Kolumne

Ende mit Ekel

SPIESSER-Autorin Katharinas letzte Kolumne. Besser ein Ende mit Ekel als ein Ekel ohne Ende.

23. November 2018 - 09:39
SPIESSER-Autorin Ka.thi.
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Ka.thi Offline
Beigetreten: 16.03.2015

Weihnachtszeit ist Entenzeit. Zumindest bei mir in der Familie steht spätestens um 13 Uhr des 25. Dezembers ein Braten frisch aus dem Ofen mit goldbrauner, knuspriger Haut in der Mitte des Esstisches. Wie mir das Wasser im Mund zerläuft. In Gedanken zoome ich in die Ente hinein, sehe die inneren Werte dieses Tieres und besinne mich eines weniger appetitlichen Themas. Denn vor einigen Jahren habe ich im Urlaub einen Teller mit glitschigen Nieren, stinkender Leber und anderen Innereien, die ich gar nicht zuordnen konnte, die aber die Form eines Röhrchens hatten, dankend ausgeschlagen. Mein Lächeln war dabei aufgezwungen, ich sagte, ich hätte keinen Hunger, dabei war ich in Gedanken schon dabei, ein lauschiges Plätzchen zu finden, um mich zu übergeben. Ich war erfasst vom Ekel.

Schimmlige Aprikosen, saure Milch oder übelriechendes Fleisch – bei diesen Lebensmitteln besteht kein Zweifel, dass sich ein mulmiges Gefühl in unseren Mägen ausbreitet und wir sie lieber in den Mülleimer als in unsere Münder verbannen. Denn Ekel ist auch ein Schutzmechanismus, um unsere Körper vor ernsthaften Infektionen oder auch einer leichten, aber dennoch unangenehmen Magen-Darm-Grippe zu bewahren. Doch es gibt auch weitaus unerklärlichere Formen des Ekels: Im zarten Alter von fünf Jahren verweigerte ich beispielsweise – wie vermutlich die meisten halbwüchsigen Fratzen – Spinat. Zu grün, könnte ja gesund sein, zu breiig, ich war ja kein Baby mehr, zu eklig. Statt- dessen aß ich die Pfannkuchen lieber trocken oder hoffte auf die Gnade meiner Eltern, Nutella dazuzubekommen. Seltsamerweise sprang meine kindliche Logik nicht auf die Parallelen zwischen Spinat und Nutella an: die an Babynahrung erinnernde, zähflüssige Konsistenz, die Farbe, die zwar nicht nach „gesund“ aussieht, der Farbe diverser Ausscheidungen aber in nichts nachsteht. Nutella stand schon immer über jeder Ekel-Logik und immerhin ekelt mich Spinat heute nicht mehr. Popeye wäre stolz auf mich.

In der Weihnachtszeit sollte Ekel eigentlich keine Rolle spielen, alles ist verzaubert und in Besinnlichkeit gehüllt. Zu essen gibt es süße Plätzchen mit noch süßerer Marmelade, Christstollen mit einem Hauch von Puderzucker und heiße Schokolade. Zur Weihnachtszeit ist alles zuckersüß und toll. Doch sobald ich am 2. Januar die Restposten an Kokosmakronen und Co. auch nur sehe, werden mir die Leckereien zu viel: Ich verspüre fast schon wieder Ekel. Wie paradox. Da ist der Entenbraten am Weihnachtstag doch eine gelungene Abwechslung, zumindest beim Anblick der genial goldbraunen, knusprigen Entenhaut.

Apropos Weihnachten: Das Fest der Liebe steht am Ende eines jeden Jahres. Auch für mich ist es Zeit für ein Ende, das Ende meiner Kolumne – besser ein Ende mit Ekel als ein Ekel ohne Ende.

Text: Katharina Petry
Teaserbild: Lena Schulze

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