Anzeige
Schwerpunkt

Das Piercing muss raus

Mit meiner Bewerbung möchte man sich natürlich von den anderen Bewerbern abheben. Wäre es da nicht besser, statt einer schlichten schwarzen Bewerbungsmappe, eine quietschgrüne zu wählen?

17. Mai 2009 - 21:42
SPIESSER-Autorin Senfgruen.
Deine Bewertung bewertet mit 4.6 5 basierend auf 5 Bewertungen
Senfgruen Offline
Beigetreten: 25.04.2009

Das ist eine sehr gute Idee. Natürlich werden die Arbeitgeber nicht alle „quietschgrünen“ Hefter zuerst nehmen. Sie könnten dabei ja alle schlechten Schüler erwischen. Aber wenn ich mit der Hefterfarbe den Bezug zur Firma ( Firmenlogo ) herstelle, ist das kein schlechter Gedanke. Das deutet auf eine intensive Vorbereitung und Erstellung der Bewerbungsmappe hin, hinter der man ja auch stehen sollte.

Ich hab gehört, dass manche Betriebe einen handschriftlichen Lebenslauf wollen. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Jeder Bewerber sollte rechtzeitig nachfragen oder im Internet herausbekommen, welche Unterlagen die Firmen in welcher Form wünschen. Das kann auch der handgeschriebene Lebenslauf sein. Bitte immer weißes Papier verwenden, keine Linien. Bei manchen Firmen gibt es sogar Psychologen, die in die Handschrift die Charaktereigenschaften des Bewerbers interpretieren.

Manuela Hilpmann

 

Manuela Hilpmann berät Jugendliche rund um das Thema Bewerbung.

 Ist es besser, wenn ich mich online bewerbe?

Es ist nicht besser, aber von vielen Firmen gewünscht. Und wenn dieser Wunsch besteht, sollte man keinesfalls eine Bewerbungsmappe hinschicken. Es kann sein, dass diese nicht gelesen wird. Auch hier wieder der Grundsatz: Vorher informieren. Wichtiger Tipp: Bitte eine seriöse Email-Adresse für die Bewerbungen benutzen! Auch im Internet bei Online-Bewerbungen bitte KEINE Rechtschreibfehler !!

In Mathe war ich nie ein Ass. Ist die vier im Zeugnis ein Problem?

Das kommt ganz auf den Beruf an. Wenn ich mit meinen Zensuren nicht zufrieden bin, sollte ich die Bewerbungsmappe umso interessanter gestalten und vielleicht nicht einfach so per Post an den Chef senden. Hier ist ein persönliches Auftreten vielleicht gar nicht so schlecht und der Arbeitgeber schaut sich den Bewerber eher an, als wenn  eine fehlerhafte Bewerbung mit schlechten Zensuren in der Post liegt.

Was kann ich tun, damit ich nicht total nervös beim Bewerbungsgespräch bin?

Auf alle Fälle vorher üben. Vorm Spiegel klappt das ganz gut, oder auch mit Freunden, die hinter einem stehen und nicht ablenken. Alle sollten Fragen vorbereiten, die sie stellen können und die sie beantworten müssen. Es gibt auch verbotene Fragen des Arbeitgebers, auf die ich nicht antworten muss. GANZ wichtig ist es, viel über die Firma und das derzeitige Weltgeschehen zu wissen. Denn eine Chef wird dem Bewerber nichts erzählen, er will wissen, was der BEWERBER an Infos mitbringt. Vor allem auch über den Beruf ansich.

Können sie mir etwas zur Körpersprache sagen? Welche Haltungen sollte ich vermeiden und was kommt gut an?

Sehr gut ist es, wenn man die Mitarbeiter grüßt, sie ordentlich begrüßt und man ein nettes Benehmen an den Tag legt. Aber das sind grundlegende Voraussetzungen. Wichtig ist es, gepflegt aufzutreten, dem Beruf entsprechend gekleidet zu sein und sich richtig hinzusetzen. Also nicht „vom Stuhl fallen“. Ein Lächeln freut alle, sicheres Auftreten schaffe ich mit der nötigen Vorbereitung... Somit kann nichts passieren. Mal eine Tür aufhalten, „Bitte“ und „Danke“ sagen... 

Ich finde Krawatten total spießig. Muss ich sie trotzdem tragen?

Wenn ich weiß, dass ich einen Beruf erlernen möchte, wo ich täglich Krawatte trage – dann sollte ich das schon beim Bewerbungsgespräch tun. Ansonsten gilt ein klarer Satz: Freizeitklamotten sind tabu. Und wenn es die besten und teuersten sind, die im Schrank liegen. Sie haben nichts bei dem wichtigen Gespräch zu suchen. Also keine Comics auf dem Shirt oder die Kapuze der Jacke hängt schief. SPORTLICH CHIC ist der beste Grundsatz. Das kann ein Polo-Shirt sein, ein Hemd oder eine schicke sportliche Bluse bei den Mädels. Niemand muss sich verstellen. Aber jedem muss bewusst sein, dass es keine zweite Chance für den ersten Eindruck gibt. Niemals bauchfrei ( Mädels ), nie in kurzen Hosen ( Jungs ) und immer sauber...

