Vertretungsstunde

Die Stunde der Rose

Sein perlweißes Lächeln blitzt in der Sonne, Frisur und Sakko sitzen perfekt – und er hat Rosen dabei. Eigentlich fehlt nur das weiße Ross, als Paul Janke ein Hamburger Gymnasium in den Ausnahmezustand versetzt, um mit der 10b über Liebe zu philosophieren.

04. Juli 2015 - 09:45
SPIESSER-Autorin Individuot.
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Individuot Offline
Beigetreten: 01.07.2014

Paul Janke: Schönen guten Tag. Ich hoffe, euch geht’s gut. Schüler: Klar! Ich stelle mich kurz vor. Ich heiße nicht Bachelor, ich habe auch einen richtigen Namen: Paul Janke. Er schreibt ihn an. Das Thema heute ist Liebe. Ich glaube, dazu kann man sehr viel philosophieren. Was versteht ihr unter Liebe?

Johanna: Einen Partner an seiner Seite zu haben.

James: Einen Partner, zu dem man sich sehr hingezogen fühlt.

Leonard: Schöne Momente gemeinsam zu erleben.


So kann nur ein Bachelor lachen.

Paul: Gibt es denn einen Unterschied zwischen Verliebtheit und Liebe?

Anton: Wenn man verliebt ist, fühlt man sich zunächst stärker. Wenn man dann aber richtig liebt, weiß man erst, was Liebe wirklich ist.

Paul: Ich würde Verliebtheit als eine Art Vorstufe von Liebe bezeichnen. Aber was ist bei Verliebtheit nicht da, was später bei Liebe da ist?

Levke: Vertrauen. Weil man sich dann länger und besser kennt.

Paul: Was kann man denn lieben? Außer einen Partner.

Anton: Das eigene Auto zum Beispiel.

Philipp: Haustiere.

Konstantin: Auch Dinge, die man gerne macht – ein Hobby zum Beispiel.

Irini: Naja, auch sich selbst. Einige Schüler lachen. Nicht zu viel natürlich.

Paul: Du hast vollkommen recht. Eine gewisse Selbstliebe gehört auch dazu, um einen anderen Menschen lieben zu können. Zwar nicht so, dass man den ganzen Tag vor dem Spiegel steht und denkt: Mensch, bin ich ein geiler Typ. Aber man sollte mit sich selbst im Reinen sein. Was gibt es noch?

Philipp: Die Familie.

Paul Janke

Paul Janke, 1981 geboren, hat BWL mit dem Schwerpunkt Marketing studiert. Er ist Diplom-Kaufmann, Image-Manager und DJ. Bekannt wurde er durch die Sendung „Der Bachelor“ im Jahr 2012. Seitdem ist er in vielen Fernsehsendungen wie „Big  Brother“, „Let‘s Dance“, „Love Coach“ oder „Das Promidinner“ aufgetreten. Derzeit ist er als DJ besonders aktiv und legt in den Clubs Deutschlands, Österreichs, der Schweiz und auf Mallorca auf.

Paul: Ganz richtig. Teilweise ist ja der familiäre Zusammenhalt in anderen Kulturen viel stärker, als bei uns Deutschen. Das finde ich bei vielen meiner Freunde immer sehr schön. Wer von euch ist denn verliebt? Levke und Leonard melden sich. Wie lange seid ihr denn zusammen?

Levke: Drei Jahre.

Paul: Drei Jahre schon! Ihr seid 16 und schon seit drei Jahren zusammen?! Mensch, bei mir ging das nicht so früh los. Ich glaube, das erste Mal, dass ich … nennt man das „Liebe machen“ oder was sagt ihr dazu? Schüler kichern … war bei mir mit 17. Ich glaube, derzeit wäre ich ein Spätzünder. Also nur ein Pärchen hier? Sonst alle Single?! Schüler nicken. Das Kuriose bei mir ist, dass ich immer nach dem Thema Liebe gefragt werde und selber aber auch seit drei Jahren Single bin. Trotzdem glaube ich, dass ich mich im Allgemeinen mit dem Thema gut auskenne. Und ich denke, es ist mit das Schönste auf der Welt, wenn man verliebt ist, Schmetterlinge im Bauch hat und so. Viele Schüler nicken. Was glaubt ihr denn, wo man die Liebe kennenlernen kann?

Johanna: Eigentlich kann man das überall: im Kino, im Restaurant, in der Schule.

Paul: Viele fragen mich ja auch: „Musst du ins Fernsehen gehen, um eine Frau kennenzulernen?“ Natürlich ist es nicht so, dass ich vorher niemanden kennenlernt habe. Bei mir war das mit der Sendung eher reiner Zufall. Die haben mich angesprochen und ich dachte mir: „Hey, zwei Monate Südafrika, 20 Frauen, warum nicht dieses Abenteuer machen?“ Klar kann man das jetzt chauvinistisch nennen, aber andererseits gibt’s das Format ja auch andersrum. Wie bedeutend ist denn das Aussehen für euch?

