Beruferoulette

Die erste Geige bauen

Das Beruferoulette hat sich wieder gedreht und ist bei SPIESSER-Autorin Eva gelandet: Sie hat sich einmal näher mit dem altehrwürdigen Beruf des Geigenbauers befasst.

27. Juni 2014 - 11:42
SPIESSER-Autorin Eva Christine.
Noch keine Bewertungen
Eva Christine Offline
Beigetreten: 27.11.2013

1.Akt: Meine Vorurteile


Geigespielen verlangte höchste Konzentration
- Geigenbauen auch?

Geigenbauer – für mich klingt das altmodisch, nach Holzstaub, musikalischem Genie und längst vergangenen Zeiten. Der einzige Name, der mir dazu einfällt, ist Stradivari – und der lebte im 17. Jahrhundert. Als ich beim SPIESSER-Beruferoulette diese Berufsbezeichnung lese, ist der erste Gedanke, der mir kommt: „Gibt es tatsächlich noch Leute, die das machen?“. Darüber, dass Musikinstrumente auch von irgendjemandem gebaut werden müssen, habe ich mir ehrlich gesagt noch nie Gedanken gemacht. Das könnte allerdings auch an meiner eher überschaubaren musikalischen Laufbahn liegen, die ihren Höhepunkt schon in der musikalischen Früherziehung hatte.

2.Akt: Recherche

Beim Portal „BerufeNET“ der Bundesagentur für Arbeit finde ich zunächst heraus, dass Geigenbauer nicht nur Geigen, sondern „alle Arten von Streichinstrumenten her[stellen], justieren […] und die Tonqualität [überprüfen]“. Der erste Teil der Berufsbezeichnung ist also etwas irreführend. Der zweite hingegen trifft es genau. Immer ist von Handwerk die Rede.


Yvon Calvez ist Geigenbauer aus Münster.

Um Geigenbauerin zu werden, müsste ich eine dreijährige Ausbildung in einem Betrieb oder an einer Schule, zum Beispiel der berühmtesten deutschen in Mittenwald, absolvieren. Von dieser erzählt mir Yvon Calvez, 59, der seine kleine Werkstatt in einer ruhigen Gasse in Münster hat, und an den ich mich wende, um mir ein realistisches Bild vom Berufsalltag zu machen. Er erzählt: „Zu mir kommen viele junge Leute mit der Frage nach einem Ausbildungsplatz.“ Ich muss zugeben: Ich bin überrascht. Zu dem altmodischen Bild, das ich von einem Geigenbauer habe, passt die Vorstellung von Scharen an jugendlichen Bewerbern nicht wirklich. Doch jetzt erfahre ich, dass auch die große Berufsfachschule nur einen Bruchteil ihrer Bewerber annimmt. Auf deren Homepage stelle ich fest, dass die Liste der Zugangsvoraussetzungen mich schon beim Anschauen leicht überfordert. Neben den üblichen Unterlagen werden Dinge wie eine „Begründung der Bewerbung“, „Nachweis über […] regelmäßigen Unterricht auf einem Instrument […] mit Angabe des erarbeiteten technischen und musikalischen Repertoires“ und „Zeichnungen (DIN A4), freihand“ verlangt.


Geigenbauen ist Maßarbeit!

Auch Yvon Calvez bestätigt, was durch die erwünschten Nachweise über einwandfreies Seh- und Hörvermögen deutlich wird: „Ein Geigenbauer muss sehr genau arbeiten können.“ Er zeigt mir eine Linie, die längs über einen unfertigen Geigenkörper verläuft: „Da reichen keine Zenti- oder Millimeter, das muss einfach passen.“ Die Gelegenheit für diese Genauigkeit gibt ihm sein ruhiger Alltag. Nur unterbrochen von einigen Kundenterminen, fertigt der Hobby-Musiker nach Vorlagen berühmter Geigenbaumeister wie Stradivari und Guarneri Streichinstrumente, repariert sie und überprüft sie. Noch immer mit traditionellen Methoden. „Also genau so wie vor hundert Jahren?“ frage ich. „Wie vor vierhundert Jahren!“ lacht der Meister. Das Holz, mit dem er baut, lagert er zum Teil seit 1980 – denn es muss gut durchgetrocknet sein. Das führt mir vor Augen, was für diesen Beruf wohl auch ganz wichtig ist – vor allem, wenn man wie der Münsteraner und viele andere Geigenbaumeister selbstständig ist: Selbstorganisation. Ein Alltag ohne lästige Chefs und Vorgaben, mit viel Eigenverantwortung. Würde ich mir das zutrauen?

