Kolumne

Die „Generation Rezo“ kann selber denken

Bei den Reaktionen auf das Rezo-Video fällt auf: Nicht nur die CDU versteht die Jugend nicht mehr, auch Medienmacher haben den Zugang zur jungen Generation verloren. Vielleicht braucht es die Jungen, um den Alten etwas zu erklären.

18. Juli 2019 - 12:44
SPIESSER-AutorIn maxiise.
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maxiise Offline
Beigetreten: 03.02.2016

Wenn ältere Leute über „die Jugend“ sprechen, kommt da meistens Bullshit raus. In letzter Zeit fühlten sich trotzdem einige ältere Herrschaften (m/w/d) dazu berufen, über das Rezo-Video zu sprechen und dabei sogar eine „Generation Rezo“ auszurufen. Ein YouTuber wird durch ein Video zum Sprachrohr einer ganzen Generation erklärt, ohne dass diese Generation oder er selbst überhaupt gefragt wurden, ob sie das wollen – ja danke auch. Die Jugend wird als meinungslose Internet-Herde dargestellt, die alle Vorstöße von Rezo unterstützt – und das nur wegen ein paar Klicks.

Rezo hat seinen Hype nicht alleine geschaffen

Was viele Internet-Amateure nicht verstehen: Es geht nicht um Rezo. Er ist nicht der charismatische Prediger, dem die Kinder unkritisch hinterherlaufen. Seine Zuschauer sind übrigens auch keine Kinder, sondern mehrheitlich zwischen 20 und 30, wie er sagt, und haben eine eigene politische Meinung. Für Rezos Hype sind hauptsächlich die Politiker und die Medien verantwortlich, die ein gut geklicktes YouTube-Video zur Staatssache gemacht haben.

Und das ging so: Das Video wurde oft geschaut, die Medien haben darüber berichtet. Ihr Publikum wurde dadurch auch auf Rezo aufmerksam und seine Klickzahlen stiegen immer weiter. Aktuell hat das Video knapp 15,5 Millionen Klicks. Das ist nicht wenig, haut einen aber auch nicht vom Hocker, wenn man sich auf YouTube rumtreibt. Schließlich knacken mit politischen Themen YouTube-Kanäle, wie LeFloid, MrWissen2go oder Tilo Jung, immer wieder die Millionenmarke, ganz ohne Medienrummel.

Das Video polarisiert – aber nicht bei den Jungen

In den Medienberichten wurden gerne mal Klicks mit Personen oder Follower „im Netz“ mit Abonnenten auf YouTube verwechselt. Einige nannten das Video sogar „Propaganda“ und verbreiteten dann Verschwörungstheorien über den YouTuber. Nur selten gab es sachliche, inhaltliche Auseinandersetzungen über Rezos Aussagen, die man sicherlich zum Teil kritisieren darf und muss. Die meisten quatschen aber lieber über seine blauen Haare oder seine Wortwahl und vergessen dabei, dass es Rezo vor allem um eins ging: Ein politisches Wachrütteln mit sachlichen Argumenten.

Vertrauensverlust verstärkt, aber nicht verursacht

Neben einer völlig unpassenden Reaktion von CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hieß die Antwort der CDU: Philipp Amthor. Der (auf dem Papier) jüngste Bundestagsabgeordnete der Partei wirkt allerdings so, als wäre er sein eigener Opa und hat mit Jugend so viel zu tun, wie RAF Camora mit der RAF. Er hat schon ein Antwort-Video für Rezo produziert, das mit den Worten „Hey Rezo, du alter Zerstörer“ anfing (cringe), dann aber von der CDU einkassiert wurde. Stattdessen hat die Partei ein elfseitiges PDF als Antwort geschrieben (gähn), in dem viel Eigenlob und wenig Einsicht zu lesen war. So sieht das blanke Unverständnis für die Jugend aus Parteisicht aus.

Rezo hat den Vertrauensverlust der Jugend in die CDU verstärkt aber nicht verursacht – das müssen sie sich schon selbst zuschreiben. Er hat Probleme angesprochen, die diskutiert werden müssen. Dank ihm sprechen Kinder mit ihren Eltern wieder über Politik und Politiker über die Sorgen der nächsten Generation. Um daran mit Jugendlichen in deren Sprache und Format teilzunehmen, brauchen Parteien und Redaktionen junge Berater und Entscheider. Also liebe Internet-Amateure: Die „Generation Rezo“ kann alleine denken und braucht Rezo nicht als ihren Heilsbringer.

 

Text: Maximilian Sepp
Teaserbild: 
Photo by Ross Sneddon on Unsplash

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