Kinofeeling

Ein Dorf sieht schwarz

1975: Eine Familie zieht in ein nordfranzösisches Dorf. Klingt zuerst eher unspektakulär, wäre da nicht der kleine aber feine Unterschied, dass die Familie Zantoko heißt und aus dem Kongo stammt. So sehen die Einheimischen Schwarz und das gleich bei einer ganzen Familie.

19. April 2017 - 09:52
SPIESSER-Autorin cucumber.
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cucumber Offline
Beigetreten: 17.11.2016

Worum geht's?

Marly-Gomont ist ein kleines Dörfchen im Norden Frankreichs und braucht dringend einen Arzt. Seyolo Zantoko ist gerade fertig mit dem Studium und sucht Arbeit.
So dauert es nicht lange und die gesamte Familie Zantoko steht im nasskalten Wetter in der französischen Pampa. Es könnte alles gut gehen: Die Kinder in die Schule, der Vater beliebt und angesehen, die Frau zufrieden. Doch da gibt es ein winziges Problem: Es ist 1975 und die meisten der Dorfbewohner haben noch nie einen Afrikaner zu Gesicht bekommen.


Die Marly-Gomonter sind, gelinde gesagt, skeptisch.

So beginnt für Seyolo der Kampf um die Akzeptanz als Arzt, aber auch als Mensch und als Franzose. Während seine Frau vom Haute-Couture-Großstadtleben träumt und sich nun mit dem Wochenmarkt zufriedengeben muss, machen die Einheimischen der Familie das Leben schwer. Seyolo muss sich bemühen seine Praxis zum Laufen zu bringen und seine Frau vom Weglaufen abzuhalten. Inspiriert ist die Komödie vom Leben des französischen Rappers und Komikers Kamini Zantoko.

 

Wer spielt mit?

Marc Zinga ist ein belgischer Schauspieler und Regisseur und spielt die Rolle des Seyolo Zantoko. Wer ihn erkannt hat; er war unter anderem in „James Bond 007 – Spectre“ zu sehen. Der in Belgien lebende Zinga ist zudem im Kongo geboren. Seyolos Frau wird von der senegalesisch-französischen Schauspielerin Aïssa Maïga („Diamond 13“) dargestellt. Auch sie hat afrikanische Wurzeln und kam als Kind nach Frankreich.

Auf einen Blick
Action: ✪
Romantik: ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor: ✪ ✪ ✪
Filmischer Augenschmaus?

Neben der französischen Ödnis sind die Bilder nicht atemberaubend oder besonders supertoll. Aber das müssen sie auch gar nicht. Der Film ist eine Komödie und das mit allem, was dazugehört. Die Bilder sind einfach, die Farben gut gewählt, alles in allem ist es nicht herausfordernd den Film optisch zu verarbeiten. Und das ist gut so.

Gibt's was zu meckern?

Im Grunde nicht viel. Über eine „Willkommen bei den Sch’tis“-Assoziation kann man sich eigentlich nicht beschweren. Der Film ist nicht überraschend, nicht unvorhersehbar – zugegeben. Doch aufgrund des angenehmen Unterhaltungsfaktors nimmt man ihm das nicht besonders übel.

Braucht man Taschentücher?

Nein. Wer dabei weint, hat persönlichen Bezug zu Marly-Gomont oder mag nordfranzösische Kühe so besonders, dass es dem Standardzuschauer schwer fallen wird, die Tränen nachzuvollziehen.

Empört sein, schockiert sein, traurig sein, das alles immer gerne. Die Geschichte der Zantokos ist immerhin die Geschichte von vielen Menschen, damals wie heute.
Und vor allem, ja hauptsächlich, bitte lachen.

Mit wem angucken?

Der ganzen Familie, also am besten wirklich der ganzen Familie. Oma, Opa, Urgroßtante, Eltern, kleine Schwestern und Brüder. Oder auch mit der Schulklasse.
Für jeden ist etwas dabei: Von den Momenten der kleinen Anfeindungen bis hin zum Schikanieren der Kinder in der Schule ist fremdenfeindlich gesehen jede Nuance vertreten. Und das geht alle an und dem einen oder anderen wird durch die humorvolle Art und Weise des Films vielleicht ein Zugang zu diesem Thema geschaffen.

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Was macht man danach?

Lächeln, an das Gute im Menschen glauben und das nächste Mal auf dem Pausenhof, beim Arztbesuch oder dem Wochenmarkt daran denken, was manche Menschen für ein besseres Leben auf sich nehmen.

 

In 3 Worten:

Schwarz. Selbstironisch. Herkunft.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Beides zu gleichen Teilen. Je nach Vorliebe.

Mainstream oder Independent?

Schwer zu sagen, die riesigen Kinoerfolge in Deutschland werden wohl ausbleiben. Jedoch gibt es Potential, besonders für Schulen im Französischunterricht oder auch für die Familie zuhause.

Ein Dorf sieht schwarz

Originaltitel: Bienvenue à Marly-Gomont
Regie:
Julien Rambaldi
Schauspieler: Marc Zinga, Aïssa Maïga, Bayron Lebli, Médine Diarra
Kinostart: 20. April 2017
Länge: 1 Std. 34 min
Genre: Komödie
FSK: 0

 

Text: Annika Bäse
Bildmaterial: © 2000-2017 PROKINO Filmverleih GmbH

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