Meinung

Die Übergangenen schlagen zurück

„How dare you?!“, rief Greta Thunberg jüngst in ihrer emotionalen Rede beim UN-Klimagipfel zu den anwesenden Politikerinnen und Politikern. Damit hat sie ausgesprochen, was viele aus ihrer Generation denken, und den Entscheidungsträgerinnen und -trägern ganz klar Verrat an ihrer – und damit auch meiner – Generation attestiert.

22. Januar 2020 - 17:02
SPIESSER-Autor PhilippSch.
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PhilippSch Offline
Beigetreten: 09.09.2017

„Ihr kommt zu uns jungen Menschen und wollt Hoffnung. Dass ihr euch das traut. Ihr habt meine Träume gestohlen und meine Kindheit mit euren leeren Worten. [...] Wie könnt ihr es wagen?!

Als ich mir vor ein paar Monaten die Rede von Greta Thunberg vor den Staats- und Regierungschefs in New York angehört habe, war ich emotional aufgewühlt und gleichzeitig sprachlos. Selten hat ein politischer Satz meine eigenen Empfindungen so auf den Punkt gebracht. Fast ein Jahr lang gehen längst nicht nur Schülerinnen und Schüler, sondern Menschen jeden Alters mit Fridays For Future auf die Straße, um für konsequenten Klimaschutz zu protestieren. Die Antwort der Politik darauf ist zunächst: Grillenzirpen – und natürlich die übliche Pöbelei von rechts. Die Bundeskanzlerin reagiert mit dem Worten: „Wir haben alle den Weckruf der Jugend gehört.“ Sie ergänzt: „Es gibt diejenigen, die uns Druck machen. Aber es gibt noch die Zweifler“. How dare you?

Wir haben alle Träume. Auch ich habe Träume, denn genau wie die meisten in meinem Alter gehe ich noch in der Schule und bereite mich auf den weiteren Lebensweg vor. Die Zukunft nach der Schule ist das eine. Die Zukunft unseres Planeten das andere. Ich werde natürlich nicht Teil der letzten Generation auf dem Planeten sein, deswegen ist mein Kampf für meine Zukunft auch ein Kampf, der stellvertretend für die uns Folgenden geführt werden muss. Ich mache mir sehr große Sorgen um unsere Zukunft. Wenn wir mitten in der Klimakatastrophe stehen und Politikerinnen und Politiker behaupten, sie hätten „alle den Weckruf der Jugend gehört“, warum übergehen sie ihn dann? Dieser Weckruf ist nicht wie der Wecker am frühen Morgen, der schellt und selbst wieder ausgeschaltet werden kann. Der Weckruf geht erst wieder, wenn etwas passiert: Nämlich Maßnahmen ergriffen werden, um die Zukunft auf diesem Planeten für uns Menschen lebenswert zu machen. Doch die Politik scheint diese Maßnahmen verschlafen zu haben.

Die Zukunft, das ist weder Angela Merkel noch irgendein anderer auf der politischen Bühne, der verkennt, dass die Krise nicht warten kann. Die Zukunft sind wir, Jugendliche gemeinsam auch mit Vertreterinnen und Vertretern der älteren Generationen, die auf die Straßen gehen und erwarten, dass auch unsere Stimme gehört wird. Wir werden nicht weichen, wir stehen weiter für das Notwendige ein – auf der Straße und an der Urne.

Ich stelle mir eine Zukunft vor, in der wir uns keine Sorgen mehr um den Planeten machen müssen. In der wir nicht mehr über Verbote, „Klimahysterie“ und andere Diffamierungen sprechen müssen, sondern uns frei entfalten können. Und ich appelliere auch an die Politikerinnen und Politiker: Es ist auch eure Zukunft, die ihr euch verbaut, wenn ihr nicht die Gesetze erlasst, derer es bedarf, um die Klimakatastrophe einzudämmen. Hört den Weckruf der Jugend, lasst uns teilhaben. Gemeinsam schaffen wir es, die brennende Erde zu löschen – wenn ihr auf uns hört.

 

Text: Philipp Schröder
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