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Grüner wird's nicht

Es grünt so grün … oder? Leider nicht mehr für Schorsch. Seine Gärtnerei steht vor dem Aus – und nicht nur die. Er entflieht aus seinem drögen Leben. Wie er das macht und wem er dabei begegnet, weiß SPIESSER-Autorin Sophia.

30. August 2018 - 13:04
SPIESSER-Autorin Miss_Sophia_.
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Miss_Sophia_ Offline
Beigetreten: 23.08.2018

Worum geht's?

Schorsch (Elmar Wepper) ist ein alter kauziger und etwas verbitterter Gärtner. Seine Gärtnerei steht kurz vor der Pleite und auch seine Ehe mit Monika (Monika Baumgartner) ist am Ende. Mit seinem letzten Besitz einem rostigen alten Propellerflugzeug, das gepfändet werden soll, haut er spontan ab. Auf seiner ungewöhnlichen Reise lernt er die junge Philomena (Emma Bading) kennen, landet an allerlei skurrilen Orten, schlittert in zahlreiche Abenteuer und findet nach und nach sein Glück wieder.

Wer spielt mit?

Die Rolle des Schorsch übernimmt der bekannte Schauspieler Elmar Wepper. Der jüngeren Generation mag er eher unbekannt sein – alle anderen kennen ihn aus „Kirschblüten – Hanami“ und „Dreiviertelmond“. Mehr Bekanntheitsgrad bei der Jugend dürfte Emma Bading haben. Zuletzt war sie in einer Hauptrolle in „Meine teuflisch guten Freundin“ zu sehen. Auch Monika Baumgartner dürfte vielen aus der Serie „Der Bergdoktor“ bekannt sein. Viel mehr Figuren braucht es auch nicht. Mittelpunkt ist Schorsch und seine etwas skurrile Reisebegleitung Philomena. Auf ihrer Reise begegnen sie dem ein oder anderen Menschen, der sie zwar in ihrer eigenen Geschichte weiterbringt, den sie aber in seiner Geschichte nicht wirklich beeinflussen. Kurz: Die Hauptrollen sind zwar von ihren Nebenrollen abhängig, aber die meiste Zeit sind sie auf der Leinwand alleine zu sehen. Erst im letzten Drittel des Films wird es nochmal spannend: Die Figur Hanna stellt Schorschs Welt tierisch auf den Kopf.

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Filmischer Augenschmaus?

Besonders die gezeigte Landschaft ist ein filmischer Augenschmaus. Atemberaubend schön werden die verschiedenen Landstriche Deutschlands in Szene gesetzt. Von Bayern im Süden bis hin nach Brandenburg – dieses Roadmovie ist anderes. Sobald die Hauptfigur sehr spontan mit seinem Flugzeug abhaut, beginnt ein Befreiungsschlag. Schorsch ist gefangen in einem Korsett aus Zwängen, Alltagstrott und Unzufriedenheit. Die Reise durch die Luft ist sein letzter Ausweg, dieses Korsett loszuwerden. Mit jeder Zwischenstation und seiner ungleichen Reisebegleitung Philomena verändert und entwickelt er sich. Es ist wie ausatmen nachdem er Jahre lang die Luft angehalten hatte.

Auf der Bildebene ist zu erwähnen, dass die Kamera einen Kontrast zwischen Nahaufnahme und Totale aufbaut. Nahaufnahmen werden vor allem bei emotionalen Dialogen verwendet – gerade ab dem zweiten Drittel des Films nehmen diese zu, sobald Schorsch beginnt sich zu öffnen und Nähe wieder zuzulassen. Wir bleiben dadurch nah an den Figuren dran. Dem gegenüber stehen augenscheinlich die Totalaufnahmen der Landschaften. Die Figuren selbst rücken hier in den Hintergrund. Normalerweise würde die Distanz bei diesen Einstellungen größer werden – doch es sind genau diese Totalen, die das Gegenteil verursachen: Wir fühlen wie die Hauptperson. Wir spüren die Freiheit und Nähe. Der Schlag aus der Enge des Alltags ist durch diese Bilder nahbar. Mit jedem erneuten Start in die Luft und beim Verlassen der Zwischenstation wirkt Schorsch befreiter – zu bemerken ist dies vor allem in dem Spiel von Elmar Wepper. Seine Figur entwickelt sich vom griesgrämigen, alten Mann zu einem lebensfrohen und wieder sinnsehenden Neuanfänger.

Gibt’s was zu meckern?

Der Film richtet sich in Thematik und Ästhetik vor allem eher an eine ältere Zielgruppe 25/30+. Es werden weniger die Belange einer jüngeren Generation angesprochen. Zwar wird diese in einem Nebenstrang durch Philomena und ihre häuslichen Probleme erzählt, Mittelpunkt ist und bleibt aber die Entwicklung und Reise von Schorsch. Ein zweiter Punkt, der mir aufgefallen ist, ist der bayerische Dialekt zu Beginn des Films. Da Schorsch aus einer bayerischen Kleinstadt stammt, wird natürlich überwiegend mit bayerischen Dialekt gesprochen, der zwar systematisch und authentisch wirkt oftmals aber viel zu unverständlich ist.

Braucht man Taschentücher?

An manchen Stellen kann es ein wenig emotional werden. Wirklich Taschentücher braucht man aber keine. Humor und Romantik dominieren in diesem Roadmovie.

Mit wem angucken?

Vor allem Liebhabern des deutschen Films und/oder des gleichnamigen Romans.

Auf einen Blick
Action:
Romantik: ✪ ✪ ✪
Humor: ✪ ✪ ✪ ✪
Niveau: ✪ ✪ ✪ ✪
Bildungsfaktor:
Was macht man danach?

Bei den atemberaubenden Landschaftsaufnahmen … definitiv den Flugschein!

In 3 Worten:

Abenteuer. Freiheit. Selbstfindung.

Große Leinwand oder kleiner Bildschirm?

Der Film müsste nicht zwingend auf der großen Leinwand gezeigt werden. Ein kleiner Bildschirm würde in diesem Fall auch reichen – lediglich wenn es um diese atemberaubenden Landschaftsaufnahmen geht, wäre die Leinwand von Vorteil. Der Gang ins Kino würde sich in diesem Fall nur für Fans vom Roman oder für Filmliebhaber lohnen. Ansonsten reicht der kleine Bildschirm vollkommen.

Mainstream oder Independent?

„Grüner wird’s nicht“ gehört definitiv nicht zum Mainstream! Zwar ist er für die große Leinwand gedacht, aber mehr für kleinere Programmkinos. Er zählt in seiner Ästhetik und auch Thematik eher zu den Independentfilmen. Liebhaber des Romans werden sicher auf ihre Kosten kommen. Für mich ist der Film vor allem ein abenteuerliches Roadmovie in der Luft, eine Findung zu sich selbst und über den Sinn des Lebens. Auf einer skurrilen Reise kommt sich ein ungleiches Paar auf einer faszinierenden Ebene näher – und beeinflusst den jeweils anderen auf eine positive und verändernde Art. Mainstream ist aber mit keiner Sekunde zu spüren.

Grüner wird's nicht - Sagte der Gärtner und flog davon

Regie: Florian Gallenberger
Darsteller: Elmar Wepper, Emma Bading, Monika Baumgartner, Dagmar Manzel, Sunnyi Melles u.a.
Kinostart: 30. August 2018
Filmlänge: 118 Minuten
Genre: Drama, Komödie
FSK: ab 0 Jahren

 

Text: Sophia Foertsch
Teaser: © Majestic

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