Soll ich meine Piercings vor dem Bewerbungsgespräch heraus nehmen?

Glücklicherweise ist der Mode-Gag vorbei. Es tragen nur noch die ein Piercing, die dazu stehen. Diese Bewerber sind meist so fair zu sich selbst, dass sie es rausmachen, wenn sie wissen, der Chef erlaubt es nicht. Oder sie machen tagsüber ein kleines rein, bevor sie in ihrer Freizeit wieder zu Ringen ect. greifen. Jeder ist seines Glückes Schmied. Und ich kann mir meine Freizeit nur verdienen, wenn ich den Beruf ordentlich ausübe – vielleicht auch ohne Piercing.

Gibt es Fragen, die ich beim Bewerbungsgespräch nicht beantworten muss?

Ja, die gibt es. Fragen nach dem Kontostand, dem Verdienst der Eltern sind nicht erlaubt. Auch nicht, ob man heiraten möchte oder Kinder bekommen will. Mädchen dürfen nicht gefragt werden, ob sie schwanger sind ( außer man sieht es schon ). Des weiteren sind Fragen nach Partei, Gewerkschaft und Krankheiten tabu. Die beste Antwort: „Ich möchte ihnen diese Frage nicht beantworten!“

Wie viele Absagen sind normal, bis man einen Ausbildungsplatz findet?

Ich kenne Schüler, bei denen klappt es beim ersten Mal mit einer Zusage. Die Realität sieht aber so aus, dass ein Großteil Absagen bekommt und sich die Chancen auf Zusagen oder Auswahlverfahren im Laufe der Bewerbungsphase minimiert. Aus Erfahrungen von Schülern haben doch einige die Möglichkeit, sich bei bis zu 5/6 Arbeitgebern vorzustellen. Sollte es gar nicht klappen, rate ich, die Bewerbung von Partnern anschauen zu lassen. Oft sind es „Kleinigkeiten“, die negativ klingen und den Arbeitgeber zur Absage bringen.

Vielen Dank für das nette Gespräch.

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Vier Kommentare
  • Ich finde die Frage mit der Bewerbungsmappe sehr interessant. Ich wär niemals auf die Idee gekommen eine Mappe in grün etc. abzugeben. Ich denke mir immer die Farbe ist schwarz sie kommt professionel rüber und es ist besser eine schwarze Mappe zu nehmen. Aber die Idee mit der quietchgrünen Mappe mit dem Logo drauf ist wirklich super. Sie fällt sofort auf und es ist mal was neues

  • Tolles Interview!

  • Ich find die Fragen echt klasse!

  • schönes interview, obwohl ich ja hoffe, dass die meisten azubis in spe schon längst ihre mappen rausgeschickt haben.

    was ich aus arbeitgebersicht vielleicht noch anmerken kann, da ich zufällig auch gerade unsere bewerberauswahl betreue: die form ist ist das a und o. den ersten eindruck kann man einfach nicht wiederholen. viel zu oft sehe ich schlampig zusammengeklatsche bewerbungen mit schlecht gedruckten privatfotos statt zumindest amtlich gescanntem portait, unübersichtliche lebensläufe und überflüssige praktikumsbescheinigungen (zumindest hilft es mir gar nicht weiter, wenn der betrieb nur noch einmal den genauen zeitraum eines praktikums bestätigt).

    es gibt sogar ganz nette bewerbungsmappen bei aldi oder in jeder postfiliale an der kasse, ich kann einfach nicht verstehen, dass es immer noch leute gibt, die alles lochen und lieblos in einen schnellhefter packen.

    es ist ja schön, wenn bewerber mit word umgehen können. aber bitte, bitte keine wordclipartwhatever-3d-schrift, überhaupt mit schriften sehr sparsam umgehen, dafür lieber andere formatierungen nutzen.

    ein kreatives aber ehrliches anschreiben hat noch nie geschadet und ich meine damit kein plumpes "sie suchen:...? - ich biete:...!". bestimmte formulierungen kann ich einfach schon vor dem öffnen der meisten bewerbungen erraten - keine floskeln, keine vorlagen aus büchern abschreiben!

    es ist mir klar, dass sich bewerber nicht nur für einen beruf bei einer firma bewerben, aber man sollte dann schon des copy und pastens mächtig sein und auch wirklich jede bewerbung auf flüchtigkeitsfehler prüfen!

    wie anfangs im interview erwähnt macht sich ein bezug zur firma oder zumindest der branche immer gut. macht euch mit dem firmenprofil vertraut, wie tritt die firma auf? wir hatten z.b. mal eine mappe in form eines verstärkers. an stelle des marshall logos stand allerdings "bewerbung". super idee!

    ich würde auch behaupten, dass die aufmachung der bewerbung und das auftreten (am telefon oder persönlich) in vielen fällen sogar schulische leistungen oder fehlende erfahrungen in den hintergrund stellen können.

    lasst euch was einfallen! (oder mailt mich an. für einen geringen unkostenbeitrag schreib ich für euch neben bewerbungen auch gern entschuldigungen für die schule, fach- und diplomarbeiten, eheverträge,... ich muss ins bett ;-)