Kinofeeling

Die Schule auf dem Zauberberg

Wer entscheidet über unseren Platz in der Welt, unsere Zukunft? „Die Schule auf dem Zauberberg“ ermöglicht einen Einblick in eines der teuersten Internate der Welt, wirkt teilweise fast inszeniert und stellt dabei Fragen, die mit Geld nichts zu tun haben.

25. Februar 2019 - 08:59
SPIESSER-AutorIn Helen16.
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Helen16 Offline
Beigetreten: 02.01.2018

Worum geht's?

Eigentlich möchte Berk am liebsten eine Bar in Istanbul eröffnen. Doch sein Vater erwartet von ihm, ein erfolgreicher „Businessman“ zu werden, unter den Besten der Besten zu sein. Deshalb geht Berk auf eines der teuersten Internate der Welt. Die Jugendlichen, allesamt aus den reichsten Familien ihrer Herkunftsländer, sollen hier zu globalen Führungskräften ausgebildet werden. Wirkliche eigene Entscheidungen können sie dabei jedoch nicht treffen.

„Die Schule auf dem Zauberberg“ portraitiert Berk und dessen Beziehung zu seinem Vater. Beide kommen zu Wort, Szenen ihres Lebens in der Türkei helfen dem Publikum zu verstehen, wonach sich Berk sehnt. Er ist sich bewusst, zum obersten einen Prozent der Welt zu gehören und lernt im Laufe der Dokumentation, die Verantwortung, die dieses Privileg mit sich bringt, besonders in Bezug auf eine nachhaltigere Wirtschaft, zu verstehen. Gleichzeitig erzählt er dem Publikum, dass jeder Teenager, egal welcher Hintergrund, die gleichen Bedürfnisse hat: Freundschaft, gesagt zu bekommen, dass man gut genug ist, und die Anerkennung der eigenen Eltern.

Teilweise wirkt der Film fast ein wenig inszeniert, es scheint fast bizarr, dass beispielsweise Lehrer so offen reden. Ab und zu schaut Berk jedoch direkt in die Kamera, verdreht die Augen in die Richtung des Publikums oder wird von einem Lehrer ermahnt, dass dieses Filmprojekt zu viel seiner Zeit in Anspruch nehmen würde. Momente wie diese, und die Pandagesichter, mit denen die Schüler verdeckt wurden, die anonym bleiben möchten, holen den Betrachter zurück in die Realität und erinnern an die Echtheit des Geschehens.

Wer entscheidet über unseren Platz in der Welt, unsere Zukunft? Bringt mehr Geld im Elternhaus auch mehr Verantwortung für die Kinder mit sich? Verdienen die Kinder aus den reichsten Familien der Welt die gleiche Aufmerksamkeit oder Mitleid wie alle anderen? Oder vielleicht mehr? All dies und mehr fragt „Die Schule auf dem Zauberberg“ – Fragen, die das Publikum aus dem Kinosaal begleiten.

Wer spielt mit?

Da es eine Doku ist, gibt es keine klassischen Schauspieler.

Auf einen Blick
Action:
Romantik: ✪
Humor: ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪ ✪
Filmischer Augenschmaus?

Gelungene Mischung aus leicht verwackelten Hand-Kamera Bildern und artistischen Drohnen-Aufnahmen der Alpen und der Türkei.

Gibt’s was zu meckern?

Im Film ist es schwer zu erschließen, warum die Schule sich auf dem „Zauberberg“ befinden soll. Natürlich könnte es eine Anspielung auf den Reiz der Eliteinstitution sein, worauf jedoch selbst zu Anfang nicht eingegangen wird. Des Weiteren wird Berks Leben nach der Dokumentation in drei Sätzen des Abspanns zusammengefasst. Angesichts der im Film dargestellten komplizierten Verhältnisse, scheinen die letzten Worte „Er ist glücklich“ zu einfach und nicht wirklich passend zum Rest der Dokumentation.

Braucht man Taschentücher?

Ein paar Tränchen können schon kommen, wenn Berk über sein Verhältnis zu seinem Vater spricht oder die letzten Worte der Musicalaufführung spricht.

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Mit wem angucken?

Mit jemandem, mit dem man danach gut diskutieren kann.

Was macht man danach?

Spazierengehen und nachdenken.

In 3 Worten:

ehrlich, nachdenklich, einfühlsam

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

beides

Mainstream oder Independent?

Independent

Die Schule auf dem Zauberberg

Regie: Radek Wegrzyn
Darsteller: -
Kinostart:.28.02.2018
Filmlänge: 87 Minuen
Genre: Dokumentation
FSK: ab 0 Jahren
 

 

Text: Helen Pörner
Bildmaterial: farbfilmverleih

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