Was'n da los?

Die Wahl zwischen Pest und Cholera?

Die meisten jungen Amerikaner finden weder Trump noch Clinton überzeugend. Was haben die beiden der Generation junger Amerikaner zu bieten? Schon im April 2016 hat SPIESSER-Autor Noah amerikanische Jugendliche zum Präsidentschaftswahlkampf befragt. Sechs Monate später und wenige Tage vor der Wahl, hat er nochmals mit ihnen über ihre Positionen und Gefühle in diesem ungewöhnlichen Wahlkampf gesprochen.

21. Oktober 2016 - 11:47
SPIESSER-Autor Nosy Noah.
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Nosy Noah Offline
Beigetreten: 08.10.2013

Im überhitzten amerikanischen Wahlkampf, der sich in den letzten Wochen vor allem um Skandale, Affären und Sexismus drehte, vergisst man oft: Beide Kandidaten sind alte Dinosaurier. Hillary Clinton wird am 26. Oktober 69 Jahre alt und Trump ist bereits 70. Beide wuchsen in der Nachkriegszeit des Kalten Krieges auf und machten ihren Schulabschluss in den 1960er Jahren. Beide waren über 45 als sie zum ersten Mal das Internet benutzen konnten. Sie kommen aus einer anderen Zeit und Welt als die heutige Jugend Amerikas. Wie sah eigentlich die Jugend der Kandidaten damals aus? Was machte Trump bevor er Reality-TV-Star und Clinton bevor sie Senatorin und Außenministerin wurde?

1940s: Born in the USA

Hillary, die 1947 in Chicago als Tochter eines Kleinunternehmers geboren wurde und mit zwei jüngeren Brüdern aufwuchs, war in ihrer Jugend Pfadfinderin, Schülersprecherin und in einer kirchlichen Jugendgruppe aktiv. Mit 18 ging es aufs College nach Wellesley und später Yale, wo sie sich zunächst für die republikanische Partei engagierte, sich aber im Laufe ihres Studiums immer mehr den Demokraten zuwandte. Sie organisierte Proteste für die Bürgerrechtsbewegung, gegen die Unterdrückung von Afroamerikanern und arbeitete neben dem College teilweise als Tellerwäscherin. Im Alter von 25 Jahren wurde sie Rechtsanwältin und heiratete bald darauf Bill Clinton.

Donald wurde 1946 in New York City als Sohn eines erfolgreichen Immobilien-Unternehmers geboren. Er hatte vier Geschwister, musste seine Schule mit 13 Jahren aufgrund mehrfachen Fehlverhaltens verlassen und wurde von seinem Vater auf eine Militärakademie geschickt. In den 60ern wurde er wegen gesundheitlicher Probleme nicht für den Vietnam-Krieg eingezogen und studierte stattdessen in New York und Philadelphia Volkswirtschaftslehre. Neben dem Studium arbeitete er im Unternehmen seines Vaters, das er im Alter von 25 Jahren übernahm und expandierte. Als junger Unternehmer fiel er durch sein Verhandlungsgeschick auf, wurde aber auch wegen Diskriminierung von Afroamerikanern verklagt.

Welche Rolle spielen junge Menschen in der Wahl?

Mit solchen Biographien aus dem letzten Jahrhundert, können die die meisten Jugendlichen, nicht viel anfangen. Ebenso wenig schenken die beiden Kandidaten jungen Menschen im derzeitigen Wahlkampf viel Aufmerksamkeit. Das liegt unter anderem daran, dass die sogenannten „Millenials“, die Generation die nach 1980 geboren ist, gerade mal ein Viertel aller Wähler ausmacht und eine niedrigere Wahlbeteiligung hat, strategisch also nicht so relevant ist.

