen Horror empfindet wie sie.

Wer spielt mit?

Dakota Fanning überzeugt selbst nur mit ihrer Mimik in der Hauptrolle. Sie ist definitiv kein Teeniefilmstar mehr, sondern eine starke junge Frau und so bringt sie die Hauptfigur Liz auch rüber. Ihr früheres Ich als junges Mädchen spielt die talentierte Emilia Jones. Guy Pierce, der in diesem Film Brad Pitt zum Verwechseln ähnlich sieht, verkörpert den grausamen Priester. Für diese Leistung sage ich Chapeau, denn noch nie habe ich eine fiktive Figur mehr gehasst.

„Game of Thrones“-Star Kit Harrington spielt mal wieder den edlen Ritter bzw. Cowboy. Seine Setkollegin Carice van Houten (ebenfalls durch „Game of Thrones“ bekannt) stellt die Mutter von Liz dar, die ihrer Rolle als Melisandre nicht unähnlicher sein könnte. Eine Überschneidung mit „Game of Thrones“ gibt es aber schon: auch in Brimstone wartet der Tod an jeder Ecke.

Filmischer Augenschmaus?

Neben Blut und Gedärmen gibt’s auch schöne Kornfelder in Vogelperspektive. Wobei knallrotes Blut im weißen Schnee optisch auch was her macht. Der Film verfügt ohne Zweifel über eine eigenartige Ästhetik, die es schafft, Schönheit mit Fassungslosigkeit und Entsetzen zu verbinden.

Gibt’s was zu meckern?

„Brimstone“ geht eindeutig unter die Haut – die Frage ist nur, ob man soviel physische und vor allem psychische Gewalt dort haben möchte.

Braucht man Taschentücher?

Wenn man so ein Sensibelchen ist wie ich – auf jeden Fall. Ich hatte mehrmals ‚feuchte Augen’-Momente, allerdings nicht aus Traurigkeit, sondern vor blankem Entsetzen. Die Passivität und der Voyeurismus eines Kinobesuchers verwandeln sich hier in eine kaum auszuhaltende Hilflosigkeit. Man ist den Bildern ausgeliefert, wie Liz ihrem Peiniger ausgeliefert ist.

Mit wem angucken?

Hauptsache nicht allein (so wie ich). Der beste Familienfilm ist es allerdings auch nicht. Ansonsten, ob mit Freunden oder einem Date – die Person muss auf jeden Fall starke Nerven haben.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪ ✪
Romantik:
Humor:
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪
Was macht man danach?

Hoffentlich nicht alleine durch eine dunkle Gasse laufen. Am besten sollte man sich in eine warme Decke kuscheln, dazu ein Kakao trinken und etwas Nettes ankucken, wie „My Little Pony“. Und wenn die kleinen rosa Pferde es nicht schaffen, einen auf andere Gedanken zu bringen, dann wird man sich sicher besser fühlen, wenn man an eine Frauenrechtsorganisation spendet.

In 3 Worten:

düster, blutig, gewaltsam

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

„Brimstone“ überzeugt durch seinen Inhalt und nicht durch wunderschöne Naturaufnahmen oder special effects. Nichtsdestotrotz sollte man den in Cinemascope-Format gedrehten Film auf einer großen Leinwand sehen. Damit knüpft Martin Koolhoven an die klassische Darstellung von Western an und diese funktioniert nur in Groß. Falls ihr also keinen 100 Zoll Fernseher besitzt – ab ins Kino!

Mainstream oder Independent?

„Brimstone“ schafft es auf mehreren Ebenen, aus dem Mainstream auszubrechen. Die weibliche Perspektive, die diesen Film prägt, ist in der Geschichte des Westerns zwar nicht beispiellos, jedoch äußerst selten. Darüber hinaus besitzt der Film eine einzigartige chronologische Erzählstruktur.

Brimstone

Regie: Martin Koolhoven
Darsteller: Dakota Fanning, Guy Pierce, Kit Harrington, Carice van Houten, Carla Juri, Emilia Jones
Kinostart: 30. November 2017
Filmlänge: 149 Minuten
Genre: Western, Thriller
FSK: 16

 

 

Text: Polina Polovnikova
Teaser: © Koch Films

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