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Filmfest Dresden: Mal so richtig den Kopf waschen

Seht, was wir zu fürchten und was zu hoffen haben: Das Filmfest Dresden feiert in diesem Jahr die Vielfalt und zeigt vom 9. bis 14. April unter anderem Schwarzweißfilme, die von vibrierenden Mobiltelefonen infiltriert werden. SPIESSER-Autor Vincent hat sich das Programm unter den Nagel gerissen.

28. März 2019 - 14:40
SPIESSER-Autor Kalendermensch.
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Kalendermensch Offline
Beigetreten: 14.12.2015

In der Kürze liegt die Würze. Ihr wisst gar nicht, wie oft mich Menschen dazu drängen, mich so kurz wie möglich zu fassen. Etwa in der Schule, wenn ich zu viel aus dem Buch herausschreibe, am Telefon, wenn mein Gegenüber nur begrenzt Zeit hat oder wenn SPIESSER-Chefredakteurin Polina mich dazu zwingt, meine literarischen Ergüsse tatsächlich noch zu kürzen. Fälschlicherweise ignoriere ich diese Punkte oftmals mit einem Augenrollen. Das Dresdner Filmfestival erinnert mich jedes Jahr daran, dass es möglich und sinnvoll ist, etwas auf den Punkt zu bringen.


31 FILMFEST DRESDEN 2019: Offizieller Trailer

Die filmische Undefinierbarkeit

Dresden wird dieses Jahr vom 9. bis 14. April zur Hauptstadt des Kurzfilms. Nachdem der 30. Geburtstag des Festivals im April 2018 mit allerhand besonderen Streifen und berechtigtem Tam-Tam gefeiert wurde, haben die Kuratoren für die 31. Version der Filmwoche ein ebenso hochkarätiges Programm zusammengeschustert. Der Festivalkatalog ist noch dicker als im vergangenen Jahr. Sein Cover ziert ein Schmetterling, der vielfältige Assoziationen hervorruft. Er kann sinnbildlich für die Vielfalt des Festivals stehen, die Buntheit, aber auch für die Verwandlungs- sowie Anpassungsfähigkeit und für die rasende Entwicklung des Mediums Film.


Der Internationale Wettbewerb macht Lust auf mehr.

Das Programm entpuppt sich – dem Covervogel entsprechend – als polymorph. 388 Filme laufen an sechs Tagen in 64 Vorstellungsformaten. Das Wort „Experimentierfreude“ habe ich beim Studieren des Kataloges nicht nur einmal gelesen. Der internationale Wettbewerb spricht mich dieses Jahr besonders an. Kernkriterium der Auswahl war, dass man das Undefinierbare nicht definieren kann. Die Selbstverständlichkeit des Auswahlteams, Kunst zuzulassen, dabei mit Konventionen zu brechen und das Gesehene mit Freunden noch zu diskutieren, fasziniert mich. Ich kenne das Gefühl gut. Du sitzt da in einem Kinosessel und verschluckst dich fast an der Bionade, weil das, was da auf der Leinwand passiert, so bizarr und originell ist. Dass Kunst auf den ersten Blick nicht immer Sinn macht, aber trotzdem existenzielle Gefühle auslöst, halte ich für einen einzigartigen Effekt, der mich schon oft beseelt hat.


Smalltalk oder gemeinsamer Kaffee – Begegnungen mit
internationalen Filmemachern.
Total expanded

Und dann gibt es auch dieses Jahr wieder diese herrlichen Zeilen unter den Film-Stills, die Lust auf mehr machen. Ein Beispiel: „Eine Frau ist in ihrer Wohnung mit einem Ei eingesperrt, von dem sie sich angezogen fühlt und vor dem sie gleichzeitig Angst hat“. Die Filme drehen sich, nach eigenen Angaben, um einsame, Hamlet rezitierende Stormtrooper in der Wüste, einen weiblichen Tampon, der einen männlichen Astronauten auf einem Roadtrip zum Mond begleitet oder die Vielfalt sexueller Manifestationen. Finde den Zusammenhang! Weil manches nicht kategorisiert werden konnte, gibt es in diesem Jahr erstmals das Format „Expanded“. Dort ist das zu sehen, was beim Sichten so übrig blieb. Eine andere Reihe verliert komplett die Kontrolle und nennt sich „Seriously! WTF?“: „Nur fünf Schritte nach rechts findet er eine Tür, die ihn zu Unbekanntem, Bekanntem und Unentdecktem führt“, steht unter einem Film. Die Tür in eine andere Welt – öffnen wir sie während des Filmfestes.


Das Herz des Dresdner Filmfestes schlägt im intimen Thalia-
Kino in der Dresdner Neustadt.
Früh übt sich

Da die Kartenabreißerinnen und -abreißer Unter-18-Jährigen den Zutritt zu den Wettbewerbsfilmen untersagen werden, empfehle ich für Betreffende das Jugend-Programm. Da die Zielgruppe hier spezifisch ist, wurde das Programm von Jugendlichen kuratiert. Die Filme hatten in den Vorjahren einen ganz besonderen Charakter. Ich empfehle euch, sie in der intimen Atmosphäre des Thalia-Kinos in der Dresdner Neustadt anzusehen. So heimelig!

Lasst mich proklamieren: Das 31. Dresdner Kurzfilmfestival wird mindestens genauso grandios wie letztes Jahr. Ein handverlesenes Programm, gut klingende Teaser, Begegnungen mit Filmemachern aus der ganzen Welt. Dufte! Ob der Programmkatalog hält, was er verspricht, wird sich zeigen. Ich werde berichten. Ich hipper Cineast. Dum dee bolala dum (Watch it and you’ll get it).

Koordinaten, die du jetzt brauchst
Viele weitere Information findet du auf: www.filmfest-dresden.de
Wenn du direkt im Online-Programm stöbern willst, dann klick hier.
Die Sneak Preview im Thalia-Kino Dresden findet am 4. April um 20 Uhr statt.
Nutze den Hashtag #FFD19 für weitere Recherchen und Support.

SPIESSER-Autor Vincent wird am Samstag, den 13.04. den SPIESSER-Instagram-Account kapern und live vom Filmfestival berichten. Stay tuned!

 

Text: Vincent Koch
Bildmaterial: Filmfest Dresden

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