SPIESSER Beschäftigungstherapie

Fleisch ist kein Gemüse

Grün, grün, grün sind alle meine... Schweinekoteletts? Während sich die Agrarindustrie in Berlin eine „Grüne Woche“ lang feiert, wird SPIESSER-Autorin Milena beim Anblick des weltweiten Fleischkonsums schwarz vor Augen.

24. Januar 2014 - 10:48
SPIESSER-AutorIn millaialfons.
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millaialfons Offline
Beigetreten: 13.02.2012


Angesichts der Mengen an Fleisch, die wir jährlich
in uns hineinschaufeln, könnten wir schon ins Grü-
beln kommen.

Ein Deutscher isst in seinem Leben im Schnitt 1.094 Tiere, darunter vier ganze Rinder, vier Schafe, zwölf Gänse, 37 Enten, 46 Schweine, 46 Puten und 945 Hühner. Kurz gesagt: sehr viele. Mit den weltweiten Fleischkon-sum-Zahlen kann man sogar Nullen-Jonglieren spielen. So werden beispielsweise jährlich circa 1.383.000.000 Schweine geschlachtet. Da komme ich doch nicht umhin, mich in Markus Lanz'scher Manier zu fragen: Wie ist das eigentlich für mich als Vegetarierin, wenn ich auf diese Riiiiesenzahlen gucke?

Diese Riiiiesenzahlen stammen übrigens aus dem – Achtung, könnte auch ein unkreativer Pornotitel sein –„Fleischatlas“ des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), der Heinrich-Böll-Stiftung und Le Monde diplomatique. Der Report vereint alles Essens- und Wissenswerte zur weltweiten Fleischproduktion. Leider schmecken die Zahlen und Fakten alles andere als appetitlich. Hier wird in Tonnen gemessen und in Millionen gemästet. Ich verstehe immer nur „viel, zu viel, viel zu viel“. Zu viel Nachfrage nach Fleisch, zu viel Konkurrenz innerhalb der Fleischindustrie, zu viel Massentierhaltung.

Allein in Deutschland gehören 40.000 Hühner oder 2.000 Schweine unter einem Dach laut „Fleischatlas“ schon zur „normalen“ Haltungsform, im Sekundentakt wird geschlachtet. Im niedersächsischen Wietze etwa, dem größten Geflügelschlachthof Europas, heißt das 27.000 Tiere pro Stunde und damit 135 Millionen im Jahr. Größentechnisch betrachtet ist das so, als würde die französische Bevölkerung gleich doppelt vernichtet. Hilfe!


Leider dürfen die meisten Kühe in Deutschland nur
die Innenansicht ihres Industriestalls genießen.

Die Agrarindustrie scheint diese Zahlen ausblenden und das Bild von der glücklichen Kuh auf der Weide, die sich an einem Grashalm verschluckt, stirbt und deshalb zu Steak verarbeitet wird, beibehalten zu wollen. Oder um es mit den Worten von Bauern-präsident Joachim Rukwied zu sagen: „Massentierhaltung gibt es nicht."  Kein Wunder, dass nicht zuletzt nach solch einer Äußerung zur „Grünen Woche“ in Berlin aufgeregte Demonstranten angestürmt kommen. Bei der „weltgrößten Messe für Ernährung, Landwirtschaft und Gartenbau“  gab es nicht nur eine 30.000-Personen starke Demo gegen die Landwirtschaftspolitik der Regierung, sondern unabhängig davon auch einen „Ironischen Pro-Fleisch Protest“. Motto: „Mehr Tierfabriken jetzt und hier!“.

Zwei kleine Hoffnungsschimmer bietet der „Fleischatlas“ übrigens: Zum einen suchen die Deutschen in den letzten vier Jahren auf Wikipedia vermehrt nach den Begriffen „Vegetarismus“ und „Veganismus“, zum anderen hält der Report eine – rein statistisch betrachtet – nahrhaftere Alternative zum konventionellen Fleisch bereit. Denn während vom Rind nur weniger als die Hälfte gegessen werden kann, können von einer Grille 80 Prozent verzehrt werden. Ähm... ja. Sorglos glücklicher Konsum zirpt anders.

