SPIESSER unterwegs

Freiwillige vor!

Jeder Festivalbesucher kennt sie: Die Freiwilligen, die Becher einsammeln, Wasser verteilen oder sich für eine gemeinnützige Aktion stark machen. Wie der Alltag als Freiwillige auf einem Festival tatsächlich ist, hat SPIESSER-Autorin Louisa auf dem Melt herausgefunden.

31. Juli 2015 - 10:15
SPIESSER-Autorin Lou_.
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Lou_ Offline
Beigetreten: 25.02.2011

Wenn die Preise für Festivalkarten jedes Jahr proportional steigen und man sich nicht auf das Glück in der Ticketlotterie verlassen will, gibt es nur eine Möglichkeit, um seine Lieblingsbands doch live erleben zu können: Arbeiten. Eine Möglichkeit, um auf Festivals Engagement und Arbeit zu verbinden, ist die Freiwilligenarbeit. Viele Festivals suchen auf eigene Faust Freiwillige, die beispielsweise Müll einsammeln oder Besucher in die richtige Richtung lotsen.


An diesem Stand arbeitete Louisa während ihrer
Zeit auf dem Melt-Festival.

Aber auch gemeinnützige Organisationen wie Viva Con Aqua, die Tinnitusstiftung oder Oxfam rekrutieren auf zahlreichen Festivals Freiwillige. Bei letzterem habe ich auf dem diesjährigen Melt! Festival in Ferropolis volunteert. Die Bewerbung als Volunteer erfolgt online, oftmals wird eine konkrete Motivation für das Projekt erfragt. Für die Arbeit als Freiwilliger muss man nicht ehrenamtlich tätig sein, ich habe auf dem Melt auch zum ersten Mal in diesem Bereich gearbeitet.

Erst einmal ordentlich feiern

Die An- und Abfahrt muss man bei nahezu jedem Freiwilligen-Projekt selbst bezahlen. Am Donnerstagabend kam ich auf dem Festivalgelände auf der Halbinsel Ferropolis nahe Gräfenhainichen in Sachsen-Anhalt an. Obwohl der Hauptteil des Festivals erst am Freitagabend anfangen sollte, waren die Busshuttles und Campingplätze schon von feierwütigen Besuchern überströmt. Mit dem Crew-Festivalband ging es für mich dann auf das Hauptgelände, denn unser Campingplatz sollte direkt hinter den Bühnen liegen. Eigene Zelte mussten trotzdem mitgebracht werden, ich sollte in einem Drei-Personen-Zelt mit zwei anderen Freiwilligen nächtigen.

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es auch schon los zur Pre-Party, wo bis in die frühen Morgenstunden vorgefeiert wurde. Da ich aber auf dem Melt nicht nur zum Party machen war, ging es am nächsten Morgen gleich mit einer Anweisung über die Arbeit auf dem Festival weiter. Wenig später strömte ich schon auf das Festivalgelände aus. Im Gepäck: Eine Unterschriftenliste.

Arbeiten, wo andere Party machen

Für die Oxfam-Kampagne für eine gerechte Besteuerung von Großkonzernen sollte nämlich ich die Stimmen der Melt-Besucher sammeln. Gar nicht so einfach auf einem Festival, an dem der Großteil des Publikums erst nach 20 Uhr am Gelände eintrifft. Auch die permanente Hitze, Unwetterwarnungen und Regen behinderten die Arbeit. Trotzdem fanden sich viele Interessierte, die ihre Zeit nutzten, um über Steueroasen und Großkonzerne ins Gespräch zu kommen.


Trotz Arbeit hatte Louisa noch genug Zeit,
um das Melt richtig zu genießen.

Da in diesem Jahr  laut Veranstalter über 50% des Publikums aus dem Ausland kamen, war die englische Sprache für die Freiwilligenarbeit auch unabdingbar. Da die meisten internationalen Gäste besonders gesprächsbereit waren, konnte ich Unterschriften aus Amerika, Australien, Japan oder Ägypten sammeln. Die Freiwilligenarbeit bei Oxfam war in Schichten geteilt, die von 15 bis 22 Uhr dauerten. Weil die meisten Haupt-Acts auf dem Melt erst nach 22 Uhr spielen oder auflegen, konnte ich trotz der Arbeit noch genug vom Programm genießen.

Letztendlich war das Volunteering für mich eine gute Gelegenheit, um nette Menschen kennen zu lernen, mit internationalen Festivalbesuchern ins Gespräch zu kommen und meine Lieblingsacts kostenlos zu erleben. Für eine gemeinnützige Arbeit wie die von Oxfam sollte man allerdings sowohl stress- als auch wetterresistent sein und offen auf Menschen zu gehen können. Und arbeiten können, während alle anderen um einen herum feiern.

Text und Fotos: Louisa Zimmer
Teaser-Foto: Pressematerial Melt, © Robert Winter

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