Mach dein Ding!

Einhörner gibt es doch

„Make Magic Happen“ ist das Motto von Philip und Waldemar, Gründer der einhorn Products GmbH. Die beiden Wahlberliner verkaufen nachhaltige, fair gehandelte Kondome in witzig designten Verpackungen. SPIESSER-Autorin Patricia hat sie in ihrem Wunderlandbüro besucht.

12. Februar 2016 - 13:25
SPIESSER-Autorin DiemitdemHut.
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DiemitdemHut Offline
Beigetreten: 23.03.2015

Die riesige, pinke Hängematte, der mit Kondompackungen gefüllte Schokoriegelautomat, die helle und wohnliche Altbauromantik – als ich die Büroräume der einhorn Products GmbH betrete, wird mir sofort klar: Hier herrscht kreativer Unternehmergeist. In der Küche steht noch die über und über mit Gold verzierte Getränkebar der letzten Weihnachtsfeier. Heute treffe ich die beiden 33-jährigen Gründer Philip Siefer und Waldemar Zeiler in ihrem quietschbunten Arbeitsumfeld, in dem sie gemeinsam die Kondomindustrie revolutionieren wollen.

„Warum nicht Kondome?“

Fair produzierte, nachhaltige, vegane Kondome in ausgeflippt designten Verpackungen – das ist das Konzept, mit dem Philip und Waldemar 2014 auf den Markt gegangen sind. In der Drogerie um die Ecke gibt es einhorn Kondome, die zwischen sechs und zehn Euro kosten, zwar noch nicht, dafür gehören sie aber zum Beispiel zum Sortiment einiger Bio-Supermärkte und man kann sie im Onlineshop der Einhörner erwerben. Der läuft mittlerweile ziemlich gut, verraten mir die beiden: Etwa 50 Bestellungen verzeichnet das junge Unternehmen täglich.

Natürlich gibt es eine lustige Geschichte als Antwort auf meine Frage, wie es überhaupt zu so einer Idee kommen konnte. Alles begann damit, dass Philip sich gezwungen sah, im Supermarkt Kondome zu kaufen. Die beiden jungen Männer wollten schon lange ein Unternehmen mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit hochziehen. „Ich stand da zwischen Damenbinden, Windeln und Tampons und beobachtete, wie die Leute sich möglichst unauffällig eine Packung schnappten und dann wieder verschwanden. Ich habe Waldemar ein Foto des Regals geschickt und vorgeschlagen: Warum nicht Kondome?“, erzählt Philip.

einhorn ist dennoch für keinen der beiden das erste Startup. Bei einem Workshop für Gründer lernten sie sich vor einigen Jahren kennen und beschlossen, ein gemeinsames Projekt zu verwirklichen. „Wir waren erst Kollegen und wurden dann Freunde“, erzählt Waldemar mir. Vom klassischen Bild einer Unternehmerpersönlichkeit, wie es beispielsweise der Film „The Wolf of Wall Street“ zeichnet, hält er nichts. „Ich wusste schon mit 18 bei meiner ersten Gründung: Das ist das, was ich machen will.“

Nachhaltig, humorvoll, sexy

Als mir die beiden ihr Produkt vorführen, erinnern sie mich kurz an Kinder, die stolz ihre neueste Lego-Burg präsentieren. Das Design der Kondomverpackung ist einer Chipstüte nachempfunden. Auf der Rückseite ist sogar der Kalorienverbrauch bei 30 Minuten aktivem Sex angegeben – immerhin 350 kcal. „Es ist eben ein Lifestyleprodukt“, erklärt Waldemar. Das namengebende Einhorn kann nicht nur leicht als Pferd mit einem Penis auf der Stirn erkannt werden, sondern geistert seit Jahren als Meme durch die sozialen Netzwerke.

Fight and hug

Die drei Schlagworte, mit denen die beiden ihre Unternehmenspolitik definieren, klingen genauso hip, wie die Büroräume aussehen, in denen wir uns befinden: fairstainable (fair und nachhaltig), unicornique (einhorn und einzigartig) und fug („fight and hug“). Als ich etwas verwirrt nachfrage, erklärt Waldemar mir: „Wir sind sehr verschiedene Persönlichkeiten und da kommt es auch schon mal zu Streitereien. Auf Konflikte sollten Umarmungen folgen.“ Fairer Handel, Nachhaltigkeit und sexuelle Aufklärung sind außerdem ehrgeizige Ziele für das junge Unternehmen, die natürlich erst nach und nach realisiert werden können. „Wir wollen etwas zurückgeben“, erklärt Waldemar.

Text: Patricia Löwe
Fotos: Tony Haupt

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