Kinofeeling

Das Pubertier

Der Film „Das Pubertier“ soll eigentlich genau die Zeit skizzieren, die SPIESSER-Autor Vincent gerade durchläuft. So sollte er der deutschen Komödie eigentlich viel abgewinnen können. Eigentlich. Was er hingegen herausfindet, ist, wie ein guter Plot gnadenlos in die Hose gehen kann.

13. Juli 2017 - 10:01
SPIESSER-Autor Kalendermensch.
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Kalendermensch Offline
Beigetreten: 14.12.2015

Worum geht's?

Der Familienvater Hannes Wenger wird ganz plötzlich mit einem unbeeinflussbaren Schicksal konfrontiert: seine 14-jährige Tochter Carla kommt in die Pubertät. Sie zieht sich anders an, ist ständig genervt und will wie ihre Freunde auch mal richtig wild feiern und so leben, wie es ihr gefällt. Aber da hat sie nicht mit ihrem Vater gerechnet. Der phlegmatisch wirkende Journalist, der eigentlich gerade ein Buch schreiben wollte, blockt alles, was ihn in dieser schwierigen Lebensphase an Carla stört. Rigoros. Das heißt: kein Alkohol und erst recht keine Jungs, von anderen Verlockungen mal ganz abgesehen. Hannes‘ Frau Sara geht wieder voll arbeiten und so muss er sich maßgeblich alleine um sein rebellisches „Pubertier“ kümmern. Dabei tritt er von einem Fettnäpfchen ins nächste und hat am Ende gar nichts mehr unter Kontrolle.

Auf einen Blick
Action: ✪ ✪
Romantik: ✪
Humor:
Niveau: ✪
Bildungsfaktor:
Wer spielt mit?

Der zurzeit immer mehr omnipräsente Jan Josef Liefers („Tatort“, „Der Turm“) verkörpert Familienvater Hannes. Seine Frau wird von Heike Makatsch („Tatsächlich Liebe“, „Die Bücherdiebin“) gespielt. In der Rolle des Pubertiers Clara ist Harriet Herbig-Matten zu sehen. Sie gibt mit diesem Film ihr Schauspieldebüt.

Filmischer Augenschmaus?

Jetzt mal ehrlich: Der Film ist ein echter Reinfall. Der Plot klingt ja gar nicht mal schlecht, aber in Leander Haußmanns Film wir der leider zu ganz kleinem Kino. Eine schrecklich deutsche Basic-Komödie, mit Hang zum unnötigen Drama.

Gibt’s was zu meckern?

Aber hallo! So unglaublich wie es klingt: Schon nach den ersten fünf Minuten hat man einfach keine Lust mehr. Ein Beispiel: Der glückliche Vater Hannes rennt laut lachend mit seiner Tochter durch ein Sonnenblumenfeld, erinnert sich an damals, als alles noch gut war. Dabei schwingt nicht nur eine ordentliche Portion Kitsch mit, nein, Liefers sieht in dieser schrecklichen Kameraeinstellung auch noch aus, als würde er beim Dreh von „Bauer sucht Frau“ einem RTL2-Autor gehorchen.

In dem Stil geht es weiter und leider ist auch der Cast nicht wirklich ansprechend. Ich kann mich ja mit Heike Makatsch als Mama Sara noch anfreunden, aber das war’s dann auch. Jan Josef Liefers sollte sich mal lieber weiterhin um seinen Münsteraner Erfolgstatort kümmern, anstatt im „großen“ Familienfilm mitzuspielen. Schauspiel-Debütantin Harriet Herbig-Matten, die Clara spielt, ist in dieser Rolle auf jeden Fall fehl am Platz. Sie spielt schrecklich aufgesetzt, unprofessionell und entwickelt absolut kein Rollenfeeling. Auch die anderen Teenies spielen erschreckend komisch. So mündet die nicht unbedingt nötige Erste-Mal-Szene in einem computerstimmenähnlichen Dialog zweier komischer Menschen. Mehr Fingerspitzengefühl wäre hier durchaus angebracht. Dann käme auch die Tiefe und Romantik dieser Szene nicht so platt daher.


Jan Josef Liefers als Familienvater Hannes Wenger.

Generell fehlt es dem Film an einer dramaturgisch annehmbaren Handlung. Die Spieldramaturgie kollabiert völlig, eine langweilige Szene folgt der nächsten. Es gibt keinen Spannungsaufbau, keinen Höhepunkt, kein richtiges Ende. Auch eine Message fehlt. Und dass die Pubertät für Eltern und Kinder die krasseste Lebenskrise des Lebens ist, erzählt der Film so trocken und unlustig, dass man zu dem Entschluss kommt, dass sie gar nicht so krass ist. War das der Anspruch? Bin ich schon zu alt, um darüber lachen zu können?

In der letzten Szene kommt dann der Burner: Clara verabschiedet sich bei ihren Eltern für ein Auslandsjahr auf dem Flughafen. Als hätte sie prompt die Pubertät überstanden, sagt sie zu ihrem Vater: „Ich habe Dich so lieb, ich begleite Dich bis zu Pflegestufe drei“. Sehr lustig, man kippt fast aus dem Kinosessel. Als Liefers dann zum Abschied auch noch beginnt, einen Bob Dylan-Song zu singen, ist es endgültig aus mit mir – ich will einfach nur noch raus aus dem Kinosaal.

Braucht man Taschentücher?

Ja, aber nur, um die desaströse Qualität dieser deutschen Komödie zu beweinen.

Mit wem angucken?

Am besten mit niemanden. Und schon gar nicht als schöner Familienkinoabend!

Was macht man danach?

Weinen. Aus dem Kino rausrennen und nach Hause gehen. Nebenbei die gesehene Grütze verdrängen oder sich drüber aufregen. Und danach erstmal einen Fruchtzwerg essen. Weil er im Gegensatz zum Film so zuckersüß ist.

In 3 Worten:

unterirdisch, niveaulos, einfältig

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Kleiner Bildschirm. Weil’s vollkommen ausreicht und es keine großen Bilder gibt. 

Mainstream oder Independent?

Mainstraimer als Mainstream.

Das Pubertier

Regie: Leander Haußmann
Darsteller: Jan Josef Liefers, Heike Makatsch, Harriet Herbig-Matten
Filmgenre: Komödie
FSK: ab 6 freigegeben
Filmlänge: 91 Minuten

 

 

Text: Vincent Koch
Bildmaterial: © 2017 Constantin Film Verleih GmbH

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