3. Akt: Fazit

Ich komme zu dem Schluss, dass die Verantwortung für mich kein Problem wäre, denn selbstbestimmt arbeite ich gerne und gut. Dafür würden mich aber nahezu alle anderen Anforderungen vor riesige Hindernisse stellen. Wie schon anfangs erwähnt, könnte ich wohl auf keinem Instrument mehr als ein Kinderlied spielen und bei Tönen, die offensichtlich so schief sind, dass musikalische Menschen die Flucht ergreifen, zucke ich kaum mit der Wimper. Darüber hinaus ist meine Geschicklichkeit und Geduld bei manchen berühmt – für ihr Nicht-Vorhandensein. Schlechte Voraussetzungen für handwerkliche Arbeit im stillen Kämmerlein an einem Instrument, dass ich noch nicht einmal ausprobieren könnte. Das überlasse ich gerne denen, die ihre ganze Begeisterung in diese Arbeit stecken möchten – und freue mich, dass es davon auch in diesem traditionellen Beruf wohl noch viele gibt.

Text: Eva Strehlke
Fotos: Flickr-User FaceMePLS (CC BY 2.0), privat

Dir gefällt dieser Artikel?

Kommentare

Deine Meinung ist gefragt!
Mehr zum Thema „Beruferoulette
  • Anzeige
    Miss little P
    5
    Schwerpunkt

    Das wird (Food-)Trend!

    Neue Trends kommen und gehen. Im Lebensmittelbereich werden dann Schoko-Pizza oder Chia-Samen angepriesen. Doch wer sorgt dafür, dass wir neue Produkte entdecken und dann auch kaufen? SPIESSER-Redakteurin Sarah hat sich mit Tom Fanta (26), Auszubildender zum Kaufmann im Einzelhandel bei REWE, getroffen

  • freedy.beedy
    Beruferoulette

    Es sind die
    klitzekleinen Dinge

    Das menschliche Auge kann gerade so ein Haar sehen, das eine Größe von 0,1 Millimeter hat. Mareike Jordan (28) schaut sich als Doktorandin im Kryo-Elektronenmikroskop Dinge an, die Nanometer (ein Millionstel Millimeter!) groß sind. Wie sie den „Durchblick“ behält, hat

  • TastenMöhre
    Beruferoulette

    Medizinisch‐Technische Assistenz (MTA)

    Jeder kennt es: Beim Arzt wird Blut abgenommen und man wird mit dem Hinweis „Wir melden uns, wenn die Laborergebnisse da sind“ nach Hause geschickt. SPIESSER‐Autorin Marie hat sich mit den Medizinisch‐Technischen Assistentinnen (MTA) Jacqueline Garcia Rodriguez und Klara Bönicke

  • Kalendermensch
    5
    Beruferoulette

    Hauptsache keine Eiweißshakes

    Wer schön sein will, muss leiden. Aber es reicht eben nicht aus einmal monatlich zehn Minuten die staubbesessenen Hanteln hochzuheben. Richtige Menschen gehen ins Fitti. Vielleicht landen sie bei Personal Trainer Oliver Brunsch (24) und schwitzen unter Reizstrom. Ein Besuch im Bodystreet-Studio.

  • PaulausMdorf
    Beruferoulette

    Leute, die Kleider machen

    Kleider machen Leute. Modedesigner machen Kleider. Wie genau das abläuft und was man alles können muss, um die Fashionwelt mitzugestalten, hat SPIESSER-Autor Paul beim Berliner Modelabel „Hund Hund“ von Isabel Kücke und Rohan Michael Hoole herausgefunden.

  • freedy.beedy
    Beruferoulette

    Zahme Finanzhaie

    Wenn ich nicht an Hilfsorganisationen spende, wovon werden dann eigentlich die Schulen in Entwicklungsländern gebaut? Wer hilft und unterstützt finanziell und behält dann noch den Überblick? Lukas Frank (27) zum Beispiel! SPIESSER-Redaktionspraktikantin Frieda hat den Trainee der

  • TastenMöhre
    Beruferoulette

    Absolut
    der Renner!

    Mindestens einmal die Woche deckt sich jeder im Supermarkt mit Lebensmitteln ein. Doch wer sorgt dafür, dass die Regale auch immer voll sind? SPIESSER-Autorin Marie hat Henrik Schmidt (29), Azubi im Abiturientenprogramm bei REWE, getroffen und herausgefunden, wie der Laden läuft.

