SPIESSER unterwegs

Die Reise ist das Ziel

Auf ihren vier Reisewochen quer durch Bolivien und Peru hat SPIESSER-Autorin Lena viel mehr gesehen als wunderschöne Orte und Natur. Was genau, das verrät sie euch in ihrem neuesten Bericht aus Südamerika, wo sie gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr macht.

12. Februar 2016 - 10:56
SPIESSER-Autorin Adama.
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Adama Offline
Beigetreten: 10.02.2014

Wieder zurück in Sucre, Bolivien. Das fühlt sich für mich wirklich ein bisschen komisch an. Vier Wochen war ich zusammen mit meiner Zimmernachbarin Sophia unterwegs. Eine sehr intensive Zeit. Wenn ich nun darüber nachdenke und schreibe, kommt es mir vor, als wäre es schon eine Ewigkeit her.

Während unseres freiwilligen Jahres hier in Bolivien sind die Monate Dezember und Januar sowas wie die Hauptreisezeit und damit eine gute Möglichkeit, noch mehr von Land und Leuten kennenzulernen als nur unseren Einsatzort.


Der Salar de Uyuni hat Lena sehr beeindruckt.

Angefangen hat unsere Reise auf dem Salar de Uyuni, dem größten Salzsee der Welt. Insgesamt zu sechst und mit unserem Reiseguide Audelio verbrachten wir dort drei Tage. Beeindruckend war nicht nur die unheimlich abwechslunngsreiche Natur, sondern auch die teilweise schier endlose Weite, deren Anblick mir nach einem halben Jahr in der lebhaften Stadt Sucre wirklich gut getan hat. Weiter ging es für uns nach La Paz. Auch wenn ich immer wieder mit der Höhe gekämpft habe (die Stadt liegt auf einer Höhe von über 3.000 Metern über dem Meeresspiegel), hat mich La Paz unheimlich beeindruckt und schnell in ihren Bann gezogen.

Für mich privilegierte „Gringa“ aus Deutschland war vor allem die ganz neue Dimension der überall sichtbaren Armut schwierig und hat mich sehr stark beschäftigt. Ich habe viel nachgedacht. Die vielen Kinder, die davon betroffen sind, der Platz am Rande der Gesellschaft, den die Armut bedeutet und die Perspektivlosigkeit, die wir Touristen meinen in diesen Menschen zu sehen. Trotzdem meistern sie jeden Tag aufs neue die Hürden des Alltags – davor habe ich großen Respekt. Bei Problemen, die unsere immer schneller werdende Gesellschaft schafft und sieht, werde ich mich sicher in Zukunft öfter an diese Bilder erinnern und dreimal überlegen, ob meine Sorgen wirklich berechtigt sind. Auch wenn mir die Rolle des reichen Touristen nicht gefällt, der die für uns lebensunwürdigen Zustände der Armen und Kranken wie aus einem Glashaus betrachtet, ist es richtig, nicht wegzuschauen, sondern damit konfrontiert zu werden.

Weiter geht’s!

Unser nächster Stop war im Anschluss der Lago Titicaca mit seiner Isla del Sol. Auch hier wurde ich mir der Vielfalt Boliviens auf's Neue bewusst: Die Landschaft ist einfach atemberaubend. Nachdem an diesem Punkt bereits die Häfte unserer Reise verstrichen war, ging es für uns weiter nach Peru. Gerne hätte ich noch viel mehr gesehen, doch leider fehlte die Zeit. Irgendwann, das weiß ich jetzt schon, werde ich das aber nachholen!


Einfach unbeschreiblich: die Ruinenstaft
Machu Picchu.

Unser nächstes großes Ziel war Cusco. Die dort beginnende Dreitagestour zur einzigartigen Ruinenstadt der Inkas Machu Picchu war ein einmaliges erlebnis. Nicht umsonst ist dieser Ort eines der neuen Weltwunder. Auf der einen Seite bin ich zwar wenig überzeugt von dem Massentourismus und der entsprechenden Kommerzialisierung und Vermarktung von schier allem auf dem Wanderweg. Auf der anderen Seite ist es für viele Menschen in Peru aber die einzige und gleichzeitig sicherste Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Natürlich ist Machu Picchu nicht ohne Grund einer der meist besuchten und spektakulärsten Orte in Südamerika – das sollte wirklich jeder mal in seinem Leben machen. Und als Tipp: Macht man sich schon früh am Morgen auf den Weg, hat man das Glück, diesen einzigartigen Ort mit wesentlich weniger anderen Touristen teilen zu müssen.

Den letzten großen Stop unserer Reise nutzten wir, um eine Freundin in Arequipa zu besuchen. Wir schlenderten durch die Stadt und besuchten den „Canyon del Colca“, einen der tiefsten Canyons der Welt. Auf der Rückfahrt und nach rund 30 Stunden Busfahrt erreichten wir dann – völlig geschafft, aber glücklich – Sucre, wo jetzt wieder der Alltag auf mich wartet.

Reisen ist Gold

Letztlich ist es schwer in Worte zu fassen, was ich die letzten Wochen gesehen habe und wie sich die Reise für mich angefühlt hat. Ich habe gemerkt, wie lehrreich und inspirierend Reisen sein kann. Ich habe viele nette und offene Mensche kennengelernt. Habe wunderschöne und beeindruckende Orte unserer Erde gesehen. Ich habe gelernt, wie viele Privilegien ich besitze und weiß jetzt, dass ich glücklich sein kann, überhaupt reisen zu können. Ich habe auch gelernt, wie wichtig es ist, sich einfach mal treiben und Dinge auf sich zukommen zu lassen. Den Kopf auszuschalten. Den Augenblick zu geniessen. Und ja – nicht zuletzt habe ich auch gelernt, wie sehr Reisen einen erden kann. All das, was man meint zu brauchen, ist vielleicht doch nicht so essentiell, wie wir immer denken.  All die Probleme, die ich zu haben glaube, sind doch nicht so unüberwindbar und schwer, wie ich manchmal meine. Vor allem sollte ich anfangen, mehr Vertrauen in mich und meine Umwelt zu haben.

Ich habe neue Kraft getankt für meine Zeit hier in Bolivien.
Hasta luego!

Ein internationaler Freiwilligendienst auch was für euch?

 

In ihrem ersten Beitrag hat Lena bereits beschrieben, wie es zu ihrem Dienst gekommen ist und was sie alles auf der Reise eingepackt hat. Wenn das auch was für euch ist, schaut doch mal rein!

 

Text: Lena Apke
Bilder: Lena Apke, privat

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