Levke: Für den ersten Eindruck ist es schon wichtig, aber später bringt es nichts mehr, wenn jemand wie ein Model aussieht, aber man sich mit der Person nicht unterhalten kann.

Paul: Das hängt ja auch viel vom Geschmack ab, wen man attraktiv findet. Was macht ihr denn, damit ihr gut ausseht?


Volle Konzentration. Vor allem bei den Mädels.

Konstantin: Gar nichts. Klasse lacht.

Paul: Gar nichts? Also du sagst: „Ich seh’ auch so gut aus. Ich brauch nichts machen. Die Frauen liegen mir auch so zu Füßen?“ Klasse lacht.

Konstantin: Nee, aber wenn man keinen Bock hat, dann steht man halt auf, zieht sich an und geht zur Schule. Ich steh’ nicht stundenlang vor dem Spiegel. Ich denke, bei den Mädels ist das anders.

Paul: Meint ihr denn, das Aussehen ist für das weibliche und männliche Geschlecht gleich wichtig?

Anton: Ich finde Natürlichkeit wichtig. Wenn ein Mädchen immer drei Tonnen Makeup im Gesicht hat und sie ungeschminkt plötzlich eine ganz andere Person ist ... Klasse lacht.

Levke: Aber wenn man sich als Mädchen nun mal so schminken will? Nur weil der Junge sagt, dass er
das nicht mag, ist das ja kein Grund, es dann sein zu lassen.

Paul: Ja. Ganz wichtig ist es, dass man authentisch ist und das macht, was man möchte. Ich habe in den letzten vier Jahren gemerkt, dass du es eh nie allen recht machen kannst. Trotzdem bin ich der Meinung, dass Männer mehr Wert drauf legen, wie eine Frau aussieht. Vielleicht wollen Männer angeben. Wollt ihr eigentlich mal eine Familie haben?

Sofia: Ich hätte gerne mal eine Familie. Aber ob ich mit einer Person 30, 40 Jahre zusammen sein könnte, weiß ich noch nicht.

Emily: Ich möchte erst mal mein Leben leben und etwas reisen. Wenn man ein Kind hat, hat man ja auch eine Verpflichtung. Das möchte ich erst später.

Paul: Was ist euch denn wichtig an eurem Partner?

Emily: Das Aussehen ist wichtig, aber vor allem der Charakter. Man sollte ihm vertrauen können und auch befreundet sein, damit man gute Gespräche führen kann.

Paul: Ich habe viele Mädels in den letzten Jahren kennengelernt, bei denen eigentlich alles gepasst hat, aber trotzdem klappte es dann nicht. Oftmals kann man das gar nicht erklären. Und wie seht ihr das so mit Treue?

Philipp: Ich finde Treue sehr wichtig.

Paul: Könntest du denn damit leben, wenn deine Frau mal was mit jemand anderem hatte?


Ohne Rosen geht es nicht mehr.

Philipp: Wenn’s nur einmal war…

Paul: Glaubt ihr, wenn jemand einmal fremdgegangen ist, macht derjenige das dann wieder?

Johanna: Ich glaube, es passiert dann eher öfter, wenn man so was einmal durchgehen lässt.

Paul: Ich finde Treue ist ein sehr wichtiger Aspekt in einer Partnerschaft. Meint ihr denn, man kann jemanden lieben und untreu sein?

Levke: Wenn man in der Partnerschaft abgesprochen hat, dass das okay ist, wäre das ja keine Untreue.

Paul: Aber irgendwie komisch ist das schon. Ich glaube, keiner will, dass der eigene Partner solchen Kontakt zu jemand anderem hat. Meint ihr, dass Frauen und Männer beim Fremdgehen gleich schlimm sind?

Levke: Schlimmer. In Deutschland werden mehr Männer von ihren Frauen betrogen als anders herum.

Paul: Ich habe für mich irgendwann beschlossen, dass ich keine halben Sachen mehr mache. Ich kenne viele Leute, die mit jemandem zusammen sind, aber am Ende des Tages wissen, dass sie die Frau nicht heiraten wollen. Das ist für mich mittlerweile verschwendete Zeit. Aber jeder muss das für sich selbst entscheiden. Hört nicht nur auf andere. Ihr müsst damit glücklich sein! Am Ende der Stunde verteilt Paul Rosen an die Schülerinnen der Klasse. Ooohhh!

Fazit aus der Klasse:

Anton, 16

Die Stunde fand ich richtig gut. Ich dachte er hält da seinen Vortrag und geht dann wieder, aber er hat uns in die Stunde sehr gut einbezogen.

Note: 2+

 

 

Konstantin, 16

Ich fand die Stunde mit Paul sehr informativ. Er hat gute Fragen gestellt und uns auch erzählt, wie das im Fernsehen so läuft. Das hat er tadellos gemacht.

Note: 1

 

 

Johanna, 16

Paul hat den Unterricht sehr gut gemacht. Er hat gute Fragen gestellt. Es war eine nette Stunde mit ihm.

Note: 1
 

 

Text: Polina Boyko
Video: Moritz Rakutt
Fotos: Claudia Hettwer

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