  • Onlineredaktion
    3
    Beruferoulette

    Ihre Mission: toben, spielen und quatschen

    Bundesfreiwilligendienst bei der Heilsarmee. Für SPIESSER-Autor Tom klang das aufgrund des militärisch anmutenden Namens nach einem streng geführten Verein und dröger Arbeit. Bis er BFDler Dominik einen Tag lang begleiten durfte.

  • Jana Türlich
    Beruferoulette

    HEP, HEP, HURRA!

    Sie helfen dort, wo sie dringend gebraucht werden: Heilerziehungspfleger (HEP) betreuen und unterstützen Menschen jeden Alters mit geistigen oder körperlichen Behinderungen. SPIESSER-Autorin Jana wollte mehr über den Beruf wissen und hat Domenic (25) auf der Arbeit besucht.

  • vickypedia
    Beruferoulette

    Bitte mitmischen!

    Auch Frauen können richtig zupacken – das beweist Azubine Eileen (20) jeden Tag. Was genau ihre Aufgaben als angehende Verfahrensmechanikerin Transportbeton sind und wie ihr Alltag in der Männerdomäne Betonwerk genau aussieht, das hat SPIESSER-Praktikantin Victoria für euch herausgefunden.

  • hannahreads
    2.5
    Beruferoulette

    Jedes Mal eine Überraschungstüte

    „Das Kleid ist aber schön, das muss ich haben!“ Wir lieben es, in Läden oder online neue Lieblingsteile zu kaufen. Doch wer bestimmt, welche Kleider in den Laden kommen? SPIESSER-Autorin Hannah hat Mirko Krautter, Wareneinkäufer beim organic clothing-Shop Greenality, über

  • Yanni
    Beruferoulette

    Träumen, tüfteln, testen

    Fahren, ohne selbst zu fahren – die Idee von autonomen Fahrzeugen klingt nach Science-Fiction? Für den Ingenieur Enrico Wohlfarth (45) und sein Team bei Daimler Trucks ist das schon lange Realität. SPIESSER-Autor Yannick hat den Entwickler auf einer ganz besonderen Fahrt begleitet.

  • Nananas
    4
    Beruferoulette

    Musik ist überall

    Ein Leben nur für die Bühne? Mit tosendem Applaus und Bravo-Rufen? SPIESSER-Autorin Ragna hat sich mit der Opernsängerin Laura Lietzmann getroffen um herauszufinden, wie ihr Tag hinterm Vorhang abläuft.

  • mirabelle
    Beruferoulette

    Keine Angst vor Rampenlicht

    Mit Journalisten hat Eva Beringer (29) in ihrem Berufsalltag häufig zu tun. Normalerweise spricht sie mit ihnen über car2go, die Firma für die sie arbeitet. Für SPIESSER-Autorin Miri hat die Pressereferentin eine Ausnahme gemacht und erzählte von ihrem spannenden Beruf.

  • Elektroprinzessin.
    5
    Beruferoulette

    Harte Arbeit im
    bunten Kostüm

    Gleißendes Rampenlicht, ausgelassener Applaus und tägliche Proben – Musicaldarsteller führen ein wildes Leben. SPIESSER-Autorin Lara hat sich für einen Nachmittag in die Show-Welt entführen lassen und erkundet, was hinter dem roten Vorhang und im Alltag eines Musicaldarstellers

  • alina.bargzoog
    3.76923
    Beruferoulette

    Die richtigen
    Weichen stellen

    Muskulöse, schweißtriefende und lässig Kaugummi kauende Männer, die LKW, Schiffe oder Züge mit großen schweren Paketen beladen – Alinas Vorstellung von Logistikunternehmen war bisher ganz schön klischeebehaftet. Für euch hat sie sich eines Besseren belehren lassen.

  • happy.hippie60
    Beruferoulette

    Eins, Zwo, Risiko

    Quietschende Reifen, laute Explosionen oder ein Sprung aus 20 Meter Höhe sind für die Stuntcrew des Filmpark Babelsberg Alltag. Nervenkitzel ist ihr Beruf. SPIESSER-Praktikantin Anne durfte den Boss der Gefahren erprobten Truppe in den „Vulkan“ begleiten.

  • Marieposa
    Beruferoulette

    Auf heißem Parkett

    Sind Börsenspezialisten größenwahnsinnige Rolex-Träger, die in vier Telefonhörer gleichzeitig sprechen? Um das zu überprüfen, traf SPIESSER-Autorin Marie den Börsenspezialisten Arne Hellwig, der sich seit Jahren auf dem Frankfurter Börsenparkett bewegt.

