Mittagspause mit ...

„Freundlichkeit ist schon die halbe Miete.”

Warum eine Karriere im Großhandel? Und wie wird man eigentlich Chef von etwas? SPIESSER-Autorin Chiara sprach mit METRO Deutschland Personalchefin Susanne Kortendick darüber, wie man seinen Traumjob findet, über den Umgang mit Nervosität und das Thema Sexismus.

16. Oktober 2017 - 10:05
SPIESSER-AutorIn cchiaron.
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cchiaron Offline
Beigetreten: 29.07.2017

Für Schüler und Studierende scheint Ihr Beruf sehr weit weg – Wie wird man Mitglied einer Geschäftsführung?

Ich bin Diplompädagogin im ersten Beruf und habe dann noch einmal weiterstudiert zur Diplomkauffrau. Als ich schon im Beruf war, habe ich nebenher promoviert und dann vor einigen Jahren einen Master of Executive Coaching aufgesattelt. Man kann sagen, ich bin immer wieder auf die Schulbank zurück. Es gibt kein Studium, dass umfassend auf den Berufsalltag als Geschäftsführerin Personal vorbereitet. Die meisten der Kollegen sind entweder wie ich Pädagogen, Juristen oder Kaufleute, aber ich habe auch schon Theologen kennengelernt – das ist sehr offen.

Können Sie Dinge aus Ihrem Pädagogikstudium heute noch anwenden?

So unterschiedlich ist das gar nicht. Als Führungsperson beschäftige ich mich viel damit, wie Menschen andere Menschen anleiten, Dinge zu tun. Da geht es darum, dass man Sachen lernt, und Pädagogen setzen sich mit der Frage auseinander, wie Menschen lernen. Das hat mir viel genützt in meinem Leben, weil es immer wieder darum geht, wie wir die Mitarbeiter auf neue Techniken schulen oder neue Verfahrensweisen einführen – da kann ich ganz viel aus meinem Pädagogikstudium schöpfen.

Susanne Kortendick
Als Schülerin wollte Susanne Kortendick eigentlich Lehrerin für Sonderpädagogik werden. Nach ihrem Studium der Erwachsenen- und außerschulischer Jugendbildung hat sie sich weitergebildet und Erfahrungen in verschiedenen Bereichen gesammelt. Heute leitet sie den größten Handelskonzern Deutschlands: Als Personalchefin sitzt sie seit März 2017 in der Geschäftsführung bei METRO Cash & Carry Deutschland und führt rund 12.000 Personen.
Was genau machen Sie als Personalchefin eigentlich?

Die schöne Antwort darauf ist: Eigentlich unterhalte ich mich den ganzen Tag. Das ist tatsächlich oft so in meinem Berufsalltag. Ich habe sehr viele Besprechungen, wenn es darum geht, wie wir Dinge im Unternehmen gut und richtig tun und wie wir unsere Beschäftigten über Probleme oder Änderungen informieren. Oder ich überlege, welche Weiterbildungsmöglichkeiten unsere Beschäftigten brauchen. Ganz konkret: Was muss unser Abteilungsleiter Fisch lernen, um auch morgen noch dem Kunden ein tolles Angebot machen zu können? Was müssen unsere Kassenkräfte lernen? Ansonsten stelle ich Leute ein, hin und wieder muss ich auch mal jemanden entlassen.

Worauf achten Sie bei Bewerbern bevor Sie jemanden einstellen?

Es ist immer wichtig, sich gut vorzubereiten und auch eine gute Bewerbung zu schreiben,  also eine, die mich interessiert. Mich interessiert, wenn sich jemand das Unternehmen schon mal ein bisschen angeguckt hat, auch weiß, dass die METRO zum Beispiel ein Großhandelsunternehmen ist und kein Einzelhandelsunternehmen. Solche Kleinigkeiten machen es da oft schon aus. Das gilt auch für Vorstellungsgespräche. Als junger Mensch müssen Sie keine perfekten Bewerbungsgespräche abliefern, das erwarten wir nicht. Aber eine Weltoffenheit, ein Interesse, eine Freundlichkeit: Das sind so Grundtugenden, die sollte jeder trainieren.

Und was würden Sie Jugendlichen sonst noch raten bei der Jobsuche?

Jungen Menschen würde ich immer empfehlen, sich viele Sachen anzugucken. Häufig weiß man gar nichts genaues über die eigenen Interessen, weil man nicht genug Dinge ausprobiert hat. Da wäre immer die Bitte: Mach mal ein Praktikum und auch gerne zwei oder drei Praktika, guck dir richtig verschiedene Unternehmen an.

Sie sind eine Frau in Führungsposition. Haben Sie auf Ihrem Weg dorthin negative Erfahrungen aufgrund Ihres Geschlechts gemacht?

In den ersten Jahren meines Berufslebens war es für Frauen nicht ganz einfach und gerade in der Bildung immer schwierig im Vergleich zu Männern. Eine Anekdote, und das habe ich schon jahrzehntelang nicht mehr erlebt: Bei meiner Jobsuche im letzten Jahr war ich bei einem mittelständischen Automobilzulieferer zum Bewerbungsgespräch. Dort angekommen wurde mir dann gesagt, ich käme für die Stelle nicht infrage, weil ich eine Frau bin. Das war die einzige Begründung und das wurde mir auch exakt so gesagt. Das ist aber natürlich nicht in jedem Unternehmen so.

Noch einmal zurück zur METRO: Was für Menschen sind im Handel gut aufgehoben?

Was man im Handel braucht, ist vor allen Dingen viel Freude an der Kommunikation. Es muss mir Spaß machen, mit anderen Menschen zu sprechen und die Produkte vorzustellen. Ich muss Freude daran haben, etwas über die Produkte zu lernen, die ich im Regal habe. Bei uns ändert sich schnell die Welt und es gibt immer wieder neue Trends. Das beste Beispiel dafür ist bio: Ein Riesending, aber ich muss auch wissen, was bio eigentlich ist. Und in zehn Jahren muss ich dann etwas anderes wissen. Und: Freundlichkeit. Das ist schon mal die Hälfte der Miete.

Text: Chiara Arom
Fotos: Jakub Kaliszewski

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