SPIESSER Bildungsweg

Die Schule der Zukunft – was sagt die Politik?

Wie sieht die Schule der Zukunft aus? Drei Schülerinnen gaben uns im letzten Interview zu diesem Thema spannende Antworten: Mehr Flexibilität, mehr Fächer mit Berufsbezug und ein verstärkter Einsatz von digitalen Tools waren einige der Forderungen. Doch was geht und was geht nicht? Daniel Djan, Vorsitzender der Jusos in Castrop Rauxel, klärt auf, welche Wünsche und Visionen näher und welche entfernter von der Realität sind.

20. Januar 2020 - 15:34
SPIESSER-Autorin Noe_SB.
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Noe_SB Offline
Beigetreten: 05.10.2017

Schüler- perspektive
SPIESSER-Autorin Noelia wollte zuvor von Schülerinnen und Schülern wissen, wie sie sich die „Schule der Zukunft“ vorstellen. Jule, Zeliha und Hevro – alle 15 Jahre alt – diskutieren in diesem Artikel.
Wieso gibt es modern ausgestattete Schulen, meistens Gymnasien, und auf der anderen Seite Schulen, die vom digitalen Alltag noch weit entfernt sind?

Daniel Djan: Das ist natürlich immer eine Frage, worauf man als Schule seinen pädagogischen Schwerpunkt legen möchte. Das Problem hierbei ist wohl, dass das zur Verfügung stehende Budget vorne und hinten nicht reicht. In NRW wird durch den Digitalpakt nun eine Milliarde Euro investiert. Der Großteil davon geht in den Ausbau der Infrastruktur, also WLAN ausbauen oder überhaupt erst installieren. Für die Endgeräte stehen den Schulen 25.000 Euro zur Verfügung, also ungefähr genug, um eine Klasse auszustatten. Jetzt kommt allerdings der Haken: Geht eines dieser Tablets kaputt, muss die Schule das Geld für die Reparatur oder Neuanschaffung woanders aus ihrer Planung herausziehen. Wir müssen wegkommen von der schwarzen Null und Geld in die Hand nehmen, um in diesen so extrem wichtigen Bereich zu investieren.

Digitalisierung ist ein wichtiges und aktuelles Thema im Bildungswesen. Sehen Sie da auch Nachteile?

Daniel Djan: Natürlich gibt es da auch Nachteile. Je mehr wir uns mit digitalen Medien befassen, desto weniger beschäftigen wir uns mit dem menschlichen Aspekt. Das kann zu sozialer Verkümmerung und Einsamkeit führen. Es ist wichtig, da eine gute Mischung zu finden aus Digitalisierung und der Fortsetzung einer Kultur des menschlichen Zusammenlebens.

Viele Schülerinnen und Schüler beschweren sich über unmotivierte oder autoritäre Lehrerpersönlichkeiten. Was muss sich Ihrer Meinung nach in der Ausbildung von Lehrkräften verändern, um dieses Bild zu wandeln? Wie könnte die Politik hier eingreifen?

Daniel Djan: Das kenne ich nur allzu gut aus meiner eigenen Schulzeit. Ich finde, dass man in der Ausbildung vermehrt darauf achten sollte, dass Lehrer in gewisser Weise auch Sozialarbeiter sind. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, dass im Studium der Baustein „Soziale Kompetenz“ eingeführt wird. Als Lehrer kannst du über das größte Wissen verfügen, aber wenn du es nicht hinbekommst, deine Klasse auch auf einer sozialen Ebene zu packen, dann wird dir einfach niemand zuhören. Wer das nicht kann, wird es schwer haben in dem Beruf.

Daniel Djan

ist seit November 2018 Juso-Chef in Castrop Rauxel, Nordrhein-Westfalen. Nachdem er fünf Jahre in London studiert und gelebt hatte, kehrte er in seine Heimatstadt zurück und arbeitet dort neben dem Journalistik-Studium für das Büro des SPD-Bundestagsabgeordneten Frank Schwabe sowie den Stadtverband der Sozialdemokraten.
Ein Wunsch der Schülerinnen und Schüler war, weniger Lernende in eine Klasse zu setzen. Kleinere Klassen bedeuten aber gleichzeitig einen höheren Lehrerbedarf. Wie realistisch ist diese Vision? Und wäre Unterricht per Livestream eine Lösung?

Daniel Djan: Das Livestreamen finde ich schwierig. Es ist in Teilen sicherlich eine gute Idee, aber es sollte den Unterricht im Klassenraum nicht komplett ersetzen. Ich könnte mir da zum Beispiel ein Modell vorstellen, in dem man einen Teil der Zeit vor Ort lernt und einen anderen Teil per Livestream von Zuhause erledigen kann. Bei einer kompletten Konzentration auf den Unterricht per Livestream würde mir auch hier der soziale Faktor fehlen. Wenn wir ehrlich sind, lernt man als Kind das Meiste über das Leben nicht im Unterricht, sondern im Miteinander mit seinen Klassenkameraden. Das darf auf gar keinen Fall wegfallen.

Mehr Freiheiten und Flexibilität im Schulsystem: Segen oder Fluch?

Daniel Djan: Ich war selbst nicht der größte Fan davon, alles vorgegeben zu bekommen und habe die Lehrer geschätzt, die einem die Freiheit gegeben haben, sich selbst auszuprobieren. Man sollte deutlich mehr Wert auf die individuellen Stärken der Schüler legen. Nicht jeder ist gut bei Klassenarbeiten oder in Prüfungssituationen, dafür aber bei Präsentationen oder Hausarbeiten. Ich fände es unfair, wenn diese Schüler dann deswegen Schwierigkeiten bekommen.

Schüler beklagen sich über veraltete Strukturen und Wissensvermittlung. Welche Fächer sollten in der Schule noch angeboten werden?

Daniel Djan: Ich finde, dass das System Schule praxisbezogener werden sollte. Mir hat die Schule immer am meisten Spaß gemacht, wenn wir aktuelle Themen oder Ereignisse mit einbezogen haben. Schule muss interaktiver werden. Digitalisierung sollte es nicht als eigenes Fach geben, da würde es untergehen. Es sollte ein Teilbereich jedes Schulfachs sein. Außerdem könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass Alltagsprobleme auch vermehrt im Unterricht oder vielleicht sogar als Schulfach behandelt werden. Es gab ja mal diese Diskussion, dass man nach dem Abitur immer noch nichts über Miete oder Steuern gelernt hat. Das sehe ich genauso. Die Schule sollte einem nicht nur trocken Wissen vermitteln, sondern den Schülern die Werkzeuge mitgeben, um auch die realen Probleme Heranwachsender lösen zu können.

Text: Noelia Sanchez-Barón
Teaserbild: Photo by NeONBRAND on Unsplash

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