Text: Milena Zwerenz
Foto: Flickr-User Landwirtschaftlicher Informationsdienst (CC BY-SA 2.0), boellstiftung (CC BY-SA 2.0), twicepix (CC BY-SA 2.0)

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Kommentare

Sechs Kommentare
  • Zu Beginn - Ich habe nichts dagegen, dass du Fleisch isst.
    Ich finde auch, dass du ein Stück weit Recht hast. Wie schon oben in den Kommentaren gepostet, findet sich hier: http://www.urgeschmack.de/verursachen-vegetarier-mehr-blutvergiessen-als... ein extrem interessanter Artikel speziell zu dem Punkt, ob alle Vegetarier/Veganer werden sollten. Um den Fazit des Artikels vorweg zu nehmen - nein, sollten sie nicht.
    Klar würden Arbeitsplätze wegfallen, aber das ist ja so, als ob man sich gegen die Aufhebung der Todesstrafe wehrt, weil dann der Henker arbeitslos wird ;) Und alle Veränderungen bringen Opfer mit sich, es gibt immer diese schwierige Übergangsphase, bevor sich das Neue "System" eingependelt hat. Wie wär's damit - man schlachtet die Tiere, die da sind, isst sie, und züchtet keine neuen? Man könnte die Zucht auch langsam zurückfahren.
    So, aber das ist sowohl abstrakt als auch extrem utopisch. :)
    Lies einfach den Artikel. Er ist weder pro-vegan noch pro-fleisch, sondern angenehm zwischendrin.

  • Auch wenn es mir in den Fingern brennt, die Gegenargumente rauszuhauen...ich glaube es macht wirklich keinen Sinn jetzt wieder mit dieser Diskussion anzufangen. Davon gibt es schon abertausende in sämtlichen existierenden Foren und ich bezweifle, dass sich irgendeiner (sei es Vegetarier oder Fleischesser) DAVON hat überzeugen/konvertieren lassen.

  • Hallo,
    ich finde ja, dass die diskussion etwas verbissen geführt ist-ich bin z.b. bekennende fleischesserin-aber wenn sich jemand anders ernähren will-gut. Leben und leben lassen, ist mein motto. Zum Thema fleischverzehr nur so viel-wenn alle veganer oder vegetarier wären, würden auch viel arbeitsplätze wegfallen, außerdem was macht man mit den tieren, die dann an altersschwäche sterben?

  • Guter Artikel!
    Ich finde das auch absolut zum Verzweifeln.... Ich bin inzwischen seit fünf Jahren Vegetarierin und tendiere gerade gegen vegan. Inzwischen habe ich meine Lektion gelernt und halte die Klappe. Manchmal habe ich aber trotzdem das Gefühl, dass sogar die Tatsache, dass ich kein Fleisch esse, manche Leute irgendwie persönlich angreift. Da erheben sich Laien zu Medizinern und sagen mir, ich mache meine Verdauung kaputt, als ginge es irgendwen ausser mir selber etwas an, was ich entscheide, meinem Verdauungstrakt zuzuführen. Da fragen mich Leute, wieso ich so esse, wie ich esse, und wenn ich ihnen so sachlich wie möglich erkläre, fangen sie an, ihr Fleisch zu verteidigen, als ginge es um weisgottwas.
    Und jetzt kommt noch dazu, dass Attilla Hildmann und Konsorten das ganze Thema "Vegan" zu einem einzigen Modegedöns gemacht haben und man sich anhören muss, dass man einem dämlichen Trend hinterherhechelt.
    Schön.
    Ich halte mich ja nicht für einen besseren Menschen, das bin ich weisgott nicht, aber manchmal frage ich mich echt, wieso ich mich rechtfertigen muss.

  • Wenn man den Fleischatlas so durchblättert möchte man wirklich am Liebsten den Kopf gegen die Wand schlagen...nur dass das leider auch nichts bringt.
    Und das Belehrende, das wir Vegetarier und Veganer so an uns haben, interessiert die meisten Fleischesser auch nicht im geringsten. Im Gegenteil, ich glaube die Fronten verhärten sich immer mehr...wenn man sich schon bei einem "Veggie-Day" in der persönlichen Freiheit angegriffen fühlt.
    Darum habe auch ich das schon aufgegeben. Man muss sich mit dem Thema beschäftigen (wollen), sonst kommt auch keine Erkenntnis.

    http://www.urgeschmack.de/verursachen-vegetarier-mehr-blutvergiessen-als... Das ist auch für mich ein interessanter Artikel und macht klar, dass Vegetarier auch nicht gleich bessere Menschen sind. Und ich bin sogar der Meinung, wenn jeder nur 1-2 Mal die Woche Fleisch essen würde, und das konsumierte Fleisch/die Milch/usw. aus ökologischer Weidehaltung käme, wäre auch das vollkommen vertretbar!!
    Ich persönlich habe für mich allerdings entschieden, dass für meine Gelüste kein Tier sterben soll.

  • Deswegen bin ich auch Vegetarier

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