  • Individuot
    Beruferoulette

    Das Berufe-Ass im Ärmel

    Die ewige Frage nach der Berufswahl mal spielerisch genommen: SPIESSER-Autorin Polina hat mit Dr. Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), eine Runde Berufequartett gezockt und diese vier hohen Karten ausgespielt.

  • sophielorraine.senf
    1.5
    Beruferoulette

    „Wo ist der Glamour?“

    Ultra romantisch Trauringe aussuchen? Von wegen! Beim Wedding Planner geht’s ans Eingemachte: Zahlen, Budget, Termine ... SPIESSER-Autorin Sophie fühlte der Hochzeitsplanerin Nadja Sidikjar auf den Zahn und staunte nicht schlecht, als die dann plötzlich mit BWL anfing.

  • AnneEutin
    3
    Beruferoulette

    Die neue Landflucht

    Fünf Uhr morgens aufstehen und den Stall ausmisten – klingt nicht gerade verlockend. Ist Landwirtschaft out? Die angehende Landwirtin Isabell-Marie Cyrener erzählt, warum Bäuerin ihr Traumberuf ist.

  • Elektroprinzessin.
    Beruferoulette

    Flussdiagramme sind sexy

    Tag für Tag packen sie uns, lassen uns nicht mehr los und machen unseren Alltag ein wenig schöner: Computer- und Konsolenspiele. Doch wie erblickt so eine Spielidee das Licht der Welt? SPIESSER-Autorin Lara traf Game Designer Kevin Mentz von der deutschen Spieleschmiede Daedalic und horchte

  • whiteblankpage
    5
    Beruferoulette

    Auf Sherlocks Spuren

    Er arbeitet im Schutz der Dunkelheit, trägt einen langen, schwarzen Mantel mit hochgestelltem Kragen und hat stets eine Pfeife im Mundwinkel: So stellt sich SPIESSER-Autorin Mireille einen typischen Detektiv vor. Sind das alles nur veraltete Klischees? Das SPIESSER-Beruferoulette begibt sich auf

  • karin_123
    Beruferoulette

    Zwischen Trödel und Antik

    Wie einen Schatzsucher, der in dunklen Kellern und auf verstaubten Dachböden verborgene Kostbarkeiten findet – so stellt sich SPIESSER-Autorin Karin das Leben eines Antik- und Trödelhändlers vor. Ob sich unter all den Fundstücken in Wahrheit nur Müll verbirgt? Ein klarer

  • claruschka
    5
    Beruferoulette

    Allrounder mit Perücke

    Er verbringt den Tag da, wo andere Urlaub machen und damit verdient er auch noch Geld. So stellt sich SPIESSER-Autorin Clara das Leben eines Reiseführers vor – und hat deshalb gleich mal den Realitätscheck gemacht. Willkommen im SPIESSER-Beruferoulette!

  • VanessaJason
    Beruferoulette

    "Der Applaus ist das Brot des Künstlers"

    Was macht eigentlich... ein Schauspieler, und wie wird man einer? Fragen, die sich SPIESSER-Autorin Vanessa nie gestellt hat. Bis das Beruferoulette zugeschlagen hat.

  • Anna Kaufmann
    Beruferoulette

    Zocken? Ist das alles?

    Er kennt die neusten Spiele, bevor wir sie kennen. Er darf den ganzen Tag zocken und damit verdient er auch noch Geld! So stellt sich SPIESSER-Autorin Anna das Leben eines Spieletesters vor – und hat deshalb gleich mal den Realitätscheck gemacht.

  • Sternenpflückerin
    5
    Beruferoulette

    Keine Angst vor Gummistiefeln

    Von den meisten Berufen hat SPIESSER-Autorin Nina schon etwas gehört. Denkt sie sich zumindest – bis ihr das Beruferoulette den Vermessungstechniker zulost. Und nun?

  • Ines.
    Beruferoulette

    "Ganz schön viel richtig machen"

    Das Beruferoulette hat entschieden: Dieses Mal findet SPIESSER-Autorin Ines heraus, was es mit einem Kaufmann für Spedition und Logistikdienstleistung auf sich hat.

  • Miliane
    5
    Beruferoulette

    "Da hast du ja ein Scheiß-Los gezogen"

    Facility-Manager? Ähm, ja... was für ein Ding? Das Beruferoulette hat entschieden und Spiesser-Autorin Maxi einen Beruf ausgesucht, von dem sie keine Ahnung hat. Zumindest zu Beginn.