Anpacken für unsere Welt

Ein Weg in die Entwicklungs- zusammenarbeit

Es ist gut, wenn man nicht mit Ignoranz durchs Leben läuft, sondern sich ab und zu auch mal Gedanken über die Lebensumstände anderer Menschen macht. Doch diese Gedanken zum Beruf machen? Über einen Weg in die Entwicklungszusammenarbeit (EZ) hat SPIESSERin Rebekka im Interview mit MISEREOR-Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mehr erfahren.

24. November 2017 - 11:14
SPIESSER-Autorin breakfastatspiesser.
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Beigetreten: 28.07.2017

Hinter dem Begriff „Entwicklungszusammenarbeit“ steckt laut MISEREOR-Geschäftsführer Thomas Antkowiak nicht Entwicklungshilfe. Es geht um Zusammenarbeit. Herr Antkowiak erklärt: „Wir arbeiten gemeinsam daran, Armut, Hunger, Ungerechtigkeit und Bildungsmangel so zu bekämpfen, dass die Menschen in den Entwicklungsländern bessere Möglichkeiten erhalten. Dabei leisten wir Hilfe zur Selbsthilfe, denn wir fördern ihre Ideen mit unseren Optionen.“

Außerdem habe sich die Entwicklungszusammenarbeit, laut Herr Antkowiak, im Laufe der Jahre verändert. Durch den zunehmenden Klimawandel liegt heute der Fokus vor allem auf den Menschen und Ländern, die durch Naturkatastrophen leiden müssen. Zudem hat sich die Perspektive verändert: Es gilt herauszufinden, was durch die geleistete Hilfe wirklich erreicht wurde und weniger, was man getan hat, um zu helfen.


Thomas Antkowiak

Entwicklungszusammenarbeit als Berufung

Um beruflich in die Entwicklungszusammenarbeit zu gelangen, und sich dort mit Freude zu engagieren, braucht es mehr als Interesse. „Das persönliche Interesse am Weltgeschehen gehört natürlich dazu. Entscheidend ist, was daraus erwachsen kann“, erklärt Thomas Antkowiak, „Es ist möglich, mit Spenden und politischen Engagement etwas zu tun. Sich beruflich in der EZ einzubringen bedeutet, die globalen Fragen, die Vernetzung, die Zusammenhänge unseres Lebensstils im globalen Norden mit dem Leben der Menschen im globalen Süden zu verstehen. Da kann ein Studium helfen, das systematisch zu vertiefen und das Verständnis für globale Probleme und Zusammenhänge zu stärken.“

Zur Berufung durchs Studium

Diesen Weg hat Alina Krause (25) eingeschlagen. Durch ein Praktikum kam sie zu MISEREOR und hat sich nun für den Masterstudiengang „Theologie und Globale Entwicklung“ an der RWTH in Aachen entschieden. Bedenken, dass es sich hierbei um einen sogenannten „Pilotstudiengang“ – erstmals angeboten im Wintersemester 2017/18 – handelt, hatte sie nicht. „Ich dachte vielmehr, dass es genau der richtige Zeitpunkt ist, um einzusteigen. Ein neuer Studiengang besitzt viel Potenzial bis hin zu Motivation seitens der Organisatoren, dass es gerade dann Spaß macht ein Teil der „Entwicklung“ zu sein und am Modell zu feilen“, erklärt Alina.

Voraussetzung für dieses Masterstudium seien zum einen ein Bachelorabschluss, sowie jeweils zehn Credit Points in vier verschiedenen Bereichen der Theologie. Alina hat zum Beispiel vorher Spanisch und Katholische Theologie studiert – ein recht theoretisches Studium. Im neuen Masterstudiengang bietet sich ihr nun die Möglichkeit, herauszufinden, wie sie ihre Kenntnisse auch praktisch anwenden kann. Denn neben theoretischen Vorlesungen zeigen MISEREOR-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in welchen Arbeitsbereichen sie das Wissen in der Praxis umsetzen.


Alina Krause

Darüber hinaus wird in dem Studiengang interdisziplinär gearbeitet. „Man kann sich alles nach Interesse zusammenbauen und bekommt nicht alles vorgegeben“, erklärt Alina. Der Bereich Theologie sei allerdings ein fester Bestandteil des Inhalts, im ersten Studienjahr eher theoretisch, im zweiten dann auch in Form eines Praktikums.

Aus dem Hörsaal in die Welt

Noch mehr Praxis würde ein Auslandsaufenthalt verschaffen, sowie die Option mit renommierten Organisationen zusammenzuarbeiten. „Da öffnen sich zur Zeit ganz neue Türen und Vieles ist in der Planung“, kommentiert Alina. Was genau man dann mit diesem Masterabschluss anfangen könne, kann die Studentin zwar nicht zu 100 Prozent erklären, da er noch so neu sei. Sie könne sich aber vorstellen, sich mit der Grundlage an theoretischem Wissen und einer Spezialisierung bei NGOs zu bewerben.

Laut Thomas Antkowiak ist dieser Studiengang auch nur ein Zugang zu der Entwicklungszusammenarbeit. Viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei MISEREOR haben zum Beispiel Pädagogik, Volks- oder Betriebswirtschaft, Landwirtschaft, Sozial- oder Regionalwissenschaften studiert. Andere Studiengänge, die sich als Einstieg in die Entwicklungszusammenarbeit eignen, sind Internationale Beziehungen, Friedens- und Konfliktforschung, Friedens- und Sicherheitsforschung oder auch Humanitäre Hilfe.

Weitere für die EZ interessante Studiengänge (eine Auswahl):

Internationale Beziehungen: Berlin, Regensburg, Dresden, Erfurt, Bremen
Peace and Conflict Studies (Englisch/Deutsch): Münster, Marburg, Magdeburg
Humanitäre Hilfe (Englisch): Bochum
Peace and Security Studies (Englisch/Deutsch): Hamburg, Frankfurt
Internationale Zusammenarbeit für nachhaltige Entwicklung: Berlin, Kaiserslautern

Weitere Infos zu MISEREOR findet ihr hier!

 

Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Misereor e.V.

 

 

Text: Rebekka Hörnig
Bildmaterial: Misereor
Teaserbild: Alexis Brown, unsplash.com

 

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