Kinofeeling

Die Tänzerin

Tränen, Schweiß und Schmerzen. Loïe Fuller träumt davon, die Bühnen der Welt mit ihrem Tanz zu erobern. Doch im 19. Jahrhundert ist es für eine Frau keine Selbstverständlichkeit, so aus der Norm auszubrechen. SPIESSER-Praktikantin Franzi hat sich für euch das Drama angeschaut.

02. November 2016 - 11:31
SPIESSER-Autorin Gradl mim Radl.
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Gradl mim Radl Offline
Beigetreten: 23.08.2016

Worum geht's?

Das Regiedebüt von Stéphanie Di Gusto ist eine Filmbiografie über die oftmals in Vergessenheit geratene Tänzerin Loïe Fuller. Völlig zu Unrecht, denn mit ihrem revolutionärem „Schleier-Tanz“ war sie Ende des 19. Jahrhunderts ein gefeierter Star in Europa – vor allem in Paris.


Loïe und Isadora © PROKINO FIlmverleih GmbH

Aber von vorne: Loïe Fuller wächst im amerikanischen Westen bei ihrem Vater auf. Schon immer träumt sie davon, Schauspielerin zu werden und vor Publikum zu stehen. Doch ernst nimmt sie anfangs keiner. Bis sie nach dem Tod ihres Vaters zu ihrer Mutter nach New York kommt. Dort macht sie erste Versuche als Aktmodell, danach folgen Engagements in Varietés und Operetten. Aber besonders erfolgreich ist sie auch da noch nicht. Erst mit der Entwicklung ihres eigenen Tanzstils wird auch das Publikum aus Europa auf sie aufmerksam. In wallenden, schweren Gewändern, die mit hölzernen Armverlängerungen in flatternde Bewegungen versetzt und mit einer faszinierenden Lichtdramaturgie beleuchtet werden, schwebt sie über die Bühne.

Die Tänzerin will immer weiter hinaus. Die Verausgabung macht ihrem Rücken zu schaffen, das Rampenlicht brennt in ihren Augen, doch die Suche nach Perfektion will Loïe nicht aufgeben. Vor einem Auftritt in der Pariser Oper, lernt sie die Nachwuchstänzerin Isadora Duncan kennen und ist begeistert von ihrem Talent. Zwischen den beiden entwickelt sich eine aufgeladene Lehrer-Schüler-Beziehung, die Loïe am Ende mehr schadet als gedacht. Will Isadora die erfolgreiche Tänzerin nur ausnutzen und ihren Erfolg einkassieren? Ein außergewöhnliches Schicksal, ein einzigartiges Leben, eine ungewöhnliche Frau.

Auf einen Blick?
Action: ✪ ✪
Romantik: ✪
Humor:
Niveau: ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪
Wer spielt mit?

Die französische Sängerin und Schauspielerin SoKo überzeugt als leidenschaftliche und zum Ende hin immer wahnsinniger werdende Tänzerin Loïe Fuller. An ihrer Seite spielt Lily-Rose Melody Depp (Tochter von Johnny Depp) die Rolle der Isadora Duncan. Am Anfang noch der Schützling von Loïe, wird sie im Laufe der Geschichte zur größten Feindin der Tänzerin.

Filmischer Augenschmaus?

Wer sich für Kunst, Tanz und das 19. Jahrhundert interessiert, sollte sich diesen Film definitiv anschauen. Die Tanzeinlagen werden gekonnt in Szene gesetzt und der Zuschauer ist immer nah am Geschehen dabei. Für mich sind die Kostüme und die Kulisse der filmische Augenschmaus. Die Kleider, die Frisuren, die barocken Möbel – da möchte man gerne im 19. Jahrhundert leben.

Gibt's was zu meckern?

Die wirkliche Story des Films, also die Entwicklung der Beziehung und Rivalität zwischen  Loïe Fuller und ihrem Schützling Isadora, beginnt erst recht spät im Film. Deshalb wahrscheinlich auch die Länge von knapp zwei Stunden, da der Anfang recht langatmig ist.

Braucht man Taschentücher?

Wer nah am Wasser gebaut ist und sich richtig in den Film rein versetzt, sollte Taschentücher einpacken. Denn das Leiden und auch die Leidenschaft der Hauptprotagonistin können sehr mitreißen.

Mit wem angucken?

Mit Freunden, die sich für Kunst interessieren und am besten auch ein bisschen verrückt im Kopf sind.


Loïe bei ihrem Schleier-Tanz© PROKINO Filmverleih GmbH
Was macht man danach?

Sich darüber informieren, wer Loïe Fuller wirklich war. Denn der Film ist ja nur eine kurze Zusammenfassung ihres Daseins.

In 3 Worten:

Mutig. Dramatisch. Künstlerisch.

 

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Um die Tanzszenen und die Lichtshow richtig genießen zu können, sollte man die große Leinwand bevorzugen. Zudem wirkt dann die Kulisse noch imposanter und der Soundtrack kommt besser zur Geltung.

Mainstream oder Independent?

Independent. Der Film ist nichts für jedermann. Ein gewisses Interesse an Tanz und Kunst solle man schon haben.

 

Die Tänzerin

Regie: Stéphanie Di Gusto
Schauspieler: SoKo, Lily-Rose Melody Depp, Gaspard Ulliel, Mélanie Thierry
Kinostart: 3. November 2016
Länge: 112 Minuten
Genre: Drama/Filmbiografie
FSK: ab 12 Jahren

 

 

Zum Kinostart von „Die Tänzerin“ verlosen wir 2 Fanpakete mit je zwei Kinotickets und einem Buch. Zum Gewinnspiel geht's hier!

Text: Franziska Gradl
Bildematerial: © 2016 PROKINO Filmverleih GmbH

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