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Damit ein bisschen Farbe durch Deutschland fährt!

Street Art kommt zwar aus dem Untergrund, aber mittlerweile haben es viele Künstler geschafft, mit ihrer Leidenschaft ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. So wie Jörn Reiners von Xi-Design. Mit zwei Kollegen bemalt er hauptberuflich Hausfassaden. SPIESSERin Franzi hat mit ihm über seine Arbeit und die Entwicklungen in der Street Art-Szene gesprochen.

03. Januar 2017 - 17:31
SPIESSER-Redakteur Onlineredaktion.
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Beigetreten: 25.04.2009

Bei Xi-Design machst du Fassadenwerbung. Das heißt du bemalst Wände quasi mit Werbung. Hat das noch was mit Street Art und künstlerischer Freiheit zu tun?

Es ist natürlich nicht Street Art im ursprünglichen Sinn, aber wir werden ja dafür bezahlt, für den Kunden einen Auftrag künstlerisch umzusetzen. Das heißt, wir gestalten Vorschläge, können unsere eigenen Ideen mit einfließen lassen und können unsere künstlerische Freiheit in einem gewissen Rahmen umsetzen. Darüber hinaus setzen wir die Vorlagen ja dann 1:1 an den Hauswänden um und hier hat der Kunde auch einen künstlerischen Anspruch, sonst wäre es ja keine außergewöhnliche Werbung. Ich würde also sagen es ist professionelle Street Art.

Design-Wettbewerb
Hauptsache bunt wäre die Lok von Jörn Reiners von Xi-Design. Und wie würdet ihr eure eigene Lok gestalten?

Im Rahmen des 500-jährigen Reformationsjubiläums startet die Deutsche Bahn einen Kreativwettbewerb! Was bedeutet das Thema Reformation auf der Schiene? Wie sieht der Schienenverkehr von morgen aus? Gestaltet daraus ein Motiv für eine DB-Lok zum Reformationsjahr und gewinnt eine Gruppenreise nach Genf! Zudem bringen die DB-Designer den besten Entwurf gemeinsam mit euch auf eine Lok, die 2017 durch Deutschland fährt. Alle Infos zum Wettbewerb gibt's auf www.draufabfahren.de/luther

Wie viel Zeit nehmen Großprojekte in Anspruch, bei denen ihr ganze Hauswände bemalt?

Das kommt immer auf die Leute, die Motive und die zu bemalende Fläche an. Normalerweise versuchen wir einen Auftrag immer in einem Zeitraum von Montag bis Freitag umzusetzen. Und je nach Aufwand sind es dann eben mal drei bis zwölf Leute, die an den fünf Tagen an einem Kunstwerk arbeiten. Das alles muss ja zackig über die Bühne gehen, sonst würde sich der Aufwand für den Kunden nicht lohnen, wenn es vier Wochen Werbung sind und wir acht Wochen rummalen.

Wie bist du auf das Thema Street Art aufmerksam geworden?

Ich und meine Kollegen kommen alle ursprünglich aus der Graffiti-Szene und waren schon immer kreativ interessiert. Wir haben einfach an unserem Traum festgehalten, irgendwann mit diesen „Schmierereien“ Geld zu verdienen. Es war natürlich kein leichter Weg, aber was gibt es schon besseres, als sein Hobby zum Beruf zu machen?

Street Art kommt eigentlich aus dem Untergrund. Mittlerweile hat sogar die Deutsche Bahn das Thema im Rahmen eines Design-Jugendwettbewerbs für sich entdeckt. Ist es an der Zeit Street Art als ernst zu nehmende Kunstform zu beachten?

Ja, definitiv. Und dem Ganzen wird auch deutlich mehr Raum und Chance gegeben als vor 20 Jahren. Ich bin ja auch schon länger dabei und habe spürbar mitbekommen, wie sich die ganze Street Art- und Graffitiszene entwickelt hat. In Zeiten von Facebook und Instagram erlebt diese Kunstszene einen regelrechten Boom und die Community ist im Gegensatz zu vor ein paar Jahren wesentlich Größer. Auf der einen Seite ist das natürlich schön zu sehen, da der Kunst mehr Respekt gezollt wird und ich so ja auch meinen Lebensunterhalt verdiene, auf der anderen Seite macht jetzt so ziemlich jeder „irgendwas mit Kunst“ und will auf diesen Zug aufspringen.

Im Rahmen des Wettbewerbs der Deutschen Bahn können Jugendliche eine Lok selbst designen. Wie würde deine Lok aussehen?

Das ist auf jeden Fall eine gute Frage. Wann hat man sonst schon die Chance mal einen Zug zu gestalten? Ich denke, hauptsache so bunt und kreativ wie möglich, damit ein bisschen Farbe durch Deutschland fährt!

Wie sieht für dich die Zukunft der Street Art aus – gibt es bestimmte Trends, die in den nächsten Jahren kommen werden?

Die ganze Szene wird sich auf jeden Fall noch weiterentwickeln und es werden in Zukunft bestimmt auch immer mehr Firmen und Unternehmen merken, wie gut Street Art in Werbung ankommt. Dieser Trend mit Kunst und Graffiti wird in den nächsten Jahren bestimmt weiterboomen, aber wohin das Ganze inhaltlich oder auch gestalterisch führt, lässt sich schwer sagen. Genau das ist auch das Schöne an Kunst.

Xi-Design

Hinter Xi-Design stecken die drei Künstler Jörn Reiners, Kimo von Rekowski und Marco Bollenbach, die es geschafft haben ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen. Angefangen im Sprayer- und Graffitibereich haben die Drei es geschafft, sich mit ihren handgemalten Außenwerbungen in Berlin und auch darüber hinaus einen Namen zu machen. Wenn ihr mehr von den Jungs erfahren wollt, schaut doch auf ihrer Seite www.xi-design.com vorbei!

Interview: Franziska Gradl
Bildmaterial, Teaserbild: Xi-Design

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit
mit der Deutschen Bahn AG.

 

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