Mach dein Ding!

Eine für alle

Ein Glühweinstand im Winter, ein Infotisch beim Straßenfest – es sind scheinbar kleine, unkomplizierte Dinge, mit denen sich Rebecca Glaab aus Berlin ehrenamtlich engagiert. Bewirken tut sie damit Großes. Denn bei all diesen Aktionen hilft Rebecca im Auftrag von „Studieren ohne Grenzen“ – und ermöglicht jungen Menschen im Kongo damit ein Studium. SPIESSER-Autorin Eva hat sich mit der Studentin unterhalten.

25. April 2015 - 12:27
SPIESSER-Autorin Eva Christine.
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Eva Christine Offline
Beigetreten: 27.11.2013

Angefangen hat alles mit einer E-Mail. Die Lokalgruppe Berlin der Organisation „Studieren ohne Grenzen“ lud im Herbst 2013 über den Verteiler der Freien Universität Berlin Interessierte zum Kennenlernabend ein und Rebecca fühlte sich sofort angesprochen. In einem Seminar schrieb die Masterstudentin der Politikwissenschaften gerade eine Hausarbeit über die Kivu-Provinz im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Für Studierende dieser Region setzt sich die Lokalgruppe Berlin ein. „Es war ein totaler Zufall“, berichtet die 26-Jährige. „Ich hatte schon so viel über die Probleme in Nord-Kivu gelernt – da wollte ich mir das Projekt unbedingt mal angucken.“

Nicht entmutigen lassen

Rebecca ist begeistert – und mittlerweile seit eineinhalb Jahren bei „Studieren ohne Grenzen“ aktiv. Als Expertin für die Konflikte in der Region, ist sie zu einer wichtigen Stütze der Lokalgruppe geworden. „Im Ostkongokonflikt spielen viele unterschiedliche Einflussfaktoren eine Rolle“, erklärt Rebecca. Dass die Region bis heute nicht zur Ruhe kommt, führt die Politikstudentin vor allem darauf zurück, dass der Nachbarstaat Ruanda Milizen, also bewaffnete Volksheere, im Kongo unterstützt, weil er Interesse an den Rohstoffen in diesem Gebiet hat.

Nicht viele Organisationen werden in solch konfliktreichen Regionen aktiv. Die Arbeit kann frustrierend sein, denn durch immer neue Konflikte werden Erfolge schnell wieder zunichte gemacht. Dass „Studieren ohne Grenzen“ diese Lücke füllt, findet Rebecca besonders gut.

Bildung als das höchste Gut

Wiederaufbau durch Bildung – das ist das Prinzip, dem sich die von Studierenden ursprünglich als „Etudes Sans Frontières“ in Frankreich gegründete Organisation verschrieben hat. Zur Optimierung der Arbeit und der internationalen Vernetzung ist am 8. Mai 2015 eine gemeinsame Konferenz geplant, die ganz nach dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ in Straßburg stattfinden wird.


Rebecca mit ihren Kollegen beim Glühweinverkauf.

Der deutsche Zweig der internationalen Organisation setzt sich für die Bildungsgerechtigkeit in Afghanistan, der Demokratischen Republik Kongo, in Sri Lanka und Tschetschenien ein. In insgesamt 17 Lokalgruppen sammeln deutsche Studenten Geld und ermöglichen so Stipendien, für die sie die geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten selbst auswählen. „Die Bewerbungen erhalten wir handschriftlich, denn Computer sind in Kivu nicht überall vorhanden“, erzählt Rebecca von ihren Erfahrungen in der Auswahl. Für diese Aufgabe sind ihre Französischkenntnisse eine große Hilfe.

Besonders viel Wert legen sie darauf, dass die Stipendiatinnen und Stipendiaten ein eigenes Projekt mitbringen, das für den Wiederaufbau wertvoll ist und bestenfalls dazu beiträgt, das erworbene Wissen weiter zu verbreiten. So modernisierte eine junge Stipendiatin im Kongo mithilfe ihrer im Studium erworbenen Kenntnisse die Ziegenzucht und gibt ihr Wissen in praktischen Workshops an andere Bäuerinnen weiter. So bekämpft sie die Lebensmittelknappheit vor Ort. „Es ist total wichtig, den Menschen in Krisenregionen Mittel zur Verfügung zu stellen, mit denen sie sich selbst helfen können“, zeigt sich die Studentin überzeugt von der Sinnhaftigkeit ihres Engagements.

Ohne großen Zeitaufwand und mit viel Spaß
Hast du auch Lust, dich zusammen mit anderen netten Studierenden für die Bildungsgerechtigkeit einzusetzen? Das nächste Kennenlerntreffen der Lokalgruppe Berlin findet am 29.04.2015 um 19 Uhr im Salomon-Neumann-Haus (Seminarraum 1) der FU Berlin statt.

Neben der Stipendiumsbetreuung und dem Fundraising gibt es viele kleinere Aufgaben, denen sich die insgesamt etwa 70 registrierten Mitgliederinnen und Mitglieder der Lokalgruppe mal mehr und mal weniger intensiv widmen. So betreut Rebecca seit einiger Zeit zum Beispiel die Facebook-Seite. Sie erzählt: „Auf dem Laufenden über aktuelle Aktionen und Aufgaben halten wir uns außerdem bei unseren Treffen.“ Mittwochsabends wird für zwei Stunden besprochen, diskutiert und geplant – und anschließend häufig noch was getrunken und gequatscht. „Klar haben wir auch mal privat miteinander zu tun, im Sommer zum Beispiel beim Grillen“, meint Rebecca dazu.

In so einer lockeren Atmosphäre entstehen die besten Ideen – wie die für ein Benefizkonzert, dass die Lokalgruppe vor kurzem auf die Beine gestellt hat. Ein Club, der neu eröffnet hatte, freute sich über die zahlreichen Besucher, Freunde der Ehrenamtlichen über die Gelegenheit aufzutreten, „Studieren ohne Grenzen“ über die Einnahmen durch den Eintritt – und insgesamt 47 Kongolesinnen und Kongolesen über die Gelegenheit zu studieren und ihrem Land und ihren Mitmenschen durch ihr Wissen zu helfen.

Text: Eva Strehlke
Fotos: privat/Rebecca Glaab

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