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ErtAPPt

Derzeit wirbt eine App mit einem Slogan, der aufhorchen lässt. „Geheime Gedanken, die du so nirgendwo anders finden wirst“, lautet die Tagline von „SecretApp“. Was genau ist dran an diesem Versprechen? SPIESSER-Autorin Sophie hat für euch SecretApp getestet.

29. September 2014 - 09:11
SPIESSER-Autorin sophielorraine.senf.
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sophielorraine.senf Offline
Beigetreten: 07.07.2012

Zum ersten Mal höre ich in den Medien von „SecretApp“, einer ziemlich erfolgreichen Application, die zurzeit die Runde macht.„Spiegel Online“ proklamiert sie als „App zur Beichte“ mit dem Ziel, Menschen die Möglichkeit zu geben, anonym ein Geständnis abzulegen. Klingt spannend, Grund genug, für einen Selbsttest!

Noch bevor ich „Secret“ downloade, informiere ich mich dazu im Netz. Ich stoße auf kurze Texte mit Bildanzeige oder farbigem Hintergrund. Meist ist es nur ein Satz oder ein kurzer Gedanke, den Menschen einander mitteilen und das nur in dem Wissen, unerkannt zu bleiben. Was ich lese, ist durchaus  verstörend. „Ich kann mein zweites Kind nicht genauso wie das erste lieben“ oder „Ich habe soeben meine Beziehung wegen einer berührenden Filmszene verlassen“. Sind das die Gedanken, die Menschen einander anvertrauen, wenn sie sich durch Anonymität geschützt und sicher fühlen? Ich frage mich, wie ich eine App beurteilen soll, die ihren Nutzern tiefste und dunkelste Geheimnisse entlockt und  bereits weltweit genutzt wird. Gibt es denn wirklich so viele Menschen, die so ihr Gewissen entlasten? Na gut, jetzt bin ich doch neugierig. Noch bevor ich „Secret“ herunterlade, treffe ich auf Schlüsselbegriffe wie Einzigartigkeit und Individualität, Freiheit und Ehrlichkeit.

Fremde Geheimnisse

Es ist soweit. Ich öffne das kleine Fenster mit dem Secret-Symbol und frage mich, ob bereits Freunde von Facebook oder aus meiner Handykontaktliste die App nutzen. Ähnlich wie „WhatsApp“ nimmt auch „Secret“ Zugriff auf das Telefonbuch meines Smartphones, zusätzlich kann ich auch eine Verknüpfung mit Facebook zulassen. Doch zu meinem Überraschen gibt es noch da niemanden. Trotzdem finde ich augenblicklich neueste Beiträge aus aller Welt und werde ein wenig an Tumblr-Posts erinnert, obwohl die Mitteilungen nicht die selben sind. Was Anonym mir offenbart, ist weniger drastisch als vorher Recherchiertes. Ich lese von Menschen mit Fernweh oder Sehnsucht nach Liebe und Geborgenheit. Sätze, wie „Wenn du mich in der Öffentlichkeit schreiben siehst, checke ich in Wirklichkeit nur meine Wetter-App, weil ich so aussehen möchte, als würde ich etwas tun“, lassen mich schmunzeln. Ich lese Gedanken aus Portland, Illinois, Ohio und Los Angeles und fühle mich den Menschen dahinter seltsam verbunden, obwohl ich weder ihr Geschlecht, Alter oder Äußeres kenne.

Auf der Suche nach neuen Meldungen in meiner Startleiste scheitere ich schon nach zwei Tagen. Obwohl ich wieder und wieder versuche, die Meldungen zu aktualisieren, geschieht nichts und das wochenlang. Hält Secret nun keine weiteren Geheimnisse für mich bereit? Oder will es mich locken, Freunde einzuladen und selbst zu posten? Ich tippe auf letzteres und überfliege noch einmal die Nachrichten vergangener Stunden und Tage.

Anonyme Geständnisse für mehr Ehrlichkeit?

Möglicherweise jedoch werden wir uns durch Secret auf einer anderen Ebene begegnen, fernab des gewöhnlichen Alltags und dabei auf Emotionen stoßen, die wir selbst bereits ähnlich erlebt haben. Beispielgebend sind außergewöhnliche Bilderserien, die die App bereit hält. Eine dieser beschäftigt sich mit dem Thema „Burning Man“, einem amerikanischen Festival, und spiegelt hierzu die Gedanken aller wieder, die sich in einer kleinen Botschaft anderen mitteilten. „Eines der der guten Dinge an 'Burning Man' ist, dass es einen Haufen Arschlöcher aus der Stadt zieht.“

Ziemlich persönlich wird es dann erst als ich lese „Gestern habe ich herausgefunden, dass ich schwanger bin. Es ist das erste Mal und auch noch so neu, dass es mir noch nicht erlaubt ist, es zu erwähnen. Ihr alle seid also die ersten, die es wissen. Ich bin ein Bündel aus Emotionen.“ Ehrlich gesagt bin ich verstört. Fragen wie: Wer ist denn der Vater und warum darf er es nicht wissen? beschäftigen mich, sind aber in einem anonymen Netzwerk wohl eher unangebracht. Wem diese Frau wohl von ihrer Schwangerschaft berichten wird? Und vor allem wann? Zumindest hat „Secret“ hier wohl seinen Sinn erfüllt: einen Raum zu schaffen für Unausgesprochenes, das Menschen im Inneren dann doch tief bewegt.

Seid ihr neugierig geworden? Ich auch - und zwar auf eurer erstes anonymes Geständnis!

Text: Sopie Lorraine Senf
Teaserfoto: Flickr-User coolio-claire (CC BY 2.0)

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