Mach dein Ding!

Fairpflegung

Drei Franken haben eine Vision: Sie wollen einen bedeutenden Beitrag zum Erhalt einer lebenswerten Umwelt leisten – und das vom heimischen Herd aus. Mit SPIESSER-Autorin Mona haben sie über ihr Projekt gesprochen.

10. Mai 2016 - 14:59
SPIESSER-Autorin Mimi_the_first.
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Mimi_the_first Offline
Beigetreten: 02.12.2009

Am Anfang war der Blog

Bei eiskaltem Schneeregen komme ich am Samstagmittag in Bayreuth an. Zeit zum Beschweren bleibt mir nicht, immerhin bin ich verabredet. Es geht um die Rettung der Welt. Schnell schlage ich meinen Mantelkragen nach oben und eile durch das fränkische Städtchen. Daniel Beuschel empfängt mich in seiner Wohnung und bietet mir als erstes leckeren regionalen Apfelsaft an. Im Wohnzimmer fällt mein Blick direkt auf kleine Töpfe, aus denen zierliche Pflänzchen sprießen: „Das sind Paprika, Chili und Tomaten, von mir großgezogen“, verrät mir Daniel, nicht ganz ohne Stolz. Dann stellt er mir seinen Bruder Tobias und dessen Kollegen Daniel Strußenberg, der von allen nur Strussi genannt wird, vor. Die drei begannen vor drei Jahren auf wir-essen-gesund.de über Ernährung und deren Einfluss auf die Natur zu bloggen. Im letzten Herbst entstand aus diesem Blog heraus ein Projekt, das uns allen ein besseres ökologisches Karma bescheren könnte: Fairfood.

Mehr als nur ein Kochbuch

Hinter Fairfood verbirgt sich ein einwöchiger Ernährungsplan, der für jeden Tag der Woche Frühstück, Mittag und Abendbrot festlegt. Die Zutaten für die einzelnen Mahlzeiten sind dabei so aufeinander aufgebaut, dass keine Reste im Müll landen. „Fairfood bietet die Möglichkeit, sich nicht nur gesund, sondern auch, im Vergleich zu einer herkömmlichen Ernährung, sehr umweltbewusst und somit fair zu ernähren“, fasst Daniel das Konzept für mich zusammen.


Runterladen lässt sich das Kochbuch völlig
kostenfrei unter: wir-essen-gesund.de/fairfood!

Für die Blogger heißt „fair“ vor allem, dass die verwendeten Produkte regional, frisch und pflanzlich sind. Der Plan bietet aber neben Rezepten, die diese drei Kriterien erfüllen, auch viele interessante Hintergrundinfos. So könnten beispielsweise 1,7 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid gespart werden, wenn jeder Deutsche sich nur eine einzige Woche fair ernähren würde. Daniel hat das umgerechnet: Das entspricht dem CO2, das ein Auto ausstößt, wenn es 350.000 Mal um die Welt fährt! Ich bin beeindruckt und schockiert zugleich.

Neugierig werfe ich nun einen Blick in die Küche. Im Regal reihen sich dekorative Gläser, fein-säuberlich beschriftet, aneinander. Couscous neben Bulgur, rote Linsen neben grünen Erbsen. „Das ist nicht nur zur Dekoration, er benutzt das auch wirklich“, erzählt mir Tobias über die Kochkünste seines Bruders. Zusammen mit frischem Obst und Gemüse kreiert Daniel immer wieder leckere vegetarische Gerichte. Dabei entspricht der Hüne mit den breiten Schultern nicht unbedingt dem Klischee des Durchschnittsveganers. Tatsächlich isst er sogar manchmal Fleisch, doch die „fünf Mal im Jahr“, weiß er auch genau, woher es kommt. So auch beim halben Hähnchen, das noch in seinem Tiefkühlfach liegt. Seine Mutter hat es ihm aus der oberfränkischen Provinz mitgebracht.

Eine Woche geht immer

Das Projekt der drei jungen Männer hat schon richtige Wellen geschlagen: Wenn jeder, der den Plan bisher runtergeladen hat, ihn auch befolgt und jedes Gericht nachgekocht hat, wurden mit Fairfood bereits 129,53 Tonnen CO2, 123.360 Quadratmeter landwirtschaftliche Fläche und 740.160 Hektoliter Wasser gespart. Und der Counter tickt weiter. Die drei scheinen einen Nerv getroffen zu haben: Das Kochbuch wird kräftig auf Facebook, Twitter & Co geteilt und von der Webseite gedownloadet. Dass das Projekt sich online so gut vermarktet, liegt an Tobias und Strussi, die beruflich beide aus dem Bereich Online-Marketing kommen.

Die drei Blogger verfolgen mit ihrem Projekt dennoch keinen kommerziellen Zweck. „Wir stecken da viel Herzblut rein“, erzählt mir Strussi. Und das merke ich ihnen im Gespräch einfach an. Ihre Thesen klingen nicht auswendig gelernt, ihre Lebenseinstellung mehr nach Erfüllung statt nach Bürde. Ich fühle mich inspiriert: Bereits in der nächsten Woche möchte ich probieren, ob mir das Herzblut auch schmeckt. Immerhin sind es nur sieben Tage, mit denen ich meinen eigenen kleinen Teil zur Rettung der Welt beitragen kann.

Text: Mona Zwinzscher
Fotos: Diana Fuchs und Daniel Beuschel

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