Schmökern

„Das Glück meines Bruders“

Was ist das – die Herkunft und die Familie? Was macht das mit einem? Und wie findet man sein Glück? Anhand von zwei Geschwistern versucht der Roman „Das Glück meines Bruders“ diese Fragen zu beantworten. SPIESSER-Autorin Ema hat sich mit auf die Suche begeben.

30. August 2017 - 10:28
SPIESSER-Redakteurin Onlineredaktion.
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Beigetreten: 25.04.2009

Worum geht's?

Botho und Arno sind zwei Brüder, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Botho als Ich-Protagonist hat das Abitur nachgemacht, ist studiert, gesund und nun Lehrer. Arno lebt von Hartz IV, kämpft sich von einem Job zum nächsten und leidet an Alkoholismus. Trotzdem scheinen die Brüder eine gute Beziehung zu haben. Das kleine Dorf Doel wird Mittelpunkt der Handlung. Hier, bei den Großeltern, verbrachten die beiden Sommer um Sommer, Weihnachten um Weihnachten. Damals waren sie noch gleich, zwei kleine Kinder, später Teenager. Oder doch nicht? Während einer Reise zurück ins Haus der nun toten Großeltern bahnt sich ein heftiger Konflikt zwischen den beiden an.

Zwischen verlorenen Jugendlieben und neu gefundenen Bekanntschaften, zwischen Belgien und Deutschland, zwischen Akademikertum und Proletariat – zwischen all dem suchen beide nach dem Glück und nach ihrer Identität. Am Ende bleiben sie verschieden – und doch sind sie Brüder, die sich immer lieben – komme was wolle.

Wer steckt dahinter?

Stefan Ferdinand Etgeton ist 1988 im westfälischen Bergbaustädtchen Mettingen geboren und lebt zurzeit in Berlin. Er studierte Volkswirtschaftslehre in Köln, Warschau, Utrecht und Berlin. 2015 erschien sein erster Roman „rucksackkometen“ und Stefan Ferdinand Etgeton gewann mit einem Extrakt ebendieses Romans beim MDR Literaturwettbewerb 2014 den Jury- und Publikumspreis und bei der Wuppertaler Literatur Biennale 2016 den Hauptpreis. Als Student ist er auf Poetry Slams aufgetreten und sah sich schon immer als Schriftsteller, da dies seiner Meinung nach keine Berufsbezeichnung ist.

Kurz und knapp oder dicker Schinken?

Ein langes Durchkauen von Bothos Gedankengängen und Dialogen zwischen den beiden Brüdern erwartet einen auf 240 Seiten. Oft sind diese wirr und impulsiv, lassen einen nicht los, ein anderes Mal sind sie träge und stiften zum Nachdenken an. „Das Glück meines Bruders“ beleuchtet Dinge mit einer großen Ruhe und hohen Philosophie – und lässt einen selbst über das Leben nachdenken.

Das Glück meines Bruders

Autor: Stefan Ferdinand Etgeton
Verlag: C.H.Beck Verlag
Veröffentlichung: Juli 2017
Seitenzahl: 240

Für die Bahn, den Sessel oder den Pausenhof?

Für dieses Buch empfehle ich ein ruhiges Plätzchen: den Lieblingssessel oder im Sommer den heimischen Liegestuhl im Grünen. Denn die Natur ist in Etgetons Roman ein entscheidender Nebeneffekt. Am besten: Setzt euch auf eine Schaukel und schmökert dabei durch den Roman – beim Lesen werdet ihr dann sehen, welche Rolle diese spielt.

Auf einer Skala von 1 bis 10: Wie schwer ist es, das Buch wegzulegen?

„Das Glück meines Bruders“ ist ein Fluss an immer folgenden Handlungen und Bothos Gedanken. Lediglich sind diese durch Kapitalnamen unterteilt, die eigentlich überflüssig sind. Einzelne Geschichten und Schicksalsschläge der Brüder möchte man gerne weiterverfolgen. Das Gefühl, dringend weiterlesen zu müssen, stellt sich ein. Doch einzelne Episoden schlackern nur so vor sich hin, sodass man verführt ist, eine Pause einzulegen. Von meiner Seite aus gibt es eine solide 7.

Wem borgt man es als erstes?

Natürlich seinen Geschwistern, denn schließlich geht es hier um ein unzertrennbares Band zwischen zwei Brüdern. Daraufhin kann man zusammen in alten Kinder- und Jugenderinnerungen schwelgen und selbst über seine jetzige Beziehung zueinander reflektieren.

Lieblingszitat:

„Unser Leben und unsere Handlungen, Umstände, Gedanken und Aktionen sind doch nur das Transportmittel. Das Ziel ist ein anderes. Das Ziel ist, glücklich zu sein. Glück um jeden Preis. Und das Ziel bleibt doch immer gleich.“ (S.220)

In drei Worten:

Tiefgründig. Ehrlich. Liebend.

 

Text+Teaserbild: Ema Jerkovic

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