Nebenjob

Ey DJ!

Als Diskjockey braucht man nicht viel außer einem Laptop, ein paar gebrannten CDs und Lust auf Feiern? Weit gefehlt! SPIESSER-Autor Erik legt selbst auf und weiß, was wirklich zum Nebenjob als Diskjockey gehört.

22. Mai 2015 - 11:20
SPIESSER-Autor sonyerikson.
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sonyerikson Offline
Beigetreten: 15.09.2009

Als ich mich mit 17 das erste Mal in eine Disco schmuggelte, dachte ich nicht viel über die Musik nach, die dort lief. Schnell erwischte ich mich allerdings dabei, wie ich stundenlang vorm Pult stand und fasziniert die DJs bei der Arbeit beobachtete. Nach und nach begann ich, mich immer mehr für die Szene zu interessieren: Ich fuhr für besondere DJ-Sets Sonntagmorgens um 08:30 Uhr durch die halbe Stadt und schrieb Playlists mit.


Erik legt inzwischen häufiger als DJ auf Partys auf.
Sein DJ-Name: Doktor Faustus

Inzwischen habe ich selbst meine ersten bezahlten Auftritte und beginne langsam auch in angesagten Locations aufzulegen: Aus meinem Hobby ist ein richtiger Nebenjob geworden. Für ein vierstündiges DJ-Set springen bei bekannten Künstlern übrigens gut und gerne 300 Euro heraus, die man im Idealfall bar auf den Plattenteller bekommt.

Natürlich bin ich selbst noch lange nicht der gefeierte Underground-DJ, der ich gerne wäre – aber ich bin auf einem guten Weg. Wenn ihr euch auch dafür interessiert, aber nicht so recht wisst, wie ihr das mit dem DJ-werden anstellen sollt, hab ich hier sieben Tipps, die mir selbst den Anfang der ganzen Sache erleichtert haben.

1. Trau' dich „Profis“ zu fragen

Ich musste echt oft über meinen Schatten springen, um den DJ nach seinem Gig nach Liednamen oder technischen Details zu fragen. Aber keine Angst, die meisten Künstler freuen sich tatsächlich, wenn junge Leute sich für ihre Arbeit interessieren und helfen gerne bei allen Fragen.

2. Probier’s einfach

Im digitalen Zeitalter ist es kinderleicht, Auflegen auszuprobieren. Wie die meisten DJs kannst du heute mit einer DJ-Software anfangen, Tracks digital auf deinem Computer zu mixen. Besorge dir einfach eine der Freiversionen von Programmen wie Traktor oder Serato und spiele mit deinen Lieblingssongs rum. Es gibt außerdem jede Menge DJ-Tutorials im Netz, die deine grundlegenden Fragen beantworten werden.


Erik arbeitet als DJ am liebsten mit so einem
Controller.
3. Gib Geld aus

Sobald du merkst, dass Auflegen dein Ding ist, solltest du in Technik und Musik investieren. Ich habe mir von meinen Eltern damals einen DJ-Controller von Herkules zu Weihnachten gewünscht, den man per USB-Kabel an den Laptop anschließen und so die oben erwähnten Softwares kontrollieren kann. Für den Anfang sind solche Software-Controller ideal, da die grafische Oberfläche der Programme das Mixing erleichtert und die Dinger sehr viel günstiger als Turntables sind. Gute Einsteigermodelle gibt es schon ab hundert Euro. Auf Portalen wie beatport.com oder junodownload.com kann man gegen Bezahlung und völlig legal die neuste elektronische Musik in guter Qualität herunterladen und dann damit herumexperimentieren.