Wie versuchen die Kandidaten junge Menschen von sich zu überzeugen? In Amerika gibt es sehr hohe Studiengebühren. Ein durchschnittlicher Medizinstudent nimmt Kredite im Wert von $138.000 (das entspricht ca. 126.000€) auf. Hillary Clinton will das ändern. Eines ihrer Ziele ist es, an öffentlichen Universitäten die Studiengebühren abzuschaffen und die Rückzahlungsbedingungen für bestehende Studiumsschulden zu vereinfachen. Trump sagt zu dem Thema nur sehr vage, dass er „viel Gutes tun“ würde. Stattdessen versucht Trump junge Menschen mit seiner Handelspolitik zu überzeugen: Er möchte Unternehmen dazu bringen, Jobs, die in andere Länder verlegt wurden, nach Amerika zurückzuholen.

Was sagt die Jugend zu diesen Kandidaten?

In Umfragen tut sich die junge Generation schwer, sich für einen der zur Auswahl stehenden Kandidaten zu begeistern. Ein Gefühl, das auch der 20-Jährige Soldat Alec teilt, der für das US-Militär gerade in Katar stationiert ist: „Beide Kandidaten stehen für alles, was in unserer Politik und Gesellschaft falsch läuft. Beide sind vollkommen ungeeignet. Ich bin hin- und hergerissen, ob ich überhaupt wählen gehen soll.“ Ähnlich sieht es der ebenfalls 20-Jährige Youtube-Star Will Carmack, der in Virginia „Schauspiel“ studiert: „Das ist eine Scheiß-Show, in der wir uns nur aussuchen dürfen, welches Gift uns umbringt. Unabhängig von dem Ergebnis ist es peinlich, was aus unserer Regierung geworden ist. Ich werde keinen der beiden Kandidaten unterstützen.“


Die konsevative Daniela wird bei dieser
Wahl wohl zur Demokratin.
Foto: Noah Schöppel

Besonders schwer fällt es Jugendlichen, die sich selbst als politisch konservativ sehen – also eigentlich den republikanischen Kandidaten unterstützen würden – aber sich einfach nicht mit Trump anfreunden können. So geht es beispielsweise der Literatur-Studentin Daniela: „Ich bin zwar konservativ, aber Trump ist einfach ein zutiefst abstoßender, unvernünftiger Mann. Ich glaube nicht, das Hillary Clinton eine gute Person ist und ich habe in vielen Themen eine andere Meinung als sie, ich werde aber trotzdem für sie stimmen.“ Ähnlich sieht das auch Meghan, eine 19-Jährige Afroamerikanerin aus Virginia: „Hillary ist eine unglaubwürdige, von Lobbyisten gefütterte politische Maschine. Trotzdem ist sie die offensichtlich bessere Wahl.“

Nicht diese beiden bitte!

Junge Wähler sind idealistischer als viele andere Wählergruppen und fühlen sich von den Themen und Zukunftsvisionen der Kandidaten nicht angesprochen. In Umfragen geben über ein Drittel der Unter-30-Jährigen an, weder für Clinton noch für Trump zu stimmen, sondern für einen der Kandidaten von chancenlosen Parteien, wie der libertäre Gary Johnson oder die grüne Jill Stein, die im nationalen Durchschnitt gerade mal bei 10 Prozent liegen. Junge Menschen sind sich bewusst, dass eine Stimme für einen der unabhängigen Kandidaten keinen Einfluss auf das Endergebnis haben wird, aber sind so frustriert mit dem politischen System und dem Wahlkampf, dass ihnen auch das gleichgültig ist.

Trump gilt als unkontrolliert aggressiv und Clinton als korrupt und unehrlich. Aber unterm Strich unterstützen mit 68 Prozent die meisten jungen Menschen eindeutig Clinton, wohingegen gerade mal 20 Prozent der jungen Wähler in Umfragen angeben, Trump zu unterstützen. Unter den jungen Wählern wird es also in drei Wochen einen klaren Gewinner geben. Diese Wahl ist auch eine Generationenfrage. Die Jugend ist aber nur eine relativ kleine Minderheit – noch dazu eine, die im Vergleich zur Gesamtbevölkerung unterdurchschnittlich oft zur Wahl erscheint, weshalb es laut den Umfragen im November sehr knapp werden könnte.

Text: Noah Schöppel
Teaserbild: Stefan Fussan, flickr.com (CC BY-SA 2.0)

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