4. Vergiss die „alte Schule“ nicht

Das „Beatmatchen“, also das Angleichen von zwei Songs an dasselbe Tempo zum Ineinander-Mischen, ist die Grundlage des Auflegens. Jeder DJ sollte das beherrschen, denn es gibt einem Gefühl für Timing und Musik und man lernt, sich nur auf seine Ohren zu verlassen, egal welche Technik man später bei einem Gig vorfindet. Selbst wenn man irgendwann hauptsächlich mit Laptop und Controller auflegen will, sollte man darauf vorbereitet sein, je nach Location und Wunsch des Veranstalters  klassisch mit Vinyl oder mit CD-Spielern und Mischpult zur arbeiten.

Ich gebe zu, das ist gar nicht so einfach: Ich übe selbst immer noch mehrmals im Monat mit Freunden das Auflegen mit Vinyl, auch wenn ich bei Auftritten meist meinen Software-Controller benutze.


Ab und an ganz klassisch mit dem DJ-Pult zu
arbeiten, kann nicht schaden.
5. Suche Kontakt

Viele Bars und kleinere Discos suchen nach DJs und selbst in bekannteren Locations gibt es oft Newcomer-Partys. Ich gehe immer noch „Klinkenputzen“ und frage bei Locations nach, ob ich bei der nächsten Party auflegen kann – und das könnt ihr auch. Am besten ist es, wenn ihr ein paar Promo-Mixe auf einer Website wie Soundcloud oder Mixcloud vorzeigen könnt – keiner kauft gerne die Katze im Sack.

6. Erwarte nicht zu viel

Bis zu meinem ersten bezahlten Aufritt habe ich mein Equipment zu gefühlten hundert Hauspartys geschleppt und mal vor 50, mal vor fünf Leuten aufgelegt. Finanziell lohnt sich das anfangs natürlich definitiv nicht, allerdings bringt es neue Kontakte, wichtige Publikumserfahrungen, Routine und auch Klicks im Netz, wenn den Partygästen eure Sets gefallen.

7. Mach’s selbst

Vielerorts sind gute Partys Fehlanzeige – gerade im ländlichen Raum. Wenn du unbedingt auflegen willst und bei keinem Veranstalter in deiner Nähe erfolgt hast, dann such dir doch einfach mit Freunden einen kleinen Veranstaltungsraum und veranstaltet eine eigene Party. Vor meinem Auszug von zu Hause habe ich selbst ein Open-Air mit DJs, Lichtshow und gemieteter Anlage ausgerichtet – und das, obwohl ich damals von der Materie selbst noch gar keine Ahnung hatte. Trotzdem ist alles gut gegangen und ich habe gelernt, dass es ein gutes Gefühl macht und dabei gar nicht so schwer ist, selbst eine gute Party zu schmeißen.


Die ganze Technik kann am Anfach verwirrend sein
und sicher kommt es auch mal zu Pannen. Aber
man sollte sich gerade als Anfänger nicht
unterkriegen lassen.

Die Devise „Mach’s selbst“ gilt selbstverständlich auch beim Produzieren eigener Musik, die meist einen Popularitätsschub mit sich bringt. In Zeiten der frei verfügbaren Musik-Software muss man nur bereit sein, genug Zeit zu investieren.

Bleib' dran!

Selbst wenn ihr alle diese Tipps befolgt, ist schneller Erfolg natürlich nicht zu 100% garantiert. Ich erinnere mich noch an eine toll dekorierte Party, bei der ich in einem vollgepackten Wohnzimmer auflegen sollte. Leider überhitzte trotz vorheriger Tests und langer Vorbereitungen immer wieder der Verstärker der Anlage des Gastgebers, sodass alle drei Minuten für unbestimmte Zeit der Sound ausfiel. Auch eine Packung Eis aus der Tiefkühltruhe half da nichts, und so gab ich schließlich frustriert auf.

Immerhin konnte ich den vorbereitete Mix zu Hause nachspielen und für einen Soundcloud-Podcast nutzen – und der kam danke meiner Mühe beim Aussuchen der Songs gut an. Aus Rückschlägen das Beste zu machen, ist in solchen Fällen wohl das einzige, was man als Nachwuchs-DJ tun kann.

Text + Fotos: Erik